Vier Wohngebäude konnten besichtigt werden

Tag der Architektur: Mit Holz einen Trend gesetzt

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Architekt Peter Gronych erläutert im Haus Wilhelmsplatz 16 Details der Gestaltung.

Offenbach - Aktuell erleben viele deutsche Großstädte einen Bauboom. Während ländliche Gebiete in Teilen verwaisen, erhöht sich der Bevölkerungsdruck auf die Metropolen. Die Politik reagiert mit Konzepten der Verdichtung. Am „Tag der Architektur“ standen Wohngebäude im Fokus, in Offenbach vier. Von Claus Wolfschlag 

Architektin Stephanie Busch kann das Interesse bestätigen: „Es mag an der gegenwärtigen Nachfrage an Wohnraum liegen. Privatpersonen suchen womöglich Ideen und Informationen für den Eigenheimbau. Auch Fachpublikum von Kollegen ist vorrangig daran interessiert. Kindergärten und öffentliche Gebäude sind hingegen derzeit weit weniger besucht.“

Busch fungierte als Projektleiterin für die Liegenschaft Taunusstraße 69-71. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Gerrit Schmidt und Christian Bürklin vom Bauherrn Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) präsentierte sie mehr als 50 Besuchern das in Holzmassivbauweise errichtete Mehrfamilienwohnhaus.

Die Architekten Stephanie Busch und Gerrit Schmidt vorm Holzhaus in der Taunusstraße.

Die Bauzeit betrug nur neun Monate, so dass im Frühjahr 2016 die ersten Bewohner einziehen konnten. Über 25 Wohnungen verfügt das fünf-geschossige Gebäude, vom Ein-Zimmer-Apartment mit 40 Quadratmetern bis zur Drei-Zimmer-Wohnung mit knapp 80 Quadratmetern. 70 Prozent der Baumasse bestehen aus Holz, auch wenn das mit Mineralwolle gedämmte und verputzte Äußere nicht so erscheint. Die Unterkellerung wurde in Massivbau-Beton ausgeführt. Die Geschosse erhielten Holz-Beton-Verbunddecken.

Der Offenbacher Prototyp des modernen Holzhauses wurde vom Darmstädter Architekturbüro Hirschmuellerschmidt nun für andere Orte weiterentwickelt. In Hanau ist ein solches Holzhaus bereits im Rohbau fertig. Demnächst folgt der Spatenstich für ein Projekt in Nauheim am hessischen Ried. Auch die GBO plant weitere Holzhäuser, unter anderem in Bürgel.

Interessierte zeigte sich Besucherin Heidi: „Ich habe ein generelles Interesse an Architektur, wollte mir einmal ein Holzhaus anschauen.“ Zur Zeit baue sie selbst in der Dominikanischen Republik. „Allerdings lieber aus Stein“, lachte sie. Währenddessen äußerte ein Bewohner seine Kritik. Ruhig sei es im Haus schon, aber der Lärm des Spielplatzes im Hof wirke sich belastend aus: „Der Schall steigt enorm hoch. Eltern kümmern sich nicht um die Einhaltung der Betriebszeiten. Eine Mieterin zieht deshalb bereits wieder weg.“

Am Wilhelmsplatz stand das denkmalgeschützte Haus Nr. 16 dem interessierten Publikum offen. Viele Besucher fanden sich zu den stündlichen Führungen ein, die der Wetzlarer Architekt Peter Gronych gemeinsam mit seiner Kollegin Yvonne Dollega leitete. Große Teile des um 1900 erbauten Hauses wurden erhalten und saniert, darunter die Neorenaissance-Fassade, das Treppenhaus, die Dielenböden und Flügeltüren. Jedoch wurde die Rückfront durch bodentiefe Fenstereinschnitte und eine massive bunte Balkonanlage tief greifend verändert. „Der Umgang mit der Rückseite ist pragmatisch an den Bedürfnissen der Zeit orientiert, so wie auch in der Erbauungszeit. Die Rückseite hatte keine stilistische Ordnung wie die Front zum Wilhelmsplatz. Heute braucht man Fenster und Balkone“, erklärte Peter Gronych. Alle Maßnahmen seien im Dialog mit dem Denkmalschutz abgestimmt worden. Das Dachgeschoss wurde mit einer breiten Fensterfront und einer Terrasse zum Wohnbereich für die aus Berlin nach Offenbach gezogene Eigentümerin ausgebaut.

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Zwei weitere Objekte waren nur am gestrigen Sonntag zu besichtigen. In der Christian-Pless-Straße im Senefelder Quartier wurde gezeigt, wie eine Blockrandbebauung gestalterisch in zwölf Einzelhäuser gegliedert werden kann. Zudem führte das Architekturbüro Novotny Bader durch die in der Innenstadt am Großen Biergrund entstandene Anlage „Wohnen am Spitzen Eck“.

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