Aufblühen im Restaurant

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Infos zur vom Bistum Mainz initiierten „Initiative Arbeit“ gab’s im Kolpinghaus. Geschäftsführer Markus Hansen (links) und die Projektverantwortlichen berichteten beim Tag der offenen Tür über die Aktivitäten rund ums Ausbildungsrestaurant. Heinz Heckwolf, Domdekan von Mainz, segnete die Räume.

Offenbach ‐   Billig ist es nicht. Wer hofft, im Ausbildungsrestaurant „ina“ in der Luisenstraße im Kolpinghaus zum Schnäppchenpreis satt zu werden, sollte sich lieber daheim eine Konserve öffnen. Von Stefan Mangold

„Wir bieten gute Qualität, stets frisch und zu Marktpreisen,“ sagt Markus Hansen, der Geschäftsführer der vom Bistum Mainz initiierten „Initiative Arbeit“. Was bedeutet: „Auch bei uns kostet das Rumpsteak 14,20 Euro.“ Am Freitag standen noch Pasta mit Garnelen für 8,50 Euro in geschwungener Schrift auf der Kreidetafel, als im Kolpinghaus Tag der Offenen Tür angesagt war. Etliche Besucher waren erschienen, um sich die Räumlichkeiten anzusehen und sich über soziale Aktivitäten wie die von CariJob zu informieren. Der Ableger der Caritas betreibt seit einem Jahr im Kolpinghaus das Wohnheim für junge Leute ohne Job. Sie kommen meist aus schwierigen Verhältnissen. Probleme mit Eltern, Drogen und dem Strafgesetzbuch bilden den Refrain in den meisten Biographien. „Bei Verdacht machen wir einen Drogentest,“ sagt Sozialarbeiterin Greta Gildenstern. Wessen Ergebnis auch beim zweiten Mal positiv ausfällt, „darf hier nicht mehr wohnen.“

Die jungen Leute, sie dürfen nicht älter als 25 Jahre sein, sind in einer von der Arbeitsagentur unterstützten Ausbildung und sollen lernen, sich selbst zu organisieren. Seit Mai letzten Jahres „ist es gelungen, zehn in eigenen Wohnungen unterzubringen,“ sagt Bernd Bleines, Geschäftsführer von CariJob, als er die Gäste begrüßt.

Heinz Heckwolf, Domdekan von Mainz, erzählt vom religiösen Hintergrund der Aktivitäten rund ums katholische Kolpinghaus. Leitend sei die Geschichte des barmherzigen Samariters aus dem Lukas-Evangelium. Später segnet Domdekan Heckwolf noch rituell die Räume im Haus.

„Wir gehen menschlich auf die Jugendlichen ein“

Derzeit sind es vier Azubis, die sich nach drei Jahren Lehrzeit Koch und nach zwei Jahren Ausbildung Fachkraft im Gastgewerbe nennen dürfen. Vorausgesetzt, sie halten durch und bestehen die Abschlussprüfung. „Was nicht selbstverständlich ist,“ wie der Küchenmeister Dirk Höffler berichtet. Denn für die Jugendlichen, die Bestellungen aufnehmen, das Essen bereiten und Weinflaschen dekantieren, ist das keine leichte Aufgabe. Durch bescheidene Hauptschulabschlüsse hatten sie es trotz einer Vielzahl von Bewerbungen nicht geschafft, eine Lehrstelle in einem Betrieb zu bekommen. „Anfangs müssen sie sich erst an bestimmte Sekundärtugenden gewöhnen.“ Zu einer verabredeten Zeit pünktlich zu erscheinen „fällt einigen erst mal schwer,“ spricht Höffler aus Erfahrung.

Ein normaler Betrieb setze einen Lehrling humorlos vor die Türe, wenn er etwa morgens nicht erscheine, weil es abends zum Zwist mit dem Chef kam. „Wir gehen menschlich auf die Jugendlichen ein, behalten den Hintergrund im Auge.“ Andere Betriebe könnten das nicht leisten. Einige der Jugendlichen „blühen nach einer gewissen Zeit richtig auf,“ nimmt Dirk Höffler Entwicklungen wahr. Nämlich dann, „wenn sie merken, wie etwas gelingt.“ Ein Erfolgserlebnis dieser Art ist es etwa, wenn der Gast sichtlich zufrieden mit dem Service ist. Neben dem Restaurant bieten Jugendliche in einem kleinen Verkaufsraum, dem „ina shop“ Lebensmittel an, die teilweise aus eigener Herstellung stammen.

Sinn des Engagements der Initiative Arbeit sei es, „dass später so viele wie möglich eine feste Stelle besetzen.“ Nicht nur deshalb hofft der Verein, von der Arbeitsagentur bald mehr Lehrlinge vermittelt zu bekommen. „Im Moment zahlen wir drauf,“ bilanziert Geschäftsführer Markus Hansen.

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