Auch in der Krise auf Weiter- und Ausbildung setzen

Offenbach - (tk) Die Offenbacher Industrie- und Handelskammer will der Öffentlichkeit den guten Unternehmertypus präsentieren: jenen, der oft selbst der Firmeninhaber ist, der sich seiner sozialen Verantwortung bewusst ist und sich engagiert, der von den schwierigen Zeiten genauso betroffen ist wie die Mitarbeiter.

Momentan ist das Unternehmerbild weniger schmeichelhaft, wie IHK-Präsident Alfred Clouth weiß: Geprägt wird es von Managern, die trotz schlechter Zahlen Millionen-Boni oder Millionen-Abfindungen erhalten oder auch einklagen. „Sicher gibt es da vertragliche Grundlagen, und ich will nicht zum Vertragsbruch aufrufen“, bedauert Clouth, als er gestern vor der Presse die Bilanz der 2008er Kammer-Arbeit zieht und einen Ausblick aufs laufende Jahr bietet.

Zentrales Thema ist die Wirtschaftskrise, die immerhin die Mehrzahl der Mitgliedsunternehmen in Stadt und Kreis nicht in Weltuntergangsstimmung versetzt, wie sich aus einer aktuellen Blitzumfrage ergibt. Firmen, die momentan zu wenig Arbeit für ihre Mitarbeiter haben, empfiehlt Alfred Clouth, die Zeit für Weiterbildung zu nutzen: „Nur so stehen nach der Krise wieder die Fachkräfte zur Verfügung, die wir dann dringend benötigen.“ Die IHK hilft mit Informationen wie beim ersten Weiterbildungstag, der zur festen jährlichen Einrichtung werden soll.

Anstrengungen für die Ausbildung bescheren ebenfalls Fachkräfte. Im vergangenen Jahr hatte die IHK Offenbach hessenweit das beste Ergebnis bei der Steigerung der neu abgeschlossenen Lehrverträge vorweisen können: 1732 bedeuten eine Steigerung um 4,7 Prozent.

200 Lehrstellen blieben 2008 unbesetzt. Die passenden Bewerber hätten gefehlt, sagte Clouth. Seit dem vergangenen Jahr baut die IHK die Zusammenarbeit mit den allgemeinbildenden Schulen aus, um die Abgänger besser auf die betriebliche Ausbildung vorzubereiten. 53 Schulen in Stadt und Kreis wurden betreut - es gab Beratungen und Eignungstests.

In diesem Jahr geht die IHK an die Gymnasien, aber nicht um auf die Ausbildung vorzubereiten, sondern um Überzeugungsarbeit in Sachen Globalisierung zu leisten. Beginnend mit der Offenbacher Albert-Schweitzer-Schule, sollen Unternehmensvertreter versuchen, den Gymnasiasten „latente Ängste“ vor Weltwirtschaftskrise, Lohnspreizung, Reallohnverlust, Arbeitsplatzverlagerung, Umweltzerstörung und Ausbeutung auszutreiben. Die Globalisierung biete auch Chancen, sagte Alfred Clouth.

Auch wenn der globale Handel derzeit schwächelt: Auch die Firmen der Region brauchen die internationalen Märkte. Da sich die dort immer mehr gefragten Dienstleistungen schwerer als Waren exportieren lassen, bietet die IHK verstärkt interkulturelle Seminare: Wie man mit dem Araber richtig kommuniziert, will gelernt sein.

Das mag auch neuen Unternehmen zugute kommen. Seit 2000 ist die IHK Offenbach um fast 9000 Mitglieder gewachsen. Der Gründerboom der Ich-AG-Zeiten ist inzwischen vorbei. Dauerhaft ist längst nur wenig, was sich firmiert: Von den Existenzgründern der vergangenen drei Jahre haben 60 Prozent aus diversen Gründen wieder aufgegeben. Verbessert habe sich die Qualität der Neugründungen im Vergleich zu den Zeiten, als staatliche Förderungen viele Arbeitslose in die Selbstständigkeit lockten, bilanzierte Alfred Clouth: „Diesen Trend wollen wir fördern.“

So gibt es im September eine Veranstaltung, die „IHK-Gründerflirt“ heißen soll. Der Gedanke dahinter ist, Menschen mit tollen Ideen, aber ohne unternehmerisches Moment, mit Unternehmern zusammen zu bringen, die innovative Ideen suchen. Alfred Clouths Vision: Kleinunternehmer wachsen ins Mittelständische hinein und bereichern, was die Stärke der deutschen Wirtschaft ausmacht.

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