Bis 2. Dezember im Einkaufszentrum KOMM

Architektenentwürfe für den Marktplatz-Umbau

Offenbach - Der Marktplatz ist heute ein Verkehrsknoten mit erheblicher Trennwirkung. Das soll sich ändern. Stichwort ist mehr Aufenthaltsqualität. Von Martin Kuhn 

Die Berliner Landschaftsarchitekten Hahn Hertling von Hantelmann haben mit den Münchner Verkehrsplanern Obermeyer Planen + Beraten den großen Wurf gelandet. Als einziger der 19 Teilnehmer heben sie die gewohnte Linearität des Marktplatzes auf und verschwenken die Fahrbahn.

In einer europaweiten Ausschreibung wurden Architekten und Stadtplaner gebeten, Konzepte für ein neues Gesicht des Marktplatzes zu entwerfen. Die Ergebnisse sind bis 2. Dezember im Einkaufszentrum KOMM zu sehen. Die Sieger bestechen mit einer originellen Idee: Sie verschwenken die Fahrbahn. In den Räumen des Offenbacher Kunstvereins im ersten Stock begrüßt der Oberbürgermeister gestern Stadtverordnete, Einzelhändler, Interessenvertreter, Bürger. Die weiteste Anreise hat Inga Hahn hinter sich. Von Berlin mit dem ICE nach Hanau, von dort mit der S-Bahn in die Offenbacher City. Dort quert sie auf dem Weg ins Einkaufszentrum KOMM den Marktplatz – in alter Form. Geht es nach dem Büro der Landschaftsarchitektin, sieht er in ein paar Jahren ganz anders aus. Die Berliner Hahn Hertling von Hantelmann haben den Architektenwettbewerb gewonnen und sich gegen 18 Mitbewerber durchgesetzt.

Das Berliner Büro mit Dependance in Hamburg ist bundesweit tätig – unter anderem bei der Landesgartenschau 2016 in Bayreuth, der Neugestaltung des Domhofs Hildesheim oder dem Hamburger Gänsemarkt. Am Offenbacher Marktplatz und den ersten Metern der Bieberer Straße (zusammen etwa 9 400 Quadratmeter) hat die Landschaftsarchitektin mit ihrem Team „einige Zeit getüftelt“, wie sie bekennt.

Den entscheidenden Anstoß gibt im Grunde eine historische Aufnahme, seinerzeit mit der markanten Zwiebeluhr. „Da wird deutlich, dass der Marktplatz ursprünglich schräg angelegt ist und nicht rechteckig. Er hatte eindeutig eine Umlenkfunktion“, sagt Inga Hahn.

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Und diesen historischen Aspekt greift der Siegerentwurf auf, weicht die strenge Linearität von Häuserfronten und Fahrbahn auf. Den Planern gelingt dies mit leicht verschwenkter Fahrbahnführung. Die löst den „schluchtartigen Eindruck“ auf. Weiterer Punkt: Um auch die Blicke der Passanten zu lenken und den „Bezug zur Bieberer Straße“ zu stärken, ordnen sie die Bepflanzung neu – dafür sollen zwei Bäume fallen, andere gepflanzt werden (vor Kleider-Frei).

Die Berliner Landschaftsarchitektin Inga Hahn ist gestern mit ihrem Mitarbeiter Alexander Bölk aus der Hauptstadt angereist, um ihren Siegerentwurf zu erläutern.

Als eine Art Anker dient ein kleiner Brunnen direkt an der Einmündung Bieberer Straße. Moment mal: Und das dortige Trafohäuschen der EVO? „Das kommt weg“, ist Horst Schneider sehr optimistisch, was dieses Detail angelangt. Der Entwurf überzeugt die Jury als „insgesamt schlichte und großzügige Lösung mit einem sehr eigenständigen Grundansatz“. Wobei dem Verwaltungschef klar ist, dass es mit dem Ergebnis des Architektenwettbewerbs nicht getan ist. Im nächsten Verfahrensschritt wird mit den drei Preisträgern ein formalisiertes Vergabeverfahren für das 3,5 Millionen Euro teure Projekt vorgenommen. „Es erhält also nicht automatisch der erste Preisträger den Planungsauftrag. Die Platzierung fließt aber in die Bewertung ein. Neben Kriterien wie der Wirtschaftlichkeit des Angebots wird in dieser Phase auch nochmals beurteilt, ob etwaige Anregungen und Hinweise des Preisgerichts umgesetzt werden können“, erläutert Markus Eichberger, Leiter des Stadtplanungsamts. Das Vergabeverfahren wird im Februar 2016 abgeschlossen. Im November 2016 soll der Projektbeschluss der Stadtverordneten folgen. Bauzeit: voraussichtlich März 2018 bis November 2019.

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Dabei hat es für die Teilnehmer bereits reichlich Einschränkungen gegeben. Die Kernthese hat freilich Bestand. „Wir wollen Offenbach aus dem Kern heraus zukunftsfähig machen, der Umbau des Marktplatzes ist nach Teilgestaltung der Kaiserstraße, Umbau der westlichen Frankfurter Straße sowie der Neugestaltung von Aliceplatz und Stadthof der Schlussstein der städtebaulichen Umgestaltung“, betont Schneider.

Die zentrale Aufgabe für die Planer bestehe darin: „Wie heben wir die Trennfunktion zwischen der Frankfurter Straße als Haupteinkaufsstraße und dem Wilhelmsplatz mit seiner Gastronomie auf?“ Das heißt für Schneider, der das einstimmige Votum der Wettbewerbsjury als positives Zeichen wertet: Der Marktplatz, der bislang vor allem vom Autoverkehr geprägt ist, soll künftig Fußgängern, Radfahrern und Bussen Priorität einräumen. Mit besseren Querungsmöglichkeiten.

Die große Herausforderung: Man will an dieser zentralen Stelle den Durchgangsverkehr rausnehmen, ohne die Erreichbarkeit aller Offenbacher Parkhäuser einzuschränken. Eigentlich ist das eine Quadratur des Kreises. Denn ein Punkt der künftigen Verkehrsführung über den Marktplatz (Schneider: „maximal Tempo 20, lieber 10“) ist die Kappung der Nord-Süd-Achse: Von der Berliner Straße kommend sollen die Autos nicht mehr geradeaus in die Waldstraße fahren. „Man weiß, dass diese Verkehrsplanung nicht immer ohne Differenzen diskutiert wurde“, räumt Horst Schneider ein. Und daran wird sich wohl nichts ändern...

Die Wettbewerbsgewinner werden am Montag, 14. Dezember, in einem Bürgerforum ab 18 Uhr im Ostpol, Hermann-Steinhäuser-Straße 43, präsentiert und diskutiert.

Rubriklistenbild: © Plan: metamountain Imaging

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