Kommentar: Antworten geben

Endlich wird genauer analysiert, und das schwer kranke Klinikum Offenbach kommt auf die Intensivstation. Von Peter Schulte-Holtey

Zum gestern präsentierten Sparprogramm gehört nicht nur ein ganzes Medizinpaket mit Mitteln zur Kostensenkung und Ertragssteigerung, sondern auch der Appell ans Land Hessen, bei den sogenannten Altverbindlichkeiten zu helfen. „Es gibt keine Lösung des Finanzproblems allein aus Offenbach heraus“, sagt Stadtkämmerer Michael Beseler - und macht damit deutlich, dass das politische Gezerre um ein Überleben des Klinikums in kommunaler Hand erst noch bevorsteht. „Wir wollen das Krankenhaus in städtischer Hand halten, müssen es aber nicht - wenn keine Lösung mit dem Land und den Aufsichtsbehörden gefunden wird“, drohte der Sozialdemokrat.

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Schlechte Note für Produktivität

Die befristete Übertragung des Klinikmanagements an den kommunalen Berliner Klinikkonzern Vivantes und das Sanierungskonzept bieten den Offenbacher Parteien jetzt die Chance, einen dauerhaften Gesundungsprozess einzuleiten. Es wird höchste Zeit für überzeugende Antworten, Tabus darf es jetzt nicht mehr geben.

Und es gibt viele Fragen an die Verantwortlichen: Die Schieflage und erstaunliche Organisationsmängel sind doch seit Jahren bekannt; warum wurde so lange an der alten Geschäftsführung festgehalten? Warum ist der sehr hohe Beitrag der Mitarbeiter zur Gesundung bislang wirkungslos verdampft und wie sollen sie - mit Blick auf diese Erfahrung - erneut für Gehaltskürzungen gewonnen werden? Wie soll ein Sanierungskonzept erfolgreich angestoßen werden, wenn die Interims-Geschäftsführung in wenigen Wochen wieder Offenbach verlässt? Wie sollen Mitarbeiter, die sich jetzt schon oftmals völlig erschöpft fühlen, effizienter eingesetzt werden, wenn ihnen - ausgelöst durch den Abbau hunderter Stellen - weitere Belastungen drohen?

Es gibt viel zu tun. Von Interims-Geschäftsführerin Franziska Mecke-Bilz kam gestern ein Hinweis, den die Verantwortlichen bei der Umsetzung ihres Reformplans besonders ernst nehmen sollten: Die Mitarbeiter müssten „mitgenommen“ werden, ihnen sollte erklärt werden, dass die Sanierungsanstrengungen auch Sinn ergeben.

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