Architekt passt Neubau in den Baumbestand ein

Offenbach ‐  Es ist längst überfällig, aber hoffentlich nicht zu spät. Die Stadt investiert in die Bildung, pumpt 250 Millionen Euro in ihre teils maroden Schulen. Und bekommt es noch nicht mal gedankt. So empfinden es jedenfalls einige Verantwortliche. Von Martin Kuhn

Das wundert nicht. Die Stadt hat sich über Jahrzehnte eine gewisse Skepsis der Bürger, die mancher sogar als Argwohn bezeichnen würde, hart erarbeitet. Etwa rund um die Beethovenschule. Zum Sachstand informieren Stadt und Hochtief PPP Solutions GmbH daher Anwohner nochmals am kommenden Mittwoch, 1. Dezember, um 18 Uhr im Musikraum der Grundschule.

Der Schulbau wird bekanntlich in Öffentlich Privater Partnerschaft errichtet – Neuland für die Stadt. Vertragspartner ist das Essener Unternehmen Hochtief. „Ohne diese Kooperation hätten wir unser straffes Schulbau- und Sanierungsprogramm nicht geschafft; zumal durch das Konjunkturprogramm weitere Projekte hinzugekommen sind“, wiederholt Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß (Liberale). Laut Stadtkämmerer Michael Beseler sei es ein erstes Projekt, aus dem sicher beide Seiten lernen. Und der SPD-Politiker stellt einen weiteren Vorteil heraus: Laut Vertrag sei Hochtief zwanzig Jahre für Betrieb und Instandhaltung zuständig: „Das ist im Preis inbegriffen.“

Der Termin für die erneute Anwohnerversammlung ist mit Bedacht gewählt. Seit Dienstag liegt die Baugenehmigung vor für die Containerschule, die während der Abbruch- und Bauphase die Beethovenschüler aufnimmt. Der Zeitplan, der auch durch den Austausch aller Fundamentplatten nicht gefährdet sei: Am ersten Schultag im neuen Jahr lernen die Buben und Mädchen in den Containern. „Dafür müssen wir lediglich einige Baumkronen beschneiden“, sagt Projektleiterin Inga Jansen, die bereits um die lokalen Befindlichkeiten im Musikantenviertel weiß.

Der fortwährende (politische) Diskurs um die Bäume auf dem Schulareal hat den Planern die Arbeit nicht erleichtert. So sind sowohl Standort der Container, als auch Form des Neubaus so angelegt, dass möglichst wenig Bäume fallen. „Sehen Sie“, sagt Hochtief-Mitarbeiter Helmut Scharfen, „eine Vorgabe an uns war, eine Schule in Passivhaus-Standards zu bauen. Dafür ist ein Quadrat die optimale Form. Nur bekommen wir das auf dem Gelände so nicht hin.“ Die Architekten verformen den Quader zu einem „H“, das auf der einen Seite geschlossen ist, an dieser Stelle eine Sporthalle aufnimmt. „So bleiben die imposanten Bäume erhalten“, deutet Scharfen auf eine Bauzeichnung. Zur Orientierung: Sie stehen am kleinen Pausenhof (Beethovenstraße).

Dennoch fallen für das neue Schulögebäude 18 Bäume, vor allem an der Ecke Beethoven-/Schubertstraße. Zudem verschwinden gut 1 900 Quadratmeter Sträucher. Natürlich sind Ersatzpflanzungen vorgesehen. Ein Konzept erarbeiten Umweltamt und Hochtief gemeinsam, Wiesbadener Landschaftsarchitekten sind beauftragt. Alles weitere, also der mögliche Verkauf eines Geländestreifens zur Wohnbebauung, wird nach der Fertigstellung der Schule (Sommer 2012) geklärt. Das ist allein Sache der Kommune. Es geht um eine „ausparzellierte Fläche“ (etwa 4 500 m²) zwischen Schubert- und Richard-Wagner-Straße.

Beseler rechnet vor: „Durch den Verkauf könnten wir bis 1,5 Millionen Euro erlösen.“ Er erinnert an die Vorgaben der Aufsichtsbehörde. Der Regierungspräsident hat Offenbach zur Aufgabe gemacht, das Schulsanierungsprogramm zu einem bedeutenden Teil (25 bis 30 Prozent) aus städtischen Eigenmitteln zu finanzieren. Seit 2007 stehen in der Haushaltsplanung jährlich Einnahmen von rund 5 Millionen Euro durch Grundstückserlöse. Bislang ist das erreicht. Auf der anderen Seite stehen Wünsche der Anwohner, der Schulgemeinde und des grünen Koalitionspartners: Sie alle sprechen sich gegen den Verkauf aus. Denkbar bleibt also, dass das Grundstück für den Stadtteil erhalten bleibt und von der Schule zu nutzen ist.

Als Argument für den Erhalt wird oft die Größe des Schulhofs angeführt, der nach Ansicht vieler an der Beethovenschule keinesfalls kleiner werden darf. Einige Bundesländer haben Richtlinien für die Größe eines Grundschulhofs ausgesprochen. Diese Empfehlungen liegen zwischen 4 bis 6 Quadratmeter pro Kind. In der neuen Grundschule erhalten die Buben und Mädchen nahezu 7 Quadratmeter (3 100 m² Freifläche bei einer prognostizierten Schülerzahl von 450 im Schuljahr 2015/16). Ist das ausreichend? Stadtrat Weiß will sich nicht festlegen: „Es wäre vieles einfacher und weniger emotional belastet, wenn man sich in Offenbach auf einen verbindlichen Wert festlegen könnte.“

Rubriklistenbild: © Günter Havlena / pixelio.de

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