Antworten statt inszenieren

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SPD-Vorsitzende unter sich: Thorsten Schäfer-Gümbel (links) und Stephan Wildhirt.

Offenbach ‐ Der Neujahrsempfang der lokalen SPD ist ein schwerpunktmäßig landes- und bundespolitisch geprägter. Kommunales findet am Dienstagabend im Foyer des Büsingpalais’ außer beim Smalltalk nicht statt. Von Thomas Kirstein

Der Unterbezirksvorsitzende beschränkt sich aufs namentliche Begrüßen eines Großteils der Gäste aus allen Gruppierungen, Institutionen und Lagern der Stadt. Einen einzigen hebt Stephan Wildhirt extra hervor - elegante Lösung, die auch ihn betreffenden Querelen der jüngsten Zeit zu streifen: Peter Walther, dem neuen Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach Holding, entbietet er seinen besonderen Gruß, ausdrücklich auch als Geste.

Ich halte ihn für sehr gut geeignet auf diesem Posten - Sie sehen, es bleibt nichts zurück“, sagt Wildhirt, der zu gern nach seinem am Montag anstehenden Ausscheiden als Direktor des Planungsverbands neuer SOH-Chef geworden wäre.

Schäfer-Gümbel mit angenehm unaggressiver Rede

Und schon hat der Ehrengast das Wort. Thorsten Schäfer-Gümbel tritt mit einer frei vorgetragenen, knappen und angenehm unaggressiven Rede den Beweis an, dass er keine Verlegenheitslösung nach dem Ypsilanti-Desaster war.

So mancher im Raum, der ihm wegen Parteibuch oder Funktion bei bestimmten Aussagen nicht applaudieren darf, nicht wenigstens beifällig. An den Anfang seiner Neujahrsreden stellt der im Genossen-Jargon zu „TSG“ verkürzte Oppositionsführer im Wiesbadener Landtag und hessische SPD-Vorsitzende die Diskrepanz zwischen politischer Inszenierung und der Aufgabe, Antworten auf Zukunftsfragen zu finden.

Dass er sich bei seinen Ansprachen für Sachlichkeit und gegen Polemik entschieden haben will, schließt Seitenhiebe nicht aus. Der Freiherr zu Guttenberg, sagt er etwa, sei für ihn das beste Beispiel, wie medialer Anspruch und Wirklichkeit diametral auseinander gehen könnten. Schäfer-Gümbel bringt Zahlen, um die Herausforderungen zu unterstreichen, die alle beschäftigen müssten: „In ein paar Jahren haben wir in Deutschland nur noch zehn Millionen Kinder, von denen vier Millionen an der Armutsgrenze leben - falls wir alles richtig machen. Es geht nicht um den Herrn Guttenberg und seinen Anzug auf dem Weg nach Afghanistan, sondern darum, wie wir jetzt die Weichen stellen.“

Nachtflugverbot wird kommen

Hessens Ober-Genosse fordert den Erhalt der regionalen Kompetenz in der Arbeitsverwaltung; Offenbach dürfe sich glücklich schätzen, weil es mit Dr. Matthias Schulze-Böing einen der kompetentesten Sozialexperten Deutschlands zum Chef der Hartz-IV-GmbH Mainarbeit habe. Als „zynisch“ bezeichnet er CDU-Vorschläge, die Zuverdienstmöglichkeiten für Hilfsempfänger zu erhöhen - das sei eine Einladung an Unternehmer Hungerlöhne zu zahlen, weil die Allgemeinheit für den Ausgleich aufkomme. Mit dem Thema Flughafen, so weiß der Vorsitzende, macht er sich in Offenbach weniger Freunde. Er stehe zur SPD-Zustimmung zum Ausbau, sagt er: „Wir können aber jedem in die Augen schauen, weil wir seit zehn Jahren versprechen, es kommt ein Nachtflugverbot.“ Deshalb werde man die Landesregierung auffordern, ihren Wortbruch zurückzunehmen. Einflussreiche Offenbacher Christdemokraten sollten dazu ihren großen Einfluss in Wiesbaden geltend machen. Bei Offenbachs, in Sachen Flughafen der Parteilinie trotzenden Liberalen konnte sich Thorsten Schäfer-Gümpel dagegen einschmeicheln: „Wir müssen Sie ja in Wiesbaden ständig gegen Ihren Vorsitzenden Jörg-Uwe Hahn in Schutz nehmen.“

Der Neujahrsredner schließt nach einer halben Stunde mit dem Appell, sich einzumischen und Politiker nicht mit vorgefertigten Antworten davonkommen zu lassen.

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