Auenprojekt Mainbogen

Ein großer Graben

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Johannes Wolf, Büro GPM: „Ein ambitioniertes Projekt.“

Offenbach - Im Mainbogen tut sich was, wenn Zuschüsse fließen – egal ob vom Land, vom Bund, von der EU. Das stellt Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach vor gut 80 Interessenten im Parlamentssaal klar: „Die Stadt allein hat für so etwas kein Geld. Von Martin Kuhn 

Der charakteristische Bürgeler Mainbogen, hier ohne Fluss, dafür aber mit einer Mainaue, wie sie den Planern vorschwebt – mit dauerhaft eingestauten Flächen, einem Grabensystem und auengerechtem Bewuchs. Eine intensive landwirtschaftliche Nutzung ist dort nicht mehr gewünscht. (Bild vergrößern)

Auch wenn die Planer mit den besten Absichten das ambitionierte Auenprojekt Mainbogen vorantreiben (über einen Ideenentwurf hinaus gibt es aktuell nichts Greifbares), ist bei Einzelnen zumindest eine grundlegende Skepsis zu vernehmen. Weil das Grummeln des Bürgers erwünscht ist, lädt Hollerbach alle ein, aktiv die weiteren Schritte zu begleiten. Proteste (vielleicht „Mainbogen 22“) wird’s in Offenbach wohl nicht geben, wobei eine Gruppe am Abend offensichtlich nicht vertreten war: die Landwirte. Es ist eine gute Frage: Haben Politik und Verwaltung den falschen Weg eingeschlagen, obwohl die Bürgerbeteiligung mit an erster Stelle steht? Hinter vorgehaltener Hand jedenfalls regen sich einige bereits auf. Erst beschließen, dann informieren – das sei die verkehrte Reihenfolge. Bürgermeister Peter Schneider betont dagegen: „Der heutige Abend ist nicht als Bürgerbeteiligung anzusehen.“ Erst wenn’s an konkrete Maßnahmen geht, werden Bürger vor den Parlamentsbeschlüssen mitreden. Der Grünen-Politiker lenkt außerdem den Blick auf gesetzliche Verpflichtungen.

Die sind in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu finden. Auf Grundlage der EU-WRRL und von Paragraf 29 Wasserhaushaltsgesetz besteht die gesetzliche Verpflichtung „ein gutes ökologisches Potenzial und einen guten chemischen Zustand der künstlichen und erheblich veränderten Gewässer bis zum 22. Dezember 2015 zu erreichen.“ Der Main zählt definitiv zu jenen erheblich veränderten Gewässern. Feuerwehrchef Uwe Sauer verweist auf den Hochwasserschutz. Immer mehr extreme Wetterlagen und steigende Pegel an deutschen Flüssen führen – neben Hinweisen aus Holland – zu neuen Sichtweisen. Die natürlichen Überschwemmungsflächen, einst für schnelle Schifffahrtsstraßen geopfert, sollen wieder entstehen. Naturnahe Auen dienen als Puffer für Hoch- und Niedrigwasser. Und das wäre im Mainbogen möglich.

Mit dem Vorentwurf betraut ist Johannes Wolf, Büro GPM in Kronberg. Das aus seiner Sicht ambitionierte Projekt verknüpft einiges: „Naherholung wird dort Freude machen; es wird der Natur nutzen.“ Nach seinen Worten greift das Vorhaben auf, was die Natur vorgibt. Die in obiger Grafik grün dargestellte Flutmulde zwischen Schultheisweiher und Main liege ohnehin tiefer als angrenzende Flächen. Ein Graben soll, ausgehend von einer Flachwasserzone, diese Areale mit Wasser speisen. Flächenbedarf: gut 24 Hektar, davon 13 in öffentlichem Eigentum. Es ist der Moment, als Thomas Fabian, Landesamt für Bodenmanagement Heppenheim, das Mikrofon ergreift. Solche Maßnahmen hat er bereits elf Mal begleitet beziehungsweise geregelt – Grundstückstausch oder -kauf, stets auf freiwilliger Basis, wie er betont. Was dem Bodenmanager etwa in Heusenstamm geglückt ist, hat im Bürgeler Mainbogen jedoch eine andere Dimension. „Es ist wohl das bislang größte Vorhaben“, konstatiert Fabian. Im Mainbogen sind es allein 11,5 Hektar Acker und 0,9 Hektar Kleingärten – reichlich Raum für Konflikte also.

Etwas ganz anderes treibt Rainer Rist und Gerhard Plath um. Nach ihrer Einschätzung ist dort die Geschichte von Bürgel und Rumpenheim im Boden verborgen. Plath vertritt die Auffassung, dass die Bandkeramiker die ersten Siedler in diesem Gebiet waren. Dies bezeugten Faustkeilabschläge, Krüge, Feuersteine und Pfostenlöcher sogenannter Langhäuser. „Diese Funde wurden allesamt nur im Anschnitt von Kiesgruben gemacht, deshalb ist eine Ausdehnung zum Main zwingend anzunehmen.“ Der Architekt führt weitere Punkte an: Tonbett des Mains und Grundwasserstände. Für ihn verbietet es sich, etwa diese Tonschicht (der sogenannte Offenbacher Rupelton) für den angedachten Grabensystem zu durchstoßen. Aber so sehr mögen sie Experten das nicht vertiefen. Nur so viel: Etwaige Bodenuntersuchungen gehörten zur weiteren Vorgehensweise.

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