Angriff vor Moschee

Attacke auf TV-Team: Bewährung für Schläger

Offenbach - Ein Kamerateam dreht vor einer Moschee in Offenbach. Plötzlich tauchen junge Männer auf, sie schlagen und treten die SWR-Mitarbeiter. Die Rädelsführer sind untergetaucht, zwei Mitläufer wurden nun verurteilt.

Weil sie ein Fernsehteam vor einer Offenbacher Moschee angegriffen haben, sind zwei Männer zu je sechs Monaten Haft auf Bewährung und 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Das Amtsgericht Offenbach sprach die 24 und 25 Jahre alten Angeklagten am Donnerstag der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung und Sachbeschädigung schuldig. Da Harun A. und Elvis L. nicht die Haupttäter waren, blieb man am unteren Ende des Strafmaßes. Der Vorfall ereignete sich im Sommer 2013 vor einer Offenbacher Moschee. Ein Team des SWR drehte dort für "Report Mainz", als eine Gruppe junger Männer aus der Moschee sie attackierte. Die Angreifer schlugen auf sie ein und traten sie. Am schlimmsten erging es dem Tontechniker: Als er am Boden lag, wurde von oben auf seinen Kopf getreten. Er erlitt eine Schädelprellung und Schwellungen im Gesicht. Auch der Kameramann und ein Reporter wurden verletzt.

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Ursprünglich waren vier Männer angeklagt, aber zwei tauchten unter. Einer von ihnen setzte sich trotz elektronischer Fußfessel ab, die Ermittler vermuten sie in Syrien. Die Untergetauchten scheinen die Rädelsführer gewesen zu sein. Die beiden nun Angeklagten hätten zwar nicht getreten, aber zugeschlagen und sich den anderen auch nicht entgegengestellt, sagte der Richter. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr und acht Monate beziehungsweise ein Jahr und zwei Monate Haft auf Bewährung gefordert. Die Verteidigerinnen hatten auf Freispruch plädiert - eine Tatbeteiligung ihrer Mandanten sei nicht beweisbar.

Zeugen aus der Moschee hatten die beiden Männer unmittelbar nach der Tat bei der Polizei als Täter genannt, vor Gericht konnten sie sich aber an nichts erinnern. Der Richter vermutet, sie hatten Angst, gegen Glaubensbrüder auszusagen. Harun A. und Elvis L. haben an allen drei Prozesstagen bestritten, an dem Angriff beteiligt gewesen zu sein. Der eine sagte, er habe nur schlichten wollen; der andere gab an, er sei erst dazugekommen, als die Schlägerei bereits im Gange war. In ihrem Schlusswort sagten beide, sie fänden "falsch, was da passiert ist". Das war auch die Ansicht des Imams, der als Zeuge aussagte und die Taten verurteilte. (dpa)

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