Arbeitslose als Tagesmütter

Offenbach - (fel) Dringender Nachholbedarf bei der Betreuung der Allerkleinsten zwingt die Stadt dazu, die Kindertagespflege für Null- bis Zweijährige auszubauen.

Davon sollen nicht nur berufstätige Eltern oder solche, die es werden wollen, profitieren, sondern auch Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger: Sie sollen als Tagespflegepersonen künftig Kleinkinder betreuen. Das sehen Pläne der Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon (Grüne) vor.

Da der Haushalt blank ist, hat sich Simon um finanzielle Hilfe durch den Bund bemüht: „Wir haben uns erfolgreich um die Teilnahme am bundesweiten Aktionsprogramm Kindertagespflege beworben“, teilte die Bürgermeisterin gestern mit. Das Aktionsprogramm, ausgelobt vom Bundesfamilienministerium, wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie aus Bundesmitteln finanziert. Es hält in den ersten 36 Monaten 100 000 Euro für Offenbach bereit, weitere 80 000 Euro muss die Stadt in diesem Zeitraum investieren.

Bis 2012 will Simon bis zu hundert neue Tagespflegepersonen gewinnen, womit sich deren bisherige Zahl - es handelt sich fast ausschließlich um Tagesmütter - verdoppeln würde. Entscheidend sei, dass Menschen mit dieser Tätigkeit gut qualifiziert seien, so Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß: „In der frühkindlichen Phase geht es nicht nur um Betreuung, sondern auch um Erziehung und Bildung.“ Für die Ausbildung verbindlich seien Standards des Deutschen Jugendinstituts. Dessen Curriculum zur Qualifizierung von Tagespflegepersonen wird bis Anfang 2010 an der Volkshochschule (Vhs) eingeführt.

In einem Modellvorhaben des Eigenbetriebs Kindertagesstätten werden sich mindestens fünf Kitas zu „Netzwerkpartnern der Tagespflege“ entwickeln und die Ausbildung unterstützen, sagt Betriebsleiter Hermann Dorenburg. Im Zuge dessen könnten diese Kitas auch ihr Betreuungsangebot in den „Randzeiten“ frühmorgens und spätabends ausbauen.

Erstes Ziel sei es, geeignete Personen für die Tagespflege zu finden. Hier entwickeln Vhs und EKO derzeit mit der Agentur für Arbeit sowie der MainArbeit ein Verfahren zur Eignungsfeststellung. „Die künftigen Tagespflegepersonen sollten über eine entwicklungspsychologische Grundkompetenz verfügen, Einfühlungsvermögen zeigen und fähig sein zur Selbstreflexion“, umreißt Dorenburg die Anforderungen.

Formale Voraussetzungen gibt es - außer einem polizeilichen Führungszeugnis - nicht; allerdings muss das räumliche Angebot für die Kinder stimmen. Ab 15. September soll eine halbe Stabsstelle zur Weiterentwicklung der Tagespflege besetzt werden und die Bewerber beraten und unterstützen. „Das Angebot richtet sich aber keineswegs nur an Arbeitslose“, betont Bürgermeisterin Simon. Gut denkbar sei die Qualifizierung etwa für Menschen aus dem Kranken- oder Altenpflegebereich.

Die Verdienstmöglichkeiten sollen monatlich bei 750 Euro pro Kind liegen. Maximal fünf Kinder dürfen betreut werden. Die Eltern zahlen pro Platz etwa 200 Euro im Monat, Geringverdiener können einen Zuschuss beantragen. Bisher haben 823 von rund 3 700 Kleinkindern einen Platz in Krabbelstuben oder bei Tagesmüttern. Der momentane Bedarf wird allerdings auf etwa 1 300 Plätze geschätzt.

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