INTERVIEW OKV steckt bereits in Vorbereitungen für Jubiläumsumzug zu „Bürgeler Akte“

Auch das Originalpergament ist dabei

Schon im 19. Jahrhundert gab es Offenbacher Narren: Ein Stich aus dem Stadtarchiv dokumentiert den Umzug des Jahres 1863. Foto: stadtarchiv

Offenbach – Unerbittlich naht der nächste 11. 11. , der traditionelle Beginn der fünften Jahreszeit. Für den Offenbacher Karnevalverein (OKV) hat die Arbeit längst begonnen.

Regelmäßige Narren-Umzüge sind inzwischen in Lederanien zwar Stadtteilsache – in Bürgel und Bieber –, zu besonderen Anlässen bittet aber auch die Dachorganisation der Frohsinnsvereine auf die Gasse. 2020 ist Anlass ein spezielles, nur karnevalistisch rundes Jubiläum: Vor sechs mal elf Jahren wurde die „Bürgeler Akte“ unterzeichnet, mit der elf Vereine den OKV bildeten.

Wir befragten OKV-Vize und Pressesprecher Thomas Isser zum Stand der Vorbereitungen für den Fastnachtsumzug am 2. Februar.

Das Land spendiert, wie neulich berichtet, 10 000 Euro für die Motivwagen für den Jubiläums-Umzug im kommenden Jahr. Wie viele Wagen wollen Sie denn am 2. Februar auf die Straße schicken?

Wir werden als Dachorganisation selbst höchstens einen oder zwei Wagen auf die Straße schicken, die speziell für den Zug gebaut werden. Einen Prinzenwagen haben wir 2015 ja bereits neu gebaut, und auch der wird wieder fahren. Geplant ist aber, dass jeder unserer angeschlossenen Vereine (aktuell 20 Karnevalistische Vereine) seinen eigenen Zugwagen baut, und auch dafür wird dieses Geld verwendet.

Wie hoch schätzen Sie die Gesamtkosten dafür und woher soll das weitere Geld kommen?

Eine genaue Summe kann man heute noch gar nicht sagen, da wir noch nicht alle Kosten final zusammentragen konnten. Die Ausgestaltung der Tribünen an der Berliner Straße auf Höhe des Rathauses zum Beispiel ist noch nicht endgültig, und auch andere Kosten rund um den Zug werden sich erst die nächsten Wochen und Monate ergeben. Gelder werden vor allem durch Spenden akquiriert. So können wir uns schon heute bei der EVO bedanken, die sich bereit erklärt hat, die EVO-Bühne für das Zugwochenende zur Verfügung zu stellen. Spender sind hauptsächlich Offenbacher Firmen und Privatpersonen.

Wie läuft dazu Ihre Aktion mit dem Verkauf der Zug-Orden?

Besser als erwartet. Als wir 2018 mit dem Verkauf des Ordens, der den „Frankfurter Kaufmann“ mit dem Ausspruch „Krieh die Kränk, Offebach“ zeigt, anfingen, hätten wir nicht gedacht, dass er so sehr gefragt ist. Diese Einnahmen machen einen großen Anteil an unseren Einnahmen des Zuges aus, und wir sind gespannt, wie viele es bis Ende der Kampagne 2020 werden.

Wer sind bei Ihnen denn die Zug-Macher?

Unsere Zugleitung ist dreigeteilt: Klaus-Dieter Roos, der bereits 2005 und 2010 einer der Macher war, kümmert sich als Zugmarschall um die Mitwirkenden, die teilnehmenden Vereine und die Musikzüge. Klaus Kohlweyer kümmert sich um das Organisatorische und die Sponsorengelder. Bernd Meuer kümmert sich um die technischen Angelegenheiten rund um unsere Zugwagen, den TÜV und sonstige Aufbauten rund um den Zug.

Gibt es schon Vorstellungen über die Motive?

Es gibt natürlich Vorstellungen, die wir aber noch nicht komplett verraten möchten. Selbstverständlich werden wir unseren „Frankfurter Kaufmann“, der auch das Motiv des Zugordens darstellt, in irgendeiner Weise als Wagen dabeihaben. Aber auch eine Überdimensionale „Bürgeler Akte“ steht als Idee im Raum. Ob es politische Wagen gibt, ist noch nicht sicher, aber lassen Sie sich überraschen, bis 2020 ist ja noch ein bisschen Zeit.

