Armin Ceric setzt auf Fairplaid-Projekt

Traum vom Sportrollstuhl: Hoffen auf den Schwarm

Offenbach - Jeder will an die Fördertöpfe – auch im Sport.  Da ist ein ständiges Gerangel, wenn es Jahr für Jahr um bis zu 250 Millionen Euro Steuergeld geht. Aber wer unterstützt Armin Ceric, einen jungen Mann, der sich einen speziellen Elektrorollstuhl für den einzigen Sport kaufen will, den er ausüben kann? Die einfache Antwort: Jeder! Von Martin Kuhn

Armin Ceric möchte mittels seinem Fairplaid-Projekt Geld für einen speziellen Sportrollstuhl sammeln.

Armin Cerics Schicksal berührt, um es vorsichtig zu formulieren. Von Geburt an leidet er an einer seltenen Erkrankung, der „Spinalen Muskelatrophie Typ 2“. Kurz: Nervenimpulse werden nicht an die Muskeln weitergeleitet. Diese verkümmern mit der Zeit. Für Ceric bedeutet das: Er sitzt seit seinem vierten Lebensjahr im Rollstuhl. Das hat den heute 29-Jährigen nicht an einer Berufsausbildung gehindert. Eine Lehre zum Bürokaufmann bei der ESO hat er vor fünf Jahren abgeschlossen, seitdem ist er in der Abteilung Versicherungen tätig. Trotz der körperlichen Einschränkung hat er ein großes Hobby: Elektro-Rollstuhl-Hockey. Diesen Sport betreibt er bei den „Black Knights“, die aus einem Schülerteam der Langener Erich-Kästner-Schule hervorgegangen sind. „Da ich selbst auf dieser Schule war und in den Schulpausen regelmäßig E-Hockey gespielt habe, entstand der Kontakt zum Verein“, erzählt er rückblickend. Der 1. ERHC Dreieich ist der einzige Klub in Hessen, der Elektro-Rollstuhl-Hockey im Wettkampfsport anbietet – für 17 Aktive von 12 bis 40 Jahren. Mittlerweile ist Armin Ceric Kapitän der ersten Mannschaft. Das Team trainiert nach Möglichkeit im zweiwöchigen Turnus, jeweils samstags sind Trainingseinheiten von 12 bis 15 Uhr angesetzt. Sein Vater fährt und begleitet ihn. Ein zeitintensives Hobby? Das sieht der 29-Jährige nicht so: „Wenn man mit Leidenschaft und Ehrgeiz etwas betreibt, spielt die Zeit keine Rolle.“

Damit beginnt aber jene Problematik, der er mit seinem speziellen Spendenaufruf begegnet. „Krankenkassen erkennen leider diesen wundervollen Sport nicht an und stellen uns vor ein großes Problem.“ Heißt: Die Behinderten müssen ihre Sportelektrorollstühle selbst finanzieren. Armin Ceric besitzt seit langem einen gebrauchten Alltagsrollstuhl, an den ein sogenannter T-Stick als Festschläger angebracht werden kann – einen Handschläger kann er aufgrund seiner Behinderung nicht benutzen. Was ihn wurmt: „Mit diesem Alltagsgerät ist es mir nicht möglich, mit den gegnerischen Spielern auf hohem Level mitzuhalten. Mein Rollstuhl ist zu langsam und nicht wendig genug.“ Der Offenbacher würde gern professionell in der Bundesliga spielen und seinen Spielstil verbessern. Somit ist auch sein großer Traum vorerst passe: „Ich möchte ich mich für die Nationalmannschaft anbieten.

Allerdings ist mit dem jetzigen Rollstuhl eine Nominierung in den Nationalkader leider unmöglich, da auf internationalen Wettbewerben nur mit hochtechnisierten Sportrollstühlen gespielt wird.“ Standard sind dort Rollstühle, die eine Geschwindigkeit von 15 Kilometern pro Stunde erreichen. Das Maß aller Dinge kommt aus der Schweiz: Turbo-Twist Sport 2. Der ist jedoch „wahnsinnig teuer“ und müsste an Cerics besondere Bedürfnisse angepasst werden – Steuerung, Sitz, Anschnallgurte. Gesamtkosten: um die 18.000 Euro. „Dies ist zu teuer, um ihn auf eigene Kosten finanzieren zu können.“

Die Tops & Flops im Sport im Jahr 2015

In solchen Fällen greift das Fairplaid-Modell nach dem Prinzip des Crowdfunding (Schwarmfinanzierung): Diese Plattform, 2011 gegründet, bietet Vereinen und Einzelsportlern eine neue Möglichkeit, Geld für ihre Sportprojekte zu sammeln. Die simple Idee: Möglichst viele Menschen steuern Geld bei, damit Träume verwirklicht werden können. Dabei hat Ceric bewusst einen Teilbetrag gewählt – ein Drittel des Turbo-Twist.

Mit einer entscheidenden Einschränkung. Sollte er in 60 Tagen die festgelegte Spendensumme in Höhe von mindestens 6 000 Euro nicht erreichen, „gilt das Projekt als gescheitert, und die eingezahlten Spenden werden an die Einzahler zurückerstattet“. Als Dankeschön hat jeder Spender die Möglichkeit Gutscheine (persönliche Gutscheine, die Armin Ceric zur Verfügung stellt, oder Gutscheine von diversen Unternehmen) einzulösen. Mit sportlichen Grüßen fordert er unsere Leser auf: „Klickt auf mein Projekt!

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