Weiter Hängepartie an der Siemensstraße

Offenbach - Kaum eine Brachfläche in der Stadt eignet sich besser als Beispiel: Am ehemaligen Tack-Gelände zwischen Siemens- und Daimlerstraße lässt sich ein Richtungsstreit in Sachen Stadtentwicklung festmachen. Von Matthias Dahmer

Die Frage, die zugleich eine Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte ist, lautet: Gewerbe oder Wohnungsbau?.

Beides spielt eine maßgebliche Rolle in den von der Stadt selbst formulierten Schutzschirm-Bedingungen. Danach sollen sowohl Zuwächse bei der Gewerbesteuer als auch beim Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer erheblich dazu beitragen, dass Offenbach einen ausgeglichenen Haushalt hinbekommt.

Während für CDU und IHK an der weiteren Ausweisung von Gewerbegebieten kein Weg vorbeiführt, setzt man im Rathaus – zumindest offiziell – auf die Schaffung von Wohnbauflächen. Insbesondere Oberbürgermeister Horst Schneider gilt angesichts des Wohnungsdrucks in der Region als vehementer Verfechter forcierten Wohnungsbaus.

Eigentlich Bebauungsplan für Wohnungen

Für die 3,4 Hektar Gewerbebrache östlich der Siemensstraße hat das alles zur Folge, dass es derzeit eine Hängepartie um das Areal gibt. Eigentlich gilt dort ein Bebauungsplan für Wohnungen. Pläne der Deutschen Reihenhaus AG, auf etwa 1,9 Hektar 70 Eigenheime zu errichten, waren schon weit gediehen, als im Juli des vergangenen Jahres ein Gutachten zu dem Schluss kam, die von angrenzenden Firmen und in einem Gewerbegebiet zulässigen Emissionen seien künftigen Anwohnern nicht zuzumuten. Konkret geht es um die Müllsortierhalle und den Wertstoffhof des ESO sowie um die vier Lackierereien.

Seitdem ruht die geplante Wohnbebauung. Und die Deutsche Reihenhaus hat erst dieser Tage bekräftigt: So lange es den ESO dort gibt, wird es keine Wohnbebauung geben. Dass der städtische Dienstleister, wie in finanziell besseren Zeiten einmal vorgesehen, aufs alte Allessa-Gelände umzieht, ist indes nicht absehbar.

Kommentarlos abgelehnt

Weshalb sich nicht nur die CDU darüber wundert, dass ihr Antrag, den Bebauungsplan „Wohngebiet östlich der Siemensstraße“ aufzuheben, in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments von der den OB stützenden Koalition kommentarlos abgelehnt wurde. „Ich kann mir nicht erklären, warum die Koalition auf dem Fortbestand des Bebauungplans beharrt“, sagt CDU-Fraktionsvize Roland Walter. Der Plan sei überflüssig, fehlerhaft und stehe der Stadtentwicklung im Weg.

Horst Schneider sieht das anders: Sicherlich sei das eine Fläche, über die man reden müsse. Aber dort setze man schon seit 20 Jahren auf Gewerbe. Für den OB ist der Wohnungsbau angesichts des Siedlungsdrucks nach wie vor eine Option. Er hält dabei auch einen Umzug des ESO nicht für ausgeschlossen. Wenn allerdings ein „Gewerbebetrieb mit 500 Jobs und vier Millionen Gewerbesteuer um die Ecke kommt“, dann könne man umdenken. Letztlich, so Schneider, müsse die Zukunft des Geländes im neuen Masterplan festgelegt werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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