Kein Profit für „Slum-Lords“

Offenbach - Zu den Stellschrauben bei der Bewältigung der Zuwanderung aus Südosteuropa gehört es auch, soziale Brennpunkte zu verhindern. Von Matthias Dahmer 

Noch – wir berichteten – ist es in Offenbach nicht so dramatisch wie etwa in Duisburg, wo durch den Zuzug bereits ganze Straßenzüge verwahrlost sind. Doch um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, hofft Ordnungsdezernent Felix Schwenke, dass Offenbach vom Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ profitieren kann. Die Chancen stehen nicht schlecht: Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) hat angekündigt, die Mittel für das Programm von 40 auf 150 Millionen Euro pro Jahr aufzustocken. Zugleich zählt sie Offenbach zu den bundesweit 12 bis 15 Städten, die von der Armutszuwanderung besonders betroffen sind.

Wie viel am Ende für Offenbach rausspringen wird, ist derzeit noch unklar, hängt nicht zuletzt von der Höhe der kommunalen Eigenbeteiligung ab. Doch Schwenke hat bereits ein Programm in der Schublade wie er sagt. Es ist für das sogenannte Senefelderquartier gedacht, jenes Viertel südlich der Bahnlinie, das in etwa begrenzt ist von Marienstraße, Starkenburgring und Waldstraße. Mit Ausnahme der entstehenden Neubauten auf dem alten MAN-Gelände sieht Schwenke im ausgeguckten Quartier jede Menge Aufwertungsbedarf. Die Bandbreite der Veränderungen reicht von Fassadenverschönerungen und Lichtkonzepten über die Herrichtung öffentlicher Plätze bis hin zur Bürgerbeteiligung bei der Umgestaltung und der Installation eines Quartiersmanagements als ergänzende Maßnahme.

Bei der grundsätzlichen Frage, ob im Zuge des Programms „Soziale Stadt“ die Kommune Problem-Immobilien aufkaufen wird, gibt sich Schwenke wortkarg. „Wir müssen sehen, ob das infrage kommt“, sagt er. Er könne sich aber vorstellen, dass die Stadt keine derartigen Liegenschaften erwerbe.

Unterkünfte von rumänischen Arbeitern

Unterkünfte von rumänischen Arbeitern

Die Zurückhaltung des Ordnungsdezernenten ist verständlich. Hat doch allein die Ankündigung kommunaler Kaufabsichten in anderen Städten dazu geführt, dass die Vermieter von Schrottimmobilien, die sogenannten „Slum-Lords“, sich schon vorab die Hände gerieben haben und die Preise in die Höhe geschossen sind.

Was mit dem Programm „Soziale Stadt“ erreicht werden kann, zeigt das Mathildenviertel. Von 1999 bis 2011 wurden laut Schwenke ins damals noch östliche Innenstadt genannte Quartier insgesamt 9,7 Millionen Euro gepumpt, 7,4 Millionen davon waren Fördergeld. Zwar ist man noch weit davon entfernt, das Mathildenviertel als beste Wohngegend bezeichnen zu können, doch Beobachter bescheinigen ihm erhebliche Fortschritte.

Rubriklistenbild: © dpa

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