Arbeiterwohlfahrt Offenbach zieht Bilanz 

Keine Trendwende in Sicht

+
Dr. Hans Jochen Schild, Andrea Büchner und Gerhard Jaxt zählen zu den langjährigen Vereinsmitgliedern, die durch Vorstand Kurt Herrmann und Kurt Henninger (von links) bei der AWO-Hauptversammlung geehrt wurden.

Offenbach - Ein stabiles finanzielles Fundament auf der einen Seite, aber eine weiter sinkende Mitgliederzahl auf der anderen: Das kennzeichnet die Zustandsbeschreibung der gemeinnützigen Werkstätten Hainbachtal und des sie tragenden Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt. Von Harald H.Richter

„Trotz allen Werbens brachte das vergangene Jahr keine Trendwende“, sagt Vorsitzender Kurt Herrmann und meint die Mitgliederentwicklung. Ende 2014 waren 622 Frauen und Männer beim Kreisverband Offenbach Stadt der Arbeiterwohlfahrt gelistet, verglichen mit dem Jahr davor ein Minus von 47. Den Austritten und todesfallbedingten Abgängen standen nur acht Neuanmeldungen im Berichtzeitraum gegenüber – deutlich weniger als erwartet, nachdem 2013 noch 24 Zugänge zu verzeichnen waren. „Da müssen wir verstärkte Anstrengungen unternehmen und besonders jüngere Menschen ansprechen, Mitglied zu werden“, betont der Vorsitzende während der Jahreshauptversammlung im Waldcafé Hainbachtal. Er denkt dabei an junge Eltern, deren Sprösslinge die inzwischen in Betrieb genommene Kindertagesstätte Fuchsbau besuchen.

Wichtig sei es, die volle Auslastung der von Christina Pfeiffer-Bechtold geleiteten Einrichtung herbeizuführen. Die Zeichen dafür stehen gut, denn zurzeit besuchen 48 Kinder unter drei Jahren die Tagesstätte mit Naturerlebnis-Anspruch und gelebter Inklusion. Hinzu kommen 39 Mädchen und Jungen von drei bis sechs Jahren in der Waldkindergarten-Gruppe. Auch andere Aspekte, die Herrmann in seinem Rechenschaftsbericht erwähnt, setzen eine erfolgreiche Entwicklung fort: Häusliche Pflege, Seniorenservice, betreutes Wohnen sowie generationenübergreifende Angebote. „Erstmals ist es gelungen, die ambulanten Dienste aus der Verlustzone zu holen“, bilanziert der Vorsitzende. „Unser Spielraum für andere Aufgaben, etwa die sozialen Dienste und die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer, ist dadurch größer geworden.“ Eitel Sonnenschein herrscht trotzdem nicht, denn ein noch unausgeglichenes Ergebnis beim Betreuungsverein macht deutlich, dass einige Anstrengungen vonnöten sind. Nach Bekanntwerden städtischer Pläne zum Veräußern des Grundstücks, auf dem die Altentagesstätte Else-Herrmann-Haus steht, werde man zwar den Abriss nicht verhindern können. Wohl aber sei der neue Investor bereit, in einem seiner künftigen Wohngebäude einen Saal zu errichten, der von der AWO genutzt und bewirtschaftet werden könne.

Der Bilanzbericht der AWO weist wiederum einen leichten Überschuss aus. Der Vorsitzende wertet das als Beleg für Richtigkeit des vor Jahren eingeleiteten Restrukturierungs- und Konsolidierungsprozesses. Für die Werkstätten Hainbachtal mit ihren sechs Standorten in Stadt und Kreis, unter anderem in Dietzenbach und Rödermark, steht unterm Strich ein Plus von 201 000 Euro zur Verfügung. Am Jahresende wurden 705 Menschen mit Behinderung beschäftigt und betreut. Davon arbeiteten 453 geistig Behinderte in den Werkstätten und 129 psychisch beeinträchtigte Menschen in der Reha-Werkstatt. Die übrigen wurden in der Tagesstätte betreut oder besetzten Außenarbeitsplätze.

In der Aussprache zum Rechenschaftsbericht erfährt der Vorstand Rückendeckung. „Mit dem Kindergarten ist ein richtungweisendes Kapitel aufgeschlagen worden“, lobt Wolfgang Reuter. Ähnlich sieht es Erich Strüb, dem es aber auch ein Anliegen ist, dass sich mehr Spenden für die Arbeiterwohlfahrt generieren lassen. Mit Blick auf die Mitgliederstruktur schlägt Grete Steiner vor, Heranwachsende im Zuge schulischer Projekttage zu den AWO-Einrichtungen einzuladen und sie dadurch für soziale Mitarbeit zu interessieren. Herrmann und Stellvertreter Kurt Henninger zeichnen zum Schluss langjährige Mitglieder mit Urkunden und Ehrennadeln aus. Dr. Hans Jochen Schild ist seit 30 Jahren dabei. 25 sind es bei Andrea Büchner, Gisela Augustin, Jürgen Bätz, Rainer Hörl und Gerhard Jaxt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare