VDE-Institut eröffnet drei Speziallabore

Auch Waschmaschinen auf dem Prüfstand

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Symbolbild

Offenbach - Das VDE Institut prüft und zertifiziert elektrotechnische Geräte. Rund 550 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen allein in Offenbach. Nun nahm das Institut drei neue Speziallabore in Betrieb, in denen künftig Produkttester ihrer Arbeit nachgehen werden. Von Lara Sturm

Produkttester, das klingt nach einem ziemlich lässigen Beruf, zumindest wird das oft so im TV vermittelt. Man betrachte nur einmal die Wissenschaftsshow „Nicht nachmachen!“ im ZDF. Wenn auch leicht satirisch dargestellt, so erscheint der Beruf des Produkttesters in der Show doch wie ein großes Spiel. Man kann in Ruhe Kaffee schlürfen, während man darauf wartet, dass die Badewanne überläuft. Zumindest wenn man die Qualität von Fußböden testen will. Ab welcher Wassermasse bricht der Boden durch? Sind das Fragen, die ein Produkttester zu klären hat? „Nicht ganz“, sagt Bernd Franke, Leiter der Marketingabteilung, und lacht. „Bei uns kommt es fast nie zu Überflutungen oder Bränden. Der Job gestaltet sich weitaus nüchterner als im Fernsehen dargestellt wird. “.

Die Arbeitswelt eines Produkttesters lässt sich gut erahnen, wenn man die drei neuen Speziallabore inspiziert. Im Waschlabor werden Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspülmaschinen auf Sicherheit, Umwelteffizienz und weitere Produkteigenschaften getestet. Christoph Türk, der Leiter des Waschlabors, präsentiert ein schmutziges Stoffstück: „Wir testen auf Blut, Körperfett, Kakao-, Ruß- und Rotweinflecken.“ Doch die Mitarbeiter sauen die Stoffstücke nicht selbst ein. Eine andere Firma produziert diese „Schmutzlappen“ eigens. Jeder Lappen weist exakt den „gleichen Grad an Verschmutzung“ auf. „Hier ist alles genausten genormt, nur so kann man brauchbare Vergleichswerte erhalten“, erklärt Türk. Für diese brauchbaren Werte muss man viele Dinge beachten, eine Belüftungsanlage sorgt dafür, dass immer die gleiche Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit herrscht, die 350.000 Euro teure Wasseranlage sorgt für einen genormten ph-Wert des Wassers.

Auch die Experten im „Labor für kleine Haushaltsgeräte“ müssen akkurat arbeiten. Wenn sie Staubsauger testen, können sie nicht einfach ein bisschen Dreck auf dem Teppich verteilen. Nicht nur die Staubmenge, auch die Körnergröße, muss genormt sein. Eine Maschine bürstetet diesen gleichmäßig ein. Gesaugt wird nicht per Hand. „Das Meiste läuft hier automatisch, das garantiert eine höhere Norm“, berichtet Franke. Besonders viel Automatismus herrscht im dritten Labor. Elektrogeräte in den eigenen vier Wänden werden zunehmend intelligenter und kommunikativer. Bald sollen sogenannte „Smart Home“-Systeme auch für die breite Masse erschwinglich sein.

Schon jetzt gibt es beispielsweise Kühlschränke mit eingebauter Kamera. Über das Smartphone kann man dann während des Einkaufs im Supermarkt nachsehen, was man noch zuhause hat. In Zukunft sollen fast alle Elektrogeräte über Smartphone oder Tablet steuerbar sein. Gemeinsam mit Herstellern und neutralen Experten-Gremien entwickelt VDE anhand von Prototypen Tests für den neuen Markt. Neben der Funktionalität steht besonders die Frage nach dem Datenschutz im Vordergrund.

Man merkt: Fünfe einfach mal gerade sein lassen - das geht hier nicht! Lässig ist der Job des Produktesters wohl nicht, aber interessant ist er allemal.

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