Auch bei Regen ins Stadion

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Nach der Stadtführung für die neuen Offenbacher Bürger führte die Tour bei lausigem Wetter zum aufregenden Spiel der Kickers gegen Sandhausen Richtung Bieberer Berg.

Offenbach ‐ Städte wie München, Hamburg oder Berlin gelten als begehrenswerte Wohnorte. Ins Rhein-Main-Gebiet treibt es nur wenige aus purer Freude an der Umgebung. Von Stefan Mangold

Spricht man in Offenbach jedoch mit Zugezogenen, erzählen die meisten, wie überraschend leicht es ihnen gefallen sei, sich heimisch zu fühlen. Nur „in Bieber muss man in der dritten Generation leben, um als Einheimischer akzeptiert zu werden,“ scherzte Oberbürgermeister Horst Schneider am Samstag im Bus, als der mit Neu-Offenbachern gerade durch den Stadtteil fuhr. Über 20 in der jüngsten Zeit Hinzugezogene hatten das Angebot der Stadt genutzt, vom OB und der Gästeführerin Monika Krämer die neue Heimat gezeigt zu bekommen.

„Städtebaulich hat sich schon einiges getan.“

Von nicht weit weg kommt etwa Frank Schwerer, Pastor in der freien Christengemeinde. Der zog mit seiner Frau und den vier Kindern von Wiesbaden an die Kaiserstraße. „Wir freuen uns besonders, wenn Leute wie Sie in der Innenstadt leben“, sagte Schneider. Städtebaulich hätte sich schon einiges getan in der Gegend um die Berliner Straße. „Mit dem Bau der S-Bahn verkleinerte man auch die Straße von vier auf zwei Spuren“, erklärte das Stadtoberhaupt. Auch von den historischen Altbauhäusern am Büsing-Park sprach Schneider, als es erst mal zu Fuß los ging. Diese mussten in den sechziger Jahren der als Stadtautobahn bezeichneten Berliner Straße weichen. Gelungen sei etwa das neue Gebäude der Sparkasse. Das Parkhaus gegenüber dagegen sei „eine klassische Bausünde.“ Die Immobilie, in der sich ein Spielwarengeschäft befindet, „bekommen wir hoffentlich bald weg.“

Der Bus fuhr zunächst durch das schöne Altbauviertel im Westend („Wer hier ein Haus erbt, kann sich glücklich schätzen.“), später auch durch Rumpenheim und Bürgel. Unbehagen konnte man Schneider anmerken, als der Weg aus der Stadt führte, vorbei am Gelände der Allessa-Chemie an der Kettelerstraße. In seiner Kindheit hatten „hier noch bis zu 5000 Leute bei der Höchst AG“ Arbeit. Doch weil sich die Farbwerke in mehrere Einzelfirmen zersplittert hätten, „entsteht hier jetzt mit 38 Hektar die größte industrielle Brache Offenbachs.“ Augenblicklich arbeiteten im Werk „noch 70 Leute. Am Jahresende fällt auch für die der Hammer.“

„Banker fahren nach Feierabend in den Taunus.“

Hinsichtlich der Struktur der Einwohner verglichen „nehmen sich Frankfurt und Offenbach nicht viel“, meint der OB. Der einzig gravierende Unterschied in Frankfurt sei das Bankenviertel, „doch nach Feierabend fahren die meisten Banker in den Taunus.“ Der Frankfurter verdiene im Schnitt „gerade mal 300 Euro mehr im Jahr.“ Ziel müsse es sein, „dass die Leute, die hier teilweise hochqualifizierter Arbeit nachgehen, auch zu uns ziehen.“

Im Bus saßen Neubürger aus Hamburg und München, doch auch einer wie der gebürtige Freiburger Werner Schöll, der vom nahen Mühlheim nach Offenbach kam und jetzt im noblen Areal des alten Schlachthofs wohnt, „Grund war die Liebe.“

Wahl-Offenbacherin Marianne Schneider hingegen „suchte Jahre lang nach einer ganz bestimmten Wohnung.“ Die pensionierte Bankangestellte zog von Obernburg weg in die Nähe des Deutschen Wetterdienstes, weil sie eine „Maisonette-Wohnung mit minimalem Energieverbrauch gefunden“ habe. Außerdem „wollte ich wieder rein in die Urbanität.“ Auf dem Land sei es zu langweilig gewesen.

Nach der Führung ging es bei Dauerregen zum aufreibenden Spiel des OFC gegen Sandhausen (3:3). Die Neuen konnten gleich eine Lektion lernen: Ein Kickersbesuch ist nichts für Schönwetterfans.

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