Attacke radikaler Islamisten

Fernsehteam bei Dreh vor Moschee angegriffen

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Offenbach - Bei einem Dreh vor einer Moschee am Freitagnachmittag ist ein Fernsehteam des Südwestrundfunks (SWR) von einer Gruppe radikaler Islamisten angegriffen worden. Das Journalistenteam war nach dem Freitagsgebet mit dem Imam zum Gespräch verabredet.

Ein 40-jähriger Reporter, ein 42 Jahre alter Kameramann und ein 27-jähriger Tontechniker des Politikmagazins „Report Mainz“ seien nach Angaben des Senders durch Faustschläge und Fußtritte durch offenbar radikale Islamisten leicht verletzt worden, teilte der SWR heute in Mainz mit.

Der SWR-Chefredakteur Fernsehen, Fritz Frey, sprach von absolut inakzeptablen Attacken. Man werde sich durch solche Angriffe nicht davon abbringen lassen, zu recherchieren und zu berichten.

Mindestens sechs junge Angreifer

Das Fernsehteam hielt sich laut SWR in der Karlstraße in Offenbach zu Gesprächen mit dem Imam der dortigen Tauheed-Moschee auf. Die 1993 von pakistanischen Gläubigen gegründete sunnitische Religionsgemeinschaft „Einheit des Islam“ ist die Trägerin der Moschee. Der Geistliche, so der Sender, habe sich geschockt über den Vorfall geäußert.

Wie die Offenbacher Polizei erst heute mitteilte, wurde das insgesamt vierköpfige Journalistenteam direkt nach dem Freitagsgebet von mindestens sechs jungen Männern attackiert. Die Meldung des Angriffs wurde aber möglicherweise auf Wunsch des SWR erst heute veröffentlicht. Bei der Attacke erlitt ein Kameraassistent eine Schädelprellung und musste von einem Notarzt behandelt werden. An der Ton- und Kameraausrüstung des Teams entstand ein erheblicher Schaden. Die Angreifer rannten nach der Tat davon. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Die Reporter haben den Angriff mit Videos dokumentiert. Hinweise von Zeugen an Tel. 069/8098-1234.

„Heiliger Krieg“ in Syrien

Das Fernsehteam wollte Hinweisen nachgehen, dass eine Gruppe aus dem Umfeld der Moschee plant, in Syrien in den „Heiligen Krieg“ zu ziehen. An der Tauheed-Moschee hatten die Journalisten dem Bericht zufolge über ein Vorstandsmitglied der Moscheegemeinde ein Gespräch mit Imam Taher Nawaz nach dem Freitagsgebet vereinbart. Der Geistliche der sunnitischen Gemeinde äußerte sich später schockiert: „Die Gruppe ist bisher nicht gewalttätig in Erscheinung getreten. Von daher hat es uns selbst überrascht, dieser plötzliche Gewaltausbruch.“

Nawaz bestätigte, dass es sich bei den mutmaßlichen Angreifern um Mitglieder jener Gruppe handelt, die sich in seiner Moschee zunehmend abgesondert und „wahrscheinlich“ radikalisiert hätten: „Es ist richtig, dass sich einige der Mitglieder mit dem Gedanken tragen, nach Syrien zu gehen.“ Auf die Frage, ob einzelne Mitglieder dort kämpfen wollten, sagte Nawaz: „Also heutzutage gehen keine Touristen nach Syrien.“ Er berichtet von einem Siebzehnjährigen, der nach Syrien habe aufbrechen wollen. Erst nachdem sich dessen Vater an die Moschee gewandt habe, sei durch Gespräche mit dem Jugendlichen erreicht worden, dass er zunächst dableibe.

Nach SWR-Recherchen gehören der Gruppe etwa zehn Jugendliche an. Sie steht seit längerem unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Diese haben demnach inzwischen Erkenntnisse über mehr als 50 Islamisten aus Deutschland, die in Richtung Syrien ausgereist sind, um dort den Widerstand gegen das Assad-Regime zu unterstützen.

kna/akr/psh

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