Antisemitismus in Offenbach?

Dezernenten suchen Gespräch mit Bonifer

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Seine Kippa verbirgt Max Bonifer laut eigener Aussage aus Angst vor Übergriffen unter einer Kappe.

Offenbach - Die vom ehemaligen Stadtschulsprecher Max Moses Bonifer ausgelöste Integrations-Debatte bewegt längst das Rathaus. Bürgermeister Peter Schneider und Sozialdezernent Dr. Felix Schwenke haben den 18-Jährigen umgehend zum Gespräch geladen.

Bonifer hatte für überregionales Aufsehen gesorgt, als er seinen Rücktritt als Schulsprecher mit auf seine Person gemünzten antisemitische Schmähungen und Drohungen begründete und die städtische Integrationspolitik für gescheitert erklärte. Im Gespräch machten die Politiker deutlich, dass sie antisemitische Äußerungen nicht dulden: „Das ist kein Klima, das wir in der Stadt akzeptieren.“ Gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte dürfe es für extremistische Ideologien keinen Boden geben. „Was Bonifer laut seiner Aussage widerfahren ist, ist absolut inakzeptabel“, verdeutlicht Schwenke.

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Mit Unverständnis reagiert der Dezernent allerdings auf pauschale Vorwürfe gegen die Integrationspolitik: „Die These, dass die Mehrheit der Muslime nicht integrationswillig sei, ist schlichtweg falsch. Solche einseitigen Aussagen belasten unnötig das Zusammenleben der Menschen. Wir haben in Offenbach nicht mehr oder weniger gesellschaftliche Konflikte als anderswo in Deutschland.“

Zwar führe die weltpolitische Lage zu steigenden Aggressionen; auf die Entwicklung werde an Ort und Stelle aber sofort reagiert. Von Verharmlosung oder Weglächeln könne daher keine Rede sein. „Denn das ist allen Beteiligten klar: Wir als Kommune werden nie alle erreichen können, dazu benötigen wir die Unterstützung der Zivilgesellschaft, der Religionsgemeinschaften und der Landes- und Bundespolitik“, erläutert Schwenke. Darüber hinaus wende die Stadt dieselben Integrations-Instrumente an, die auch anderen Kommunen zur Verfügung stünden: ein intensiver interreligiöser Dialog, eine Arbeitsgruppe Prävention mit der Polizei sowie die direkte Einflussnahme auf junge Menschen mittels Lehrern, Schulsozialarbeitern, Jugendbeauftragten und mit vielen ehrenamtlichen Helfern auf sozialem Gebiet. „Von daher ist auch die Behauptung, wir gingen nicht an die Menschen heran und feierten nur Feste, nicht haltbar“, sagt Schwenke.

Gerade in Offenbach sei das Miteinander verschiedener Kulturen und Nationen an der Tagesordnung. „Entgegen polarisierender Behauptungen funktioniert das Zusammenleben grundsätzlich sehr gut. Ich habe aber immer betont, dass es auch Probleme gibt, die ich sehr ernst nehme.“

Anders als etwa in Neukölln gelinge es in Offenbach, mit allen Moscheegemeinden an einem Tisch zu diskutieren. Und für die unbelehrbaren Antisemiten, radikalen Islamisten und sonstigen Rassisten bedürfe es der konsequenten Anwendung der Gesetze durch Polizei und Strafverfolgungsbehörden. Die klare Haltung dabei: „In Deutschland muss Deutsch unsere gemeinsame Sprache sein. Die geltenden Regeln und Gesetze müssen eingehalten werden. So darf zum Beispiel niemand wegen seiner Herkunft, seiner Religion oder seines Geschlechts diskriminiert werden“, macht Schwenke klar.

Schwenke und Schneider betonen im Anschluss, dass die von Bonifer geschilderten Anfeindungen bei den nächsten Sitzungen des Islamischen Runden Tisches sowie des Kompetenzteams Integration auf die Tagesordnung gesetzt werden. 

(eml)

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