Der Anspruch an die Qualität ist hoch

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Markus Weinbrenner fordert schnelle Genehmigungsverfahren in Offenbach.

Offenbach - Er hat ein Faible für Japan - nicht nur, weil Markus Weinbrenner seit Jahren die Partnerschaft mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Kawagoe betreut. In seinem Dienstzimmer hängen Bilder mit japanischen Motiven. Von Marc Kuhn

Er mag die Kultur, die Schlichtheit, die Ästhetik, wie der Geschäftsführer der Offenbacher Kammer sagt. Die Liebe zum Detail, den intensiven Qualitätsanspruch. „Ich habe auch einen hohen Anspruch an Qualität“, erklärt der 45-jährige Vater von zwei Kindern. Den haben sicherlich auch die Mitarbeiter der IHK bemerkt, deren Geschäftsführung Weinbrenner seit 1999 angehört, zuständig für die Bereiche International, Existenzgründung und Unternehmensförderung. Am Montag rückt er in die Position des Hauptsgeschäftsführers auf. Amtsinhaberin Eva Dude geht heute in den Ruhestand.

Der bisherige IHK-Referent Frank Achenbach, der sich seit zwölf Jahren um die Wirtschaftspolitik kümmert, übernimmt am 1. November als Geschäftsführer den Bereich Standortpolitik, Existenzgründung und Förderung. Als neue Geschäftsführerin ist Miriam Schwan ab Mitte Oktober für die Segmente International, Innovation und Umwelt zuständig. Sie kommt von der Außenhandelskammer Tschechien. Schwan solle frischen Wind in die IHK bringen, sagt Weinbrenner.

„Wir sind ein gut aufgestelltes Haus“

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„Ich werde die Freiheit von Terminen genießen“

Mit dem in Königstein geborenen Volkswirt, der in Frankfurt und Southampton studiert hat, setzt die IHK auf einen in Offenbach verwurzelten Kammer-Manager. Erste berufliche Erfahrungen hatte Weinbrenner als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der European Business School in Oestrich-Winkel gesammelt. 1996 ist er dann zur IHK nach Offenbach gekommen, um das Service-Zentrum aufzubauen und zu leiten. Gerne erinnert sich Weinbrenner auch daran, wie er den Umzug der Kammer aus der Innenstadt in den Neubau an der Frankfurter Straße vorbereitet hat. Dort sitzt der Geschäftsführer in seinem Büro mit Wänden teils aus Glas. Er mag Transparenz, sagt Weinbrenner. „Wertschätzende Kommunikation in Unternehmen ist extrem wichtig.“ Am Montag zieht er in die Räume des Hauptgeschäftsführers um - mit der steigenden Verantwortung wird dann auch die Vernetzung mit den Kollegen und der Wirtschaft in Offenbach sowie im Rhein-Main-Gebiet noch wichtiger.

Kooperativ und offen, so geht der neue IHK-Chef auf seine Mannschaft zu. „Ich versuche ein gutes Miteinandern hinzubekommen, gleichzeitig aber auch Leistung einzufordern.“ Druck ist weniger seine Sache. „Man muss die Leute motivieren, damit sie Spaß an der Arbeit haben.“ Weinbrenner weiß die Arbeit seiner Vorgänger zu schätzen: „Wir sind ein gut aufgestelltes Haus. Das ist eine traumhafte Ausgangsposition.“

„Die A3 muss achtspurig ausgebaut werden“

Das Bewusstsein der Firmen für Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Wirtschaften will Weinbrenner schärfen. Ökologie, Soziales, aber auch Ökonomie gehörten zusammen. „Der Mittelstand denkt ja schon langfristig. Das kann man sicherlich noch ausbauen.“

Weinbrenner sieht natürlich einige Herausforderungen auf sich zukommen. Ein Stichwort ist die Stadtentwicklung. „Wie können wir den Wirtschaftsstandort Stadt und Kreis nach vorne bringen?“ Wichtig sei es, mit den Verantwortlichen in der Stadt den Masterplan zu entwickeln. Dieser solle eine Art Leitschnur für die Politik sein. „Der Plan ist aber auch für Unternehmen wichtig, weil er Planungssicherheit gibt.“ Weinbrenner verweist auf bestehende Strukturen wie die Kreativwirtschaft und technologieorientierte Dienstleister, die ausgebaut werden könnten. Offenbach habe zudem Gebiete im Kaiserlei, Hafen, das Allessagelände und den ehemaligen „manroland“-Standort, die für Firmen attraktiv seien. Wichtig sei, dass in der Rhein-Main-Region positiv über Offenbach gesprochen werde. „So kann auch bei den Firmen Interesse geweckt werden.“ Entscheidend für die Zukunft von Stadt und Kreis seien gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft wie schnelle Genehmigungsverfahren und eine mittelstandsfreundliche Kommunalverwaltung. An die Ansiedlung produzierender Industrie glaubt Weinbrenner nicht. Er hofft, dass Firmen ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Offenbach etablieren. Zudem fordert Weinbrenner eine bessere Verkehrsinfrastruktur. „Die A3 muss achtspurig ausgebaut werden.“ Er verlangt darüber hinaus Hochleistungs-Internetverbindungen in Stadt und Kreis.

„Wenn man nicht genügend Leute hat, muss der einzelne eine höhere Produktivität haben“

Unterstützung erwartet Weinbrenner von der Verwaltung. „Die Kooperation der kommunalen Wirtschaftsförderung kann verbessert werden“, sagt er. „Wenn ein Unternehmen sich für die Region interessiert, ist es wichtig, dass es in der Region bleibt. Zweitrangig ist, an welchem Standort sich die Firma ansiedelt..“

Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs hat Weinbrenner seine ganz eigenen Vorstellungen. „Derjenige, den sie ausbilden, muss eine höhere Produktivität haben. Wenn man nicht genügend Leute hat, muss der einzelne eine höhere Produktivität haben.“ Deshalb wird das Studium für Unternehmen verstärkt interessant. „Das ist Teil der Zukunft der IHK: Die duale Ausbildung und das duale Studium müssen besser verzahnt werden.“

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