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Mit einem Miet-Modell für Aquarien und Fische wagt Michael Müller den Sprung ins kalte Wasser der Existenzgründung.

Offenbach - Michael Müller ist 34 und will jetzt schwimmen lernen. Nicht, dass er im Badesee bisher um sein Leben hätte fürchten müssen. Nein, die ersten Züge, die er gerade wagt, sind beruflicher Natur. Von Barbara Hoven

Müller ist Existenzgründer, einer mit viel Fantasie und noch mehr Faszination für Zierfische. Seine Geschäftsidee: Ein Leasing-Service für Aquarien. Samt Rundum-Sorglos-Paket.

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Ein Polster hilft - aber nicht beim Ausruhen

Müllers Miet-Modell fängt an bei der Beratung rund ums Aquarium, geht über den Aufbau des Beckens, der Wahl der Pflanzen, Fische und Filter bis hin zur Pflege. Zweimal im Monat will Müller bei seinen Kunden vorbeischauen, die Scheiben reinigen, die Pflanzen zurecht schneiden, das Wasser wechseln. „Wer nicht möchte, muss nicht einmal selbst füttern“, sagt er. Dafür gebe es Fütterautomaten, die müssen nur alle zwei Wochen befüllt werden.

Kanzleien, Restaurants und Arztpraxen erreichen

Das Geschäftsmodell sei zwar in Ländern wie Amerika und Skandinavien schon verbreitet, in Deutschland indes noch kaum zu finden, sagt Müller. Die Frage, ob die große Zeit der Aquarien nicht längst vorbei sei, verneint er entschieden. Und erzählt, dass sich seit dem Animationsfilm „Findet Nemo“ wieder sehr viele Kinder für Fische begeistern.

Michael Müller, hier mit einem Nanoaquarium, will‘s jetzt wissen. Er gründet seine eigene Firma.

Doch nicht Kinder und Familien sind es, an die sich sein Angebot richtet. Müller hofft, dass er Kanzleien, Restaurants und vor allem Arztpraxen für das beruhigende Blubbern begeistern kann. „In Wartezimmern sitzen Leute, die sehr angespannt sind.“ Dagegen helfe ein Aquarium sicher besser als ein Blick in den Fernseher oder die Frauenzeitschrift.
In seiner Broschüre wirbt Müller, schon ganz Geschäftsmann, aber auch mit finanziellen Vorzügen der Leasingofferte. Planbare Kosten etwa und steuerliche Absetzbarkeit. Ein 240 Liter fassendes Panorama-Aquarium soll monatlich 89 Euro kosten - mehr Service ist zubuchbar, eine Garantie auf Fische und Pflanzen möglich.

„Die meisten Leute sind zu sauber.“

Hört sich nach guter Vorarbeit an. „Ich glaube, der Grundstein für den Erfolg einer Idee wird schon vor der Gründung gelegt“, sagt Holger Winkler, der bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach Existenzgründer berät. Wichtig sei es, den Markt zu erkunden, ein Konzept zu erstellen und sich Gedanken zu machen über die Zielgruppe. Dazu kämen Marketing und Vertrieb. „Eine gute Idee allein ist nicht viel wert, wenn man sie nicht gut vermitteln und verkaufen kann.“

Mit dem Verkaufen kennt Michael Müller sich aus. Viele Jahre stand er in diversen Zoofachgeschäften der Region hinter dem Tresen, bot an, was das Herz des Tierfreundes begehrt. „Am meisten hat mich immer die Aquaristik fasziniert, seit mir mein Onkel mit 13 Jahren mein erstes Aquarium schenkte“, schwelgt und schwärmt er. Immer wieder habe er erleben müssen, was die Leute alles falsch machen mit ihren „normalen Gesellschaftsaquarien“ in den Wohnzimmern.

„Die meisten Leute sind zu sauber, reinigen alle drei Tage den Filter, sobald sie ein wenig Dreck entdecken.“ Ratsam sei das im Sinne des biologischen Gleichgewichts nur alle sechs Wochen. Auch müsse das Wasser regelmäßig gegen frisches getauscht werden, um überschüssige Nährstoffe, die durch Fischkot oder abgestorbene Pflanzenteile entstehen, loszuwerden. „Manche Leute füllen einfach nur nach, das geht nicht.“

Weitere Informationen bei Michael Müller, Tel. 0177/9604552.

Fachlich sieht Müller sich fit für den eigenen Betrieb, hat sich deshalb schon mal mutig vom Beckenrand abgestoßen. Was man sonst noch wissen muss, will er sich jetzt in einer Schulung beim Gründerzentrum KIZ Offenbach erklären lassen. Danach soll das Aquarien-Leasing richtig anlaufen und vom Neben- zum Vollgewerbe werden.

Eifrig träumt er bereits von weiteren Geschäftsfeldern, etwa einem Teich-Leasing. „Ich freu mich schon drauf, irgendwann meinen Sportwagen zurückzukaufen“, sagt er und zeigt auf ein Foto an der Wand. Den hat er verscherbelt, um das Startkapital für seine Firma zusammen zu kriegen.

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