1936, beim ersten Offenbacher Zug, hat es eine Zusammenarbeit mit der damaligen Werkkunstschule gegeben. Ist diesmal die Hochschule für Gestaltung irgendwie eingebunden?

Diese Zusammenarbeit war damals eng durch die Herren Professor Hugo Eberhard und später durch Professor Willy Meyer, die die Technischen Lehranstalten beziehungsweise später die Werkkunstschule nacheinander leiteten. Beide waren eingefleischte Karnevalisten und brannten darauf, für den Offenbacher Karneval mit ihren Mitteln etwas zu ermöglichen. Leider ist diese Kooperation schon in den 50ern zum Erliegen gekommen. Danach übernahm Alfred Seeger mit seiner Dekorationsfirma die Regie der Ausgestaltung des Zuges. Man darf auch nicht außer Acht lassen, dass damals auch die Schule noch eine andere war. So lernten dort zum Beispiel Maler, Kalligrafen, Schriftgestalter und Werbegestalter ihr praktisches Handwerk. So war es für die Schüler auch immer ein „Anwenden von Gelerntem“, was heute durch die modernen Ansätze innerhalb der HfG eher schwierig wäre.

War der Zug 1936 – es soll nicht unter den Tisch fallen, dass damals schon die Nazis die Macht ergriffen hatten – eigentlich das erste Mal, dass die Narren organisiert durch Offenbach zogen?

Der erste Zug war das nicht. Schon davor gab es bunte Züge durch Offenbach, jedoch war 1936 der erste Zug, der vom OKV (beziehungsweise der AOK – Arbeitsgemeinschaft Offenbacher Karneval, wie wir damals noch hießen) organisiert wurde.

Wenn Sie auf die Straße gehen, werden Sie dazu auch rollende Plattformen brauchen. Wo kriegen Sie die denn her?

Jeder angeschlossene Verein erhält, wie bereits gesagt, einen Anhänger samt Grundplattform. Alle anderen müssen sich ihren Wagen nach TÜV-Vorschriften und „Brauchtumswagenverordnung“ und unserer Zugordnung selber zusammenstellen. Wir freuen uns aber auch über viele Fußgruppen wie zum Beispiel die Siegburger Funken, die mit rund 200 Personen die Offenbacher Innenstadt bereichern werden. Wir freuen uns aber auch, wenn Kindergärten und Schulen teilnehmen wollen. Infos dazu unter www.okv-web.de

Was soll außer dem Lindwurm der Wagen und Fußgruppen noch geboten werden?

Es sind einige Dinge in Planung. So werden wir das gesamte Wochenende die lederanische Innenstadt karnevalistisch beleben. Am Samstag, 1. Februar, werden wir den Rathaussturm vollziehen und die Straßen bereits ein wenig bunt färben. Direkt vor dem Zug am 2. wird es auf den Bühnen ein attraktives Live-Programm und Musik geben.

Wie wird auf den Anlass des Umzugs hingewiesen?

In Planung ist aktuell auch eine Kooperation mit dem Haus der Stadtgeschichte, um im Foyer des Rathauses ein kleines Museum über dieses Wochenende aufzubauen, bei dem aus den Archiven der Stadt und des OKV viele interessante Dinge zusammengetragen und gezeigt werden. Bei ersten Gesprächen mit dem Haus der Stadtgeschichte konnte ich in dessen Depot auch die originale „Bürgeler Akte“ zutage fördern. Leider war die in keinen Unterlagen als solche gekennzeichnet und galt innerhalb des OKV lange als verschollen. Wir sind froh dieses historische Dokument (auf Pergament – also waschecht lederanisch) zum Zug auch präsentieren zu können.

Wird es denn in diesem Jahr auch eine Kappenfahrt der Bürgeler Ranzengarde geben?

Natürlich wird es in Burgilla, wie Bürgel in der 5. Jahreszeit heißt, eine Kappenfahrt geben. Diese findet wie immer am Fastnachtsdienstag statt. So wie wir jedes Jahr in Bürgel bei der Kappenfahrt dabei sind, freuen wir uns, dass die RAGA mit mehreren Gruppierungen unseren Zug bereichern wird!

Die Fragen stellte Thomas Kirstein

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