Leben am Limit

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Offenbach ist die hessische Stadt mit den meisten armen Kindern unter zwei Jahren.

Offenbach ‐ Die Zahlen sind erschreckend: 40,3 Prozent aller Offenbacher Kinder unter zwei Jahren leben von Hartz IV. Bei den Kindern zwischen drei und sechs Jahren sind es 36,9 Prozent. Von Katharina Skalli

Damit steht die Stadt an der traurigen Spitze in Hessen. „Diese Zahlen sind mehr als eine Statistik, sie machen uns betroffen und fordern uns zu weiterem Handeln auf“, sagt Gertrud Marx, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Ihre Partei hatte am Mittwochabend in der Reihe „Offenbacher Gespräch“ zum Thema Kinderarmut ins Stadtcafé geladen.

Gerda Holz, vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik präsentierte in ihrem Vortrag weitere Zahlen, die die etwa 60 anwesenden Gäste zum einen in Staunen versetzten, zum anderen aber auch in ihren Erfahrungen bestätigten.

Migration, fehlende Bildung und Sozialraum

Erzieher, Lehrer, Ehrenamtliche: Wie arm die Bewohner der Stadt tatsächlich sind, wissen sie am besten. Und auch, wie sich das äußert. In der Wissenschaft gelten die Kinder als arm, die in einem armen Haushalt leben und materiell, sozial, kulturell und gesundheitlich unterversorgt sind.

Die Langzeitstudie „Kinder- und Jugendarmut IV“ hat Risiken ermittelt, die die Wahrscheinlichkeit von Armut erhöhen. Migration, fehlende Bildung und der Sozialraum können sich negativ auswirken. Außerdem sind Alleinerziehende und kinderreiche Familien besonders häufig betroffen. „Prävention geht nicht alleine“, sagt Holz. Man müsse zweigleisig fahren. Auf der strukturellen Ebene und in der Gestaltung von Lebensbedingungen. Sie plädiert für eine Präventionskette, die die Familien von Geburt der Kinder an begleitet. Ihnen zeigt, wann ein Kind was braucht und woher Unterstützung kommt. Alle seien gefordert: Politiker, Bürger und Pädagogen.

Viele fordern politische Taten

Auf dem Podium sitzt geballtes ehrenamtliche Engagement. Frank Mach, Bereichsleiter der Caritas, Günther Krämer, von der ökumenischen Initiative „Soziale Not in Offenbach“, Gertrud Helduser von der SPD und Vertreter des Projekts „JoSch“ (Jugend ohne Schulden). Sie alle erleben Armut, jeden Tag und setzen was dagegen. Woran es in der Stadt noch fehle, sei die Vernetzung und ein Grundgerüst.

Viele der Gäste fordern politische Taten. Die SPD nimmt die Anregungen auf. „Wir nehmen die Ideen mit in unsere Gremien“, verspricht Gertrud Marx.

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