Arnd Hinrich Kappe, Chef der Lederwarenmesse

Interview: Ein Leben für  schöne Konsumgüter

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Führt die Messe Offenbach: Arnd Hinrich Kappe.

Offenbach - Die umgebaute Messe Offenbach will sich für mehr Veranstaltungen öffnen. „Den Eingangsbereich wollen wir für Events nutzen“, sagt der neue MessechefArnd Hinrich Kappe im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn.

Herr Kappe, Sie sind das neue Gesicht der Messe Offenbach. Was hat Sie an dem Job gereizt?

Die Messe steht für die I.L.M Lederwarenmesse als Leitmesse. Sie steht für Lederprodukte, das sind Luxuskonsumgüter, mit denen ich in meinem früheren Berufsleben immer zu tun hatte. Eine Messe kann man wie eine große Filiale im Einzelhandel sehen. Die Produkte müssen gut platziert sein. Es muss ein guter Mix existieren. Für den Besucher muss eine Attraktivität geschaffen werden. Das ist im Einzelhandel der Fall und in der Messe auch.

Aus welcher Branche kommen Sie?

Aus dem Einzelhandel, aus der Douglas-Gruppe. Den Bereich habe ich beruflich gelernt. Studiert habe ich Volkswirtschaftslehre. Ich komme auch aus einer Einzelhändler-Familie. Wir hatten über Generationen ein Juweliergeschäft in Lüdenscheid. Mein Opa war Goldschmiedemeister, mein Vater war Goldschmiedemeister, meine Schwester ist Goldschmiedemeisterin. Ich bin der einzige Abtrünnige.

Was haben Sie bei Douglas verantwortet?

Ich war in mehreren Bereichen tätig: Ich war anfänglich im Schmuckbereich bei Christ-Juweliere. Zuständig war ich für den Finanzbereich. Vertrieb und Ladengestaltung bekommt man natürlich mit. Zum Schluss war ich Geschäftsführer für die Parfümerien im Ausland.

Hat ein Seiteneinsteiger Vorteile?

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Ich habe wenig Erfahrungen in der Lederwaren-Branche. Ich habe aber Ahnung von der Schmuck- und Parfümerie-Branche. Also von schönen Konsumgütern. Ähnlich schöne Konsumgüter zeigen wir auf unserer I.L.M. Nahezu alle Produkte sind Luxusprodukte, die man eigentlich nicht dringend benötigt. Es macht aber Spaß, solche Produkte zu kaufen. Es geht also um das Motto: Ich gönne mir etwas. Damit habe ich Erfahrung.

Wie sieht Ihr Führungsstil aus?

Es ist ein kooperativer Führungsstil. Das habe ich bei Douglas gelernt. Mit mir kann man teamorientiert umgehen. Man muss dem Team Verantwortung zutrauen. Der Mitarbeiter kann auch mal Fehler machen, ohne Ärger mit mir zu kriegen. Das darf man aber nicht zu oft machen. Ich glaube, die Mitarbeiter blühen auf, wenn sie kreativ ihre Ideen einbringen können.

Sie sind seit einem Jahr in Offenbach. Haben Sie sich eingelebt.

Ja. Ich wohne zwar in Rodenbach zwischen Hanau und Gelnhausen mit meiner Frau und den drei Kindern. Ich genieße es aber jeden Mittag das abwechslungsreiche Essensangebot in Offenbach. Ich fühle mich in Offenbach wohl. Offenbach ist hübsch-hässlich.

Was heißt das?

Wenn man aus dem Rand des Ruhrgebiets kommt, dann weiß man, was hübsch-hässlich ist. Das Ruhrgebiet hat so ein ähnliches Flair wie Offenbach.

Was ist hübsch und was hässlich?

Die Einzelhandels-Struktur lässt zu wünschen übrig. Es könnte bessere Geschäfte geben. Die Innenstadt könnte attraktiver sein. Hübsch: Es ist grün, wir sind am Main. Wir sind in einer Metropole. Es ist eine Multi-Kulti-Stadt.

Ist der Umbau der Messe abgeschlossen?

Die Bauarbeiten sollten im März fertig sein. Es gab aber einige Probleme. Ich habe die Bauarbeiten im Juni von meiner Vorgängerin übernommen. Ich war vorher gar nicht im Thema. Wir haben jetzt keine Probleme mehr. Die Endabnahmen ziehen sich aber hin.

Wird der Umbau teurer als geplant?

Wir sind nahezu im Budget. Die Investition hat eine Höhe von rund acht Millionen Euro.

Was hat sich geändert?

Die Messe ist eine wesentlich schönere Perle für Offenbach geworden. Am Eingang haben wir eine tolle Glasfront. Die Passanten können in die Hallen hereinschauen. Die Wände im Eingangsbereich sind raus. Dort gibt es jetzt Licht-Atrien. Es ist freundlicher und attraktiver. Es gibt 2 500 Quadratmeter Eingangsfläche. Es könnte ein riesiger Eventplatz für Offenbach werden. Hier können Veranstaltungen stattfinden, die auch Frankfurt vielleicht so nicht bieten kann. Die wollen wir auf dem Markt anbieten. Die Hauptinvestition ist aber die Aufstockung der Halle C. Dort sind 2 000 Quadratmeter Fläche dazugekommen. Insgesamt hat die Messe Offenbach jetzt rund 20 000 Quadratmeter.

Sie wollen auch andere Veranstaltungen in die Messe holen?

Soweit das möglich ist. Wir haben die Tattoo-Convention geholt, die war vorher in Mühlheim. Die wird im Dezember in Offenbach stattfinden. Und ebenfalls hatten wir die Ausbildungsmesse Vocatium im Juni als eine neue Messe. Und: Den Eingangsbereich wollen wir für Events nutzen. Wenn in Frankfurt eine Messe wie die IAA läuft, könnte zum Beispiel eine Abendveranstaltung einer Marke doch bei uns stattfinden. Warum denn nicht?

Die Lederwaren-Messe bleibt also in Offenbach?

Der Standort ist etabliert. Wir sind in der Welt eine bedeutende Messe. Die Lederwaren-Branche ist ja der Haupteigentümer der Messe. Ihre Investition zeigt, dass sie in Offenbach bleiben will.

Was muss sich an der Messe ändern?

Die Messe muss mal laut sagen, dass sie die Messe Offenbach ist. Bisher merkt man noch nicht so ganz, dass hier ein wunderschönes Messegelände ist. Wir werden erstmal ein großes Schild anbringen, damit man auch in Frankfurt merkt, dass hier eine Messe ist. Und wir müssen attraktive Veranstaltungen hierher bringen, damit die Bevölkerung sieht, dass die Messe da ist. Und bei der Lederwaren-Messe müssen wir etwas bunter und moderner werden. Der Auftritt ist bisher sehr fein, sehr gesetzt. Mode ist Farbe. Wir müssen Farbe hier reinbringen. Bei der Messe gibt es schließlich nicht nur konservative Einkäufer. Es gibt auch welche, die zum Beispiel mit einer zerrissenen Jeans kommen.

Ist die Lederwarenmesse ausgebucht?

Wir sind ausgebucht bis in die letzte Ecke - mit den neuen 2 000 Quadratmetern. Es ist uns gelungen, 30 neue Marken hierher zu holen. Wir sind sehr attraktiv für den Besucher.

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