Areva in Offenbach

Wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor

Offenbach - Areva spielt mit dem Gedanken, Stellen von Offenbach nach Karlstein und Erlangen zu verlagern. Einst war das Unternehmen ein Jobmotor in Stadt und Kreis. Von Marc Kuhn 

Doch mit den Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima im März 2011 und erheblichen technischen Problemen des französischen Konzerns kam die Wende. Offenbach war bisher nach Erlangen der zweitgrößte Standort des französischen Kraftwerksspezialisten Areva in Deutschland. Er galt als einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region. Das Unternehmen galt zudem als Wirtschaftsfaktor. So betonte Areva zum Beispiel, 2013 Aufträge im Wert von 8,5 Millionen Euro an ortsansässige Firmen in Stadt und Kreis vergeben zu haben. Darüber hinaus war das Unternehmen als Unterstützer von zahlreichen sozialen Projekten engagiert.

Die Entscheidung der Bundesregierung, nach dem Reaktorunglück in Japan aus der Atomenergie auszusteigen, hat den Kernkraftwerksbauer schwer getroffen. Der deutsche Markt wurde kleiner, der Export gewann an Bedeutung. Areva setzte neben erneuerbaren Energien auch verstärkt auf den Rückbau von Atomkraftwerken in Deutschland. Bereits 2011 kündigte das Unternehmen einen Jobabbau an. 2012 wurde eine Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern geschlossen. Betriebsbedingte Kündigungen sollten ausgeschlossen sein, hieß es damals von Seiten der deutschen Tochter des französischen Konzerns. Bis zu 1500 Stellen sollten bis 2016 gestrichen werden. Nun wird der Standort Offenbach in Frage gestellt.

Vor dem Atomausstieg sprudelten Umsätze und Gewinne des Unternehmens, das früher Areva NP hieß. Davon profitierte auch der Standort Offenbach. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs stetig. 2010 waren mehr als 1000 Frauen und Männer dort beschäftigt. Immer mehr Büros wurden am Kaiserlei angemietet. Die Areva-Mitarbeiter sind auch an Neubauprojekten in Olkiluoto in Finnland, im französischen Flamanville und an zwei Anlagen in Taishan in China beteiligt. Doch bei den sogenannten europäischen Druckwasserreaktoren (ERP) gibt es erhebliche Probleme. Die Fertigstellung der Anlage in Finnland verzögert sich seit Jahren. Die Kosten explodieren. Beim umstrittenen Bau des Atomreaktors im nordfranzösischen Flamanville sind kürzlich erneut schwerwiegende Probleme aufgetreten. Die Schwierigkeiten beim EPR sind ein Grund für die gewaltigen Probleme von Areva. Der Atomkonzern machte im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 4,8 Milliarden Euro. In diesem Jahr dürften die Zahlen nicht viel besser aussehen. Wohl auch deshalb stellt Areva die Gedankenspiele für Offenbach an.

Demo gegen Schließung von Areva in Offenbach

Demo gegen Schließung von Areva in Offenbach

Die Kerntechnik hat in der Stadt eine recht lange Tradition. Ihre Wurzeln gehen auf die Kraftwerk Union zurück. Sie wurde 1969 aus den Kraftwerksabteilungen von Siemens und AEG gegründet. Ab 1977 war Siemens Alleinaktionär der KWU. Ihr Nuklearbereich wurde im Jahr 2000 ausgegliedert. Siemens und Framatome, eine Tochter von Areva, formten 2001 ein gemeinsames Unternehmen. Siemens SNP wurde Framatome ANP eingegliedert. Im Jahr 2006 wurde die Firma in Areva NP umbenannt. 2011 ist Siemens aus der Zusammenarbeit mit Areva ausgestiegen.

Rubriklistenbild: © dpa

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