Arbeitnehmervertreter und Konzern einigen sich auf Sozialplan

Aus für Areva: Verlagerung der Jobs soll Anfang 2016 starten

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Offenbach - Der Sozialplan für die 620 Mitarbeiter von Areva in Offenbach steht. Damit läuft die Verlagerung der Jobs bald an. Von Marc Kuhn

Die Weichen für die Schließung des Standorts des angeschlagenen französischen Atomkonzerns Areva in Offenbach sind gestellt. Arbeitnehmervertreter und Management einigten sich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auf einen Sozialplan für die Mitarbeiter. „Damit konnte im letzten Moment ein Arbeitskampf verhindert werden“, erklärte Marita Weber, erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach. „Wie es bei Kompromissen immer der Fall, gibt es keinen Gewinner.“ Die Gewerkschaft hatte dem Arbeitgeber ein Ultimatum bis Montag gestellt, um ein Ergebnis zu erzielen. Areva will die Arbeitsplätze von Offenbach nach Erlangen und Karlstein verlagern. Der Konzern will jedem Mitarbeiter eine Stelle anbieten. Sie sind heute in einer Betriebsversammlung über die Ergebnisse der Gespräche informiert worden. Am Montag entscheiden die IG-Metall-Mitglieder über die Annahme des Tarifergebnisses, erklärte Uwe Zabel von der Bezirksleitung Mitte der IG Metall.

Die Eckpunkte des Sozialplans regeln den finanziellen Ausgleich, den Mitarbeiter als Unterstützung im Rahmen der Verlagerung des Arbeitsplatzes erhalten, wie Areva mitteilte. Das Papier sehe auch die Einrichtung einer Transfergesellschaft vor, die Mitarbeiter bei der Jobsuche unterstütze, beispielsweise durch Qualifizierungen. Ihre Laufzeit betrage zwölf Monate bei einem Nettoeinkommen der Beschäftigten von 80 Prozent des bisherigen Gehalts bei Areva, erklärte die IG Metall. Mitarbeiter, die einen Umzug ablehnen, erhalten eine Abfindung, deren Höhe sich am Bruttomonatsgehalt und an der Betriebszugehörigkeit orientiert; allerdings würden maximal 20 Jahre berechnet.

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„Damit haben wir einen wesentlichen Meilenstein bei der Verlagerung der Arbeitsplätze von Offenbach nach Erlangen und Karlstein erreicht“, erklärte Carsten Haferkamp, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei Areva in Deutschland. „Wir sind uns bewusst, dass der Arbeitsplatzwechsel für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien mit besonderen, auch persönlichen Herausforderungen verbunden ist. Mit der jetzt getroffenen Vereinbarung gibt es eine verlässliche Grundlage für ihre Entscheidung.“ Die Verlagerung der Stellen soll im Januar beginnen und Mitte des nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Demo gegen Schließung von Areva in Offenbach

„Wir haben eines unserer Ziele erreicht und zwar, dass wir für alle Beschäftigten eine Regelung treffen konnten“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Christoph Storz. Weber sagte unserer Zeitung, das Ergebnis sei vertretbar, „fair wäre etwas anderes“. Die Verhandlungen seien zäh gewesen. Ohne den Druck der Mitarbeiter, die zu mehreren Veranstaltungen in Offenbach aufgerufen hatten, wäre es nach den Worten der Gewerkschaftschefin bei den Verhandlungen zu keinem Ergebnis gekommen. Weber geht davon aus, dass etwa ein Drittel der rund 620 Mitarbeiter von Areva in Offenbach eine neue Stelle annehmen wird, ein weiteres Drittel akzeptiere die Abfindung und der Rest wechsele in die Tranfergesellschaft. Der krisengeschüttelte Kernkraftwerksspezialist hatte seine Pläne zur Jobverlagerung im April angekündigt. Mit einem Maßnahmenpaket solle die Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden, hieß es heute. 2014 hatte Areva einen Rekordverlust von 4,8 Milliarden Euro verbucht.

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