Aufklärung statt Verbote

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Das Internet birgt nicht nur inhaltliche Gefahren, sondern es ist ein weiteres Medium, das die Kinder sitzend bedienen - mit negativen Folgen für die Motorik und den Bewegungsdrang der Schüler.

Offenbach ‐ Videos von prügelnden Jugendlichen, sensible Daten Minderjähriger im Netz - für die Schulen eine Herausforderung: Einfach die Nutzung des Internets zu verbieten, geht nicht; also muss ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Medium vermittelt werden. Von Katharina Platt und Niels Britsch

Die Waldschule Tempelsee veranstaltet Elternabende zum Thema „Gefahren durch Medienkonsum“. Rektorin Hannelore Grebe: „Bisher haben in diesem Zusammenhang vor allem Computerspiele und Fernsehen eine Rolle gespielt, aber das Netz gewinnt immer mehr an Bedeutung.“ Die Leiterin der Grundschule findet, ein „begrenzter Umgang“ mit dem Computer sei für Kinder empfehlenswert, außerdem rate man zur Nutzung von Suchmaschinen wie „Blinde Kuh“.

Gerd Beitler von der Beethovenschule sieht bei diesem Thema die Erziehungsberechtigten in der Pflicht: „Die Schulen können nicht alles reparieren, was die Gesellschaft nicht bewältigt.“

„Eltern müssen Kindern Grenzen setzen.“

Natürlich spreche man auf Elternabenden über die Gefahren der neuen Medien, außerdem gebe man Listen mit sinnvollen und qualitativen Internetadressen weiter. „Aber letztendlich machen die Kinder das, was die Eltern zulassen. Man kann von Grundschülern nicht verlangen, verantwortlich damit umzugehen.“ Es sei wichtig, eine sinnvolle Nutzung zu vermitteln. Das Internet berge nicht nur inhaltliche Gefahren, sondern es sei ein weiteres Medium, das die Kinder sitzend bedienen - mit negativen Folgen für die Motorik und den Bewegungsdrang der Schüler. „Wir können die Eltern nur informieren und aufklären. Wie sie das dann zuhause handhaben, können wir ihnen nicht vorschreiben. Es ist schwierig, die Kinder nachhaltig zu beeinflussen, wenn an anderer Stelle kein bewusster Umgang vermittelt wird.“

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Ähnlich sieht es Bruno Persichilli, Leiter der Ernst-Reuter-Schule: „Die Eltern müssen den Kindern Grenzen setzen.“ Wichtig sei, Interesse gezeigt und nachgefragt, aber nichts verboten werde. „Bereits Grundschüler haben ihren eigenen PC“, so Persichilli. Auf Elternabenden versuchen Experten, für das Thema zu sensibilisieren.

Im Unterricht machen wir auf die Gefahren des Internets aufmerksam und versuchen, einen kritischen Umgang mit diesem Medium zu vermitteln“, sagt Ulrich Schmidt, Leiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Das Thema Datenschutz spiele dabei eine immer größere Rolle, so Schmidt.

Er plädiert für „Aufklärung statt Verbote“: „Es ist Unsinn, das Internet pauschal als gefährlich abzustempeln.“ Für Schüler sei es vor allem schwierig, im Netz verantwortungsvoll mit den eigenen Daten umzugehen. Ein weiteres Problem sei das allzu leichtfertige Abschreiben aus dem Internet.

Auch für Christoph Dombrowski, dem Leiter des Leibniz-Gymnasiums, steht die „systematische Sensibilisierung“ einzelner Schüler für Plagiate im Vordergrund - „das fängt bei den Hausaufgaben an.“ Ein weiteres ernst zu nehmendes Stichwort sei das Thema „Cyber-Mobbing“.

Vortrag über die Gefahren im Netz

Das Rudolf-Koch-Gymnasium hat die Problematik ebenfalls erkannt und widmet sich ihr intensiv mit einem Pilotprojekt, das an die Aktion „PiT – Prävention im Team“ angeschlossen ist.

Lehrerin Ursula Frühauf hält Eltern der siebten Klassen bei Elternabenden einen Vortrag über die Gefahren im Netz. „Cyber-Mobbing ist eine Form von Gewalt und darf nicht unterschätzt werden.“ Frühauf schult Oberstufenschüler, die mit den Siebtklässlern arbeiten und sie über die Gefahren der virtuellen Welt aufklären. Die Pädagogin hat die Erfahrung gemacht, dass viele Schüler leichtfertig ihre Daten im Netz preisgeben. Die Jugendlichen reagieren meist erschrocken, wenn ihnen ausgedruckte Fotos mit dem eigenen Konterfei präsentiert werden, die sie selbst ins Netz gestellt haben. Ursula Frühauf will wach rütteln: „Die Kinder und Jugendlichen sind sich den Gefahren meist nicht bewusst.“

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