„Zollamt- Studios“: Nerven liegen blank

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Bekanntlich müssen zahlreiche Künstler ihre Räume in der Mato-Fabrik räumen. Das frühere Zollamt ist vielen zu teuer.

Offenbach - Zu Beginn der Osterferien gingen endlich die Bewerbungsunterlagen für Räume im Atelierhaus „Zollamt- Studios“ raus. Auch an Künstler, die nicht wissen, wie es für sie weitergeht. Die Bewerbungsfrist endet am 5. Mai. Von Reinhold Gries 

Danach entscheidet ein achtköpfiger Beirat über die Mieterauswahl. Probleme vieler Künstler sind damit nicht gelöst. Im Beirat unter Vorsitz von HfG-Professor Heiner Blum sitzen unter anderem Jürgen Amberger, Chef der Wirtschaftsförderung, Dr. Ralph Ziegler, Leiter des Forums Kultur, Winfried Männche (Gemeinnützige Baugesellschaft) und Künstlerin Anny Öztürk. Nur kein BOK- oder Mato-Künstler. Obwohl diese von Kündigungen ihrer Räume doppelt betroffen sind. Denn nach der lange angekündigten Schließung der Mato-Ateliers wurde bei der Jahreshauptversammlung des Bunds Offenbacher Künstler (BOK) bekannt, dass dessen Galerie Salon 13 zu Ende Juli gekündigt ist – samt Ateliers.

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BOK-Mitglied Pelusa Petzel musste auf Widerruf überlassene „Stauräume“ in wenigen Tagen freimachen. Wie Petra Mühl, Leiterin der Rumpenheimer Kunsttage, und andere hat sie ihre Kunstwerkstatt an der Kaiserstraße 13. Petzel bleibt aber ruhig: „Die neuen Vermieter wollen zur Erzielung eines besseren Verkehrswerts Heizung und Installationen erneuern. Wir müssen sehen, wie es weitergeht. Die Stadtoberen sind informiert und haben Hilfe angeboten.“ Ihre für 10. Mai angekündigte Ausstellung hat Petzel allerdings abgesagt. Denn die Räume sind mit Material zugestellt.

Auch Uwe Schramms Ausstellung im Juni steht in Frage. BOK-Vorsitzender Hans-Jürgen Herrmann: „Wir sind überrascht. Die Stadt muss sich erst mit der Situation befassen, die wir nicht gewollt haben. Die Verknappung von Ateliers verschärft die Situation der Künstler und treibt sie in ungute Konkurrenz. Eigentlich sind wir Kreativen dazu da, Kunst zu machen.“ In ziemlicher Not ist die Kunst in der alten Mato-Fabrik an der Bieberer Straße, die abgerissen werden soll. Einige haben neue Räume gefunden, etwa in Frankfurt oder Berlin, für wesentlich höhere Mieten. Mato-Künstler Alwin Dorok weiß indes: „Es sind mindestens 15, die nicht wissen, wie es weitergeht. Die über sieben Euro pro Quadratmeter liegende Miete ohne Nebenkosten ist für viele nicht bezahlbar, bei Mato sind es 4,80 Euro. Auf Nachfragen bei der GBO oder der Stadt erhielten wir bisher keine Informationen.“

Malerin Andrea Simon wirkt so ratlos wie Bildhauerin Regina Schnersch, die eine ebenerdige Werkstatt für ihre Steine braucht: „Räume wie hier bekommen wir nicht. Wir haben überall gesucht und finden nichts Geeignetes, das bezahlbar ist. Die Situation ist unklar, Ansprechpartner und Hilfen fehlen. Bei uns liegen die Nerven blank.“ Die Zeit drängt, um nicht mit dem Material auf der Straße zu stehen.

Der Bund Offenbacher Künstler hat die Kündigung erhalten.

Manche Betroffenen schütteln nur den Kopf, wenn das Zollamtsprojekt an der Frankfurter Straße zur Sprache kommt. Die Mato-Kolleginnen Eva Moll und Ruth Luxenhofer sind sich einig: „Die Räume, auf mehreren Etagen von Hochschule für Gestaltung und Institut für Klangforschung belegt, sind zu klein und oft ungeeignet für Malerei und Bildhauerei. Und die Mieten sind zu hoch. Wir gehen aus Offenbach weg.“ Charlotte Malcolm-Smith ergänzt: „Ich verstehe bei diesem Leerstand nicht, dass es keine anderen Möglichkeiten für uns gibt.“ Ex-BOK-Vorsitzende und Mato-Mieterin Heide Khatschaturian weiß nicht, wie es weitergeht. Petzel glaubt, dass es in Ordnung kommt, sagt aber: „Ein freundlicher Umgang mit den Künstlern war das bisher nicht.“

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