„Auflagen auch einhalten“

Massive nächtliche Ruhestörung auf dem Wilhelmsplatz

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Der Wilhelmsplatz ist der schönste Platz Offenbachs – so weit sind sich die Teilnehmer am Runden Tisch einig. Meinungsverschiedenheiten gibt es vor allem in der Frage, wie ein Ausgleich zwischen den Interessen von feierwilligen Gästen der Gastronomie und ruhebedürftigen Anwohnern herzustellen sei. Kritik hagelt es auch an der Parksituation sowie an der Sauberkeit. Politik und Stadtverwaltung wollen sich drum kümmern.

Offenbach - Dr. Dorothea Terpitz macht ihrem Unmut Luft. „Wir haben gar nichts gegen Feste“, schickt die Bewohnerin des Hauses Wilhelmsplatz 2 voraus. Von Markus Terharn 

„Aber nicht bis um 5 Uhr früh!“ Gegröle von Betrunkenen, Hupen und lautstarkes Zuschlagen von Autotüren mitten in der Nacht kämen mindestens einmal im Monat vor. Raser seien ein weiteres Problem. Negativer Höhepunkt für sie und ihren Ehemann Jochen Terpitz: „Im Sommer wurde unser Wagen zu Schrott gefahren. “ Zudem hätten sie Widerspruch gegen die Reinigungssatzung eingelegt – und seit vier Jahren nichts in der Angelegenheit gehört.

Lärm, Verkehr, Schmutz: Drei Umstände, die Anwohnern des nach allgemeiner Meinung schönsten Platzes in Offenbach die Freude am Viertel vergällen. Zur Sprache gelangen sie im Stadtverordneten-Sitzungssaal des Rathauses, in den die Stadt Nachbarn und Gastwirte zum Runden Tisch Wilhelmsplatz eingeladen hat. Bewohner Norbert Herbert legt nach: „Es gibt doch Auflagen für die Genehmigung von Veranstaltungen. Und zwar für die Dauer wie für die Lautstärke. Deren Einhaltung wird aber nicht kontrolliert.“ Was ihn wundert: „Wenn bis Mitternacht Krach gemacht werden darf, warum ist es um 2 Uhr immer noch laut? Und wenn der Schallpegel 60 Dezibel betragen darf, wieso liegt er bei 95 Dezibel?“ Er könne Lärmprotokolle vorlegen, die das bewiesen. Beim Ordnungsamt sei da niemand mehr zu erreichen, und die Polizei komme selten.

Ordnungsdezernent Felix Schwenke weist darauf hin, dass es wesentlich weniger Feste auf dem Platz gebe, als stattfinden dürften; abends namentlich der „Tanz in den Mai“, das „Ausländerfest“ sowie das alljährliche Geburtstagsfest des Restaurants „Morleos“, das 2014 Anlass zu Beschwerden gegeben hat. Mehr noch stören sich Terpitz und Herbert an Junggesellenabschieden mit starken Störgeräuschen. Da Gastronom Giuseppe Morleo nicht anwesend ist, springt Eric Münch vom „Markthaus“ ein: „Wir Wirte leben davon.“ Auch die großen Feste seien nicht geeignet, sich „die Taschen vollzustopfen“, betont Youssef El Machit von „Tafelspitz“ und „Fleischeslust“. Er versichert: „Wir bestehen nicht auf den Veranstaltungen. Wenn wir so viel Stress damit haben, können wir’s lassen.“ Dazu Herbert sarkastisch: „Das Angebot würde ich annehmen...“

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

Angenommen wird der Vorschlag Schwenkes, Klarheit über die Zahl der Genehmigungen zu schaffen und die Einhaltung der Auflagen zumindest teilweise zu kontrollieren. Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) warnt vor übertriebenen Erwartungen: „Es wird nicht leiser werden.“ Dies nennt Herbert „das falsche Signal“. Er behalte sich „vorläufigen Rechtