Hinter den Kulissen der Kreativstadt:

Ateliergemeinschaft „Luise 63“: Arbeitsfeld Offenbach

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Die Künstler in der Luisenstraße 63 pflegen ein entspanntes Miteinander. Man kennt sich vom Studium in Frankfurt.

Offenbach - Zu den Offenbacher Kunstansichten Mitte Juni öffnen Ateliers, Galerien, Ausstellungsräume und Museen ihre Türen. Für den Besucher ist es die einmalige Gelegenheit, den heimischen Kunstproduzenten über die Schulter zu schauen. Von Reinhold Gries 

In einer kleinen Serie stellen wir einige der Stationen vor. Es wirkt einladend, wenn man die Männer der neuen Ateliergemeinschaft „Luise 63“ im großen Werkstattraum im Hinterhaus der Luisenstraße besucht. Denn hier haben sich Künstler und Pädagogen um die 30 ein Refugium geschaffen, in dem es mehr ums kreative Miteinander als um künstlerische Konkurrenz geht. Vor zwei Jahren fand man den großen Raum mitten in Offenbachs Innenstadt. „Man“, das sind Gründungsmitglieder wie Felix Becker, Freht Berger, Florian Friesenhahn, Tillmann Hanel, Martin Stoya und Moritz Schlegelmilch. Marlene Friese, Maria Mpliatis und Fiona Balbach bilden dazu die weibliche Fraktion.

In der Luisenstraße 63 trifft man auf Kreative, die nicht nur ihr Mal-, Zeichen- und Druckhandwerk verstehen sondern auch Wert auf gemeinsamen Erkenntnisgewinn und regen Austausch legen. Die meisten kennen sich aus gemeinsamen Studienzeiten an Frankfurts Goethe-Uni und dem dortigen Malsaal 204 in der Sophienstraße, durch den Generationen hessischer Künstler und Kunstpädagogen gegangen sind. Das auch dort Erfahrene bringt Berger auf den Punkt: „Wer Kunst macht, kann Kunst erklären.“

Spannende Laborsituation

Im Sinne dieses „Learning by doing“ haben sich die Gesinnungsgenossen - alle keine gebürtigen Offenbacher und keine HfG-Absolventen - Offenbach als Arbeitsfeld ausgesucht. Becker und Friesenhahn dazu: „Viele von uns beschäftigen sich mit der konkreten hiesigen Stadtlandschaft in einem Raum, der sich extrem wandelt.“ Neben dieser Laborsituation, die für Künstler besonders spannend ist, schätzt man die Offenheit der Stadt und ihrer Bewohner, die auch zu Hanels und Stoyas Bildstrategien passt: „Wir wollen uns von allem ein eigenes Bild machen, auch um zu sehen, ob manches so ist, wie es den Anschein hat. Unsere Sicht ist ein Angebot, das den Blick des Betrachters nicht manipulieren will.“

Dabei spielt man auch mit Wiedererkennbarkeit wie Berger mit seinem ironisch gebrochenen Bildzitat nach Jacques-Louis Davids monumentalem Historienbild „Napoleon überquert die Alpen“. Berger drückt dem Feldherrn auf feurigem Ross eine Getränkedose in die Hand - im Kleinformat. Auch sein Bergwanderer in kühn aufgerissener Landschaftsperspektive scheint eher mit seinem iPad beschäftigt…

Rundgang durch die Hochschule für Gestaltung

Gegenüber arbeitet Friesenhahn an Schattierungen einer Landschaft, die zur Abstraktion drängt. Daneben verblüfft seine Natur-Monotypie durch Feinheiten, die man eher von Radierungen kennt. Hanels kunstvoll geschichtete und gefirnisste Malstrukturen, die wie ein tiefer Blick ins Innere von Materie wirken, hätten in jeder Sammlung Moderner Kunst ihren Platz. Gegenüber verblüfft Becker mit Ganzfiguren eines Männerpaars. Stoya arbeitet sich derweil in einer Memento-Mori-Serie an der Plastizität von Menschenschädeln ab. In der Ecke gegenüber sind Schlegelmilchs kunstvoll bemalte Folienkästen hinterleuchtet. Mit feinstem Formgefühl verwandeln sie Landschaftsrisse oder Leitungen des Offenbacher Ostbahnhofs in Kunst. Es leuchtet unmittelbar ein, dass derlei Kunst mit der Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung zusammenhängt.

Offenbacher Kunstansichten 2015. Einzelne Vernissagen am Freitag, 12. Juni, von 19.30-22 Uhr; Rundgang am Samstag, 13. Juni, 16-22 Uhr sowie am Sonntag, 14. Juni, von 13-19 Uhr

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