Kreativität auf die gefällige Tour

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Zum „ADC Junior des Jahres“ wurde Franz Röppischer gekürt. Er hatte eine originelle Lego-Werbeidee eingereicht.

Frankfurt/Offenbach - Rebellentum durfte man nicht erwarten beim „ADC Festival“ der Werbewirtschaft, das am Wochenende zum dritten Mal auf dem Frankfurter Messegelände stattfand und tausende von Besuchern anzog. Von Claus Wolfschlag

Das liegt in der Natur der Sache, da die in der Werbung beschäftigten Filmemacher, Fotografen und Grafiker Auftragsarbeiten für große Konzerne und einflussreiche Institutionen ausführen. Schon aus diesem Grund gilt es, Kreativwirtschaft nicht automatisch mit Freigeistigkeit zu verwechseln.

Die Veranstaltung des 1964 nach US-amerikanischem Vorbild gegründeten „Art Directors Club“ (ADC), eines Zusammenschlusses „führender Kreativer aus allen Bereichen der kommerziellen Kommunikation“, umschloss die große Ausstellung in Messehalle 5, mehrere Partys und auch Preisverleihungen. Der zugehörige Kongress stand unter dem naheliegenden Motto: „Wie kann eine Ökonomie der Zukunft von kreativen Ideen profitieren?“

Auch Offenbach profitierte von der Veranstaltung. Die Gewinner des wichtigen ADC Nachwuchswettbewerbs wurde nämlich am Freitag Abend im gut besuchten Kulturzentrum „Hafen2“ bekannt gegeben. Studenten aus kreativen Studiengängen und Berufsanfänger aus diversen Werbeagenturen hatten zuvor 1465 Exponate eingereicht.

ADC-Präsidiumsmitglied Stephan Vogel führte durch die Preisverleihung des „ADC Junior Awards“. Grußworte übermittelten Günter Schmitteckert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider. Schneider betonte, dass er seine Hoffnung für die Zukunft Offenbachs in die Kreativwirtschaft setze, da in der Vergangenheit viele Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe verlorengegangen seien.

Bronzene, silberne und goldene Nägel

Bronzene, silberne und goldene Nägel wurden für die Gewinner des Nachwuchswettbewerbs vergeben. Hinzu kamen drei erste Preise. Angesichts der engen Verbindung zu Wirtschaft und Politik überraschte es kaum, dass bei der Verleihung der Juniorpreise offensichtlich nicht nur künstlerische, sondern auch politische und wirtschaftliche Entscheidungen eine große Rolle spielten.

Die Bandbreite der mit Silbernägeln ausgezeichneten Arbeiten, die auch in der Ausstellung am Messegelände gezeigt wurden, war außerordentlich. Man konnte Kaugummis mit Superblasen bewundern, einen auf olympischem Feuer gegrillten Hamburger, Typographie, die aus den Bewegungen von Schmetterlingslarven entstanden ist. In einer Werbung reichte das Loch eines leistungsstarken Bohrers bis ans andere Ende der Erde. Surreale Fotografien waren ebenso unter den Gewinnern der Silbernägel, wie das Fotomagazin „Der Greif“. War den auserwählten Silbernägeln ein großes Maß an Kreativität nicht abzusprechen, wurde es bei den zehn Goldnägeln bemühter und politischer.

Da widmete sich eine Arbeit einer UNICEF-Spendenkampagne, eine andere den weltweiten Waffenarsenalen, eine dritte versuchte die Geschichte der „Roten Armee Fraktion“ seltsamerweise mittels Diagrammen zu verarbeiten. Auch da, wo man sich Themen mit scheinbarer Gesellschaftskritik näherte, zeigt sich am Ende nur Übereinstimmung mit offiziellen Leitlinien. So überraschte es auch nicht, dass die Auszeichnung „Student des Jahres 2012“ an eine wenig innovative und reflektierte Installation zum Thema „rechtsextreme Straftaten“ aus Dessau ging.

„ADC Junior des Jahres“

Immerhin konnten zwei Gold-Arbeiten einen humoristischen Gegenpart zum trockenen Polit-Business liefern: Die Aachener Fabian Jung und Sebastian Kamp präsentierten in ihrer amüsanten Grafikreihe „Chiquita Fruits“ äußerst aufopferungsvolles Obst. Und ein Kurzfilm Andreas Roths und Christian Hergenröthers von der Filmakademie Baden-Württemberg verulkte den Kinoklassiker „Der Exorzist“.

Zum „ADC Junior des Jahres“ wurde Franz Röppischer gekürt, der die Arbeit „Builders of Tomorrow“ für die Firma LEGO eingereicht hatte. Auf Fotografien im Retro-Look sieht man fiktive Kinder der 60er und 70er Jahre Produkte unserer Gegenwart aus Legosteinen vorwegnehmen: Handys, Energiesparlampen, Windräder. Der aus Thüringen stammende Röppischer ist seit zwei Jahren bei der Münchner „Serviceplan“-Gruppe angestellt und hatte seine gelungene Arbeit nicht extra für den Wettbewerb, sondern für den dänischen Spielwarenkonzern konzipiert.

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