Ehemaliges MAN-Werk I

Neuer Schub fürs Quartier

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Prägende Form: Die sogenannte Blockrandbebauung des ehemaligen MAN-Werks I geht im Inneren in eine Sheddachhalle über. Die soll erhalten bleiben und unter anderem einen Nahversorger mit bis zu 2000 Quadratmetern Fläche aufnehmen

Offenbach - Nach den Worten von Oberbürgermeister Horst Schneider ist’s ein „hochkompliziertes Vertragswerk“. Das verwundert nicht. Von Martin Kuhn

Beteiligt sind unter anderem: Ferrostaal Industrieanlagen GmbH, Getas Verwaltung GmbH, ABG Frankfurt Holding, Helaba-Tochter OFB. So wird verständlich, warum die Entwicklung einer Industriebrache mitten in der Stadt schon mehr als sechs Jahre dauert. Dabei überholen sich schnell einstige Ziele und Wünsche – so auch auf dem 3,2 Hektar großen Areal an der Christian-Pleß-Straße.

Ehemalige Roländer wird’s grausen: Nicht allein, dass der Nachnachfolger Sheetfed wieder einmal Stellen abbaut. Auch das ehemalige Stammwerk im Süden der Stadt verschwindet bis auf eine restliche Hülle. Inzwischen steht fest: Das denkmalgeschützte ehemalige Verwaltungsgebäude des Druckmaschinen-Herstellers wird abgerissen, da es auf einer Blase voller Altlasten steht. Für deren Beseitigung muss auch auf dem restlichen Gelände der Verursacher beziehungsweise dessen Rechtsnachfolger zahlen.

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Schritt für Schritt zu mehr Lebensqualität

Es ist eine der entscheidenden Änderungen, die das Stadtparlament am Donnerstag, 29. November, zu beraten hat. Dann soll in mehreren Anträgen endlich der Bebauungsplan 627 greifen und sich die Industriebrache zum Senefelderquartier entwickeln. Ebenfalls abweichend von der ursprünglichen Planung: Es gibt keine Schule. Dort sollte die sanierungsbedürftige Humboldtschule einquartiert werden – es war sogar bereits ein neuer Name gefunden. Das wäre sinnvoll gewesen, denn auf dem alten Werksgelände ist eine Kita geplant.

Sanierung billiger als Neubau

Nun hat die Verwaltung – in diesem Fall die Stadttochter EEG – nochmals nachgerechnet: Sie zeigt 17 Varianten für die Verbesserung des Standorts Humboldtschule auf; in Abstimmung mit dem Bauamt wurden neun weiter bewertet. Am Ende steht: Alle Sanierungsvarianten am alten Standort sind billiger als Neubau- oder Leasingalternativen auf dem Roland-Areal – die Spanne reicht von 18 bis 30 Millionen Euro.

Während die Verwaltung fällt, bleibt ein Teil der Fabrikationshallen entlang Christian-Pleß-, Senefelder- und Gustav-Adolf-Straße erhalten. Das Erdgeschoss diente der Produktion, im Obergeschoss waren die Sozialräume untergebracht. Dieser Werksbau nimmt die Blockrandstruktur der Umgebung auf und interpretiert ihn im Stil der 1950er Jahre mit einer regelmäßigen Fassadengliederung. Stilprägend sind die Sheddächer.

Unter diesen wird auf 3 000 Quadratmetern die Nahversorgung des erweiterten Quartiers gesichert: Ein Vollsortimenter erhält maximal 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Kritiker, die eine Überversorgung sehen, kontert die Stadt: „Der hat dort Platz; das zeigt das städtische Nahversorgungskonzept“, so Bauamtsleiterin Susanne Schöllkopf.

Öffentliche Grünfläche gewachsen

Weiterhin möglich, obwohl in Wurfweite teils seit Jahrzehnten vorhanden: Drogerie, Apotheke, Schreibwaren, Schnittblumen. Im Mischgebiet (altes Verwaltungsgebäude) ist Platz für Büros, Wohnungen und Kita, die voraussichtlich etwa 150 Jungen und Mädchen aufnehmen kann. Der Bedarf im Viertel liegt nach Ermittlung des Jugendamts bei 425 Plätzen.

Gehörig gewachsen ist die öffentliche Grünfläche, die sich quer durch das Areal zieht – von 4000 auf 7000 Quadratmeter. Kaufpreis für die Stadt inklusive Herrichtung: 2,36 Millionen Euro. Aus dem Förderprogramm Stadtumbau West erhofft man sich bis zu 72 Prozent Fördermittel.

Nach wie vor aktuell: Der Wohnungsbaukonzern der Stadt Frankfurt (ABG) errichtet auf dem östlichen, zur Waldstraße hin gelegenen Teil der Brache 175 Mietwohnungen, 50 davon mit öffentlicher Förderung. Schneider sagt: „Die ABG steht bereits in den Startlöchern.“

Die einstige MAN-Roland-Halle an der Christian-Pleß-Straße bot während des HfG-Rundgangs auch Platz für Kunst - so wurde sie wenigstens sinnvoll genutzt.

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