Armbänder für die Sicherheit

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Plant eine freiwillige elektronische Ortung der Patienten: Hans-Ulrich Schmidt.

Offenbach ‐ Drei Tage nach dem tragischen Unfalltod einer 93-Jährigen im Klinikum Offenbach rätseln Polizei und Klinikleitung noch immer, wie die verwirrte Frau in die Tiefen der Kellerräume gelangen konnte und warum der drei Meter tiefe Schacht nicht verschlossen war, in den die Patientin stürzte. Von Matthias Dahmer

„Wir müssen die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen abwarten“, sagt Klinik-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt. Auch er stellt sich immer wieder die Frage: Wie konnte die Frau da runter kommen, wie schaffte sie es in den hintersten Winkel des Klinikums, den noch nicht einmal Schmidt kennt?

Während der genaue Hergang des tödlichen Unfalls noch unklar ist, steht für den Klinik-Chef fest: „Das darf sich nie wiederholen.“ Als erste Reaktion auf den Vorfall wurden die Kontrollgänge des Sicherheitsdienstes verstärkt und auf die verschachtelten Kellerräume ausgedehnt. Die Regelung gilt bis zum Umzug in den benachbarten Neubau, der für Mitte April geplant ist.

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Dort soll modernste Technik die Sicherheit erhöhen, sprich die rund 850 Pflegekräfte des Klinikums in ihrer Arbeit unterstützen. Hans-Ulrich Schmidt bemüht den wenig vertrauensfördernden, aber immerhin anschaulichen Begriff der elektronischen Fußfessel, um zu erklären, wie es funktioniert: Patienten erhalten - ähnlich der Fußfessel - ein Armband, mit dem sie dank des lokalen Funknetzes des Klinikums (W-Lan) jederzeit zu ortet sind. Bei verwirrten Personen kann die „Handfessel“ Alarm auslösen, sobald sie die Pflege-Station verlassen.

Elektronischen Hilfen sollen auch Service verbessern

Schmidt spricht bewusst in der Möglichkeitsform. Denn dazu zwingen kann man niemanden. „Das ist eine Gratwanderung“, sagt er. Man dürfe die Patienten nicht ihrer Freiheit berauben, fürs mitunter nötige Fixieren etwa brauche man eine richterliche Verfügung.

Schwierig wird’s mit der Einwilligung bei der wachsenden Zahl der „mobilen Verwirrten“, für die das elektronische Armband durchaus sinnvoll wäre. Hier müssten unter Umständen Betreuungspersonen ihre Zustimmung erteilen. Sicherheit für die im Durchschnitt 900 stationären Patienten des Offenbacher Klinikums mit weniger Technik, aber dafür mit mehr Personal hält der Geschäftsführer für unbezahlbar.

Die elektronischen Hilfen sollen indes auch den Service verbessern, und Abläufe im Klinik alltag beschleunigen. Wie Schmidt berichtet, läuft derzeit ein entsprechender Test in der Anästhesie-Sprechstunde. Um Wartezeiten zu vermeiden, können Patienten sich dort nach der Anmeldung mit einem Armband bestücken lassen und etwa wieder zurück auf ihr Zimmer gehen. Sind sie an der Reihe, werden sie angepiepst.

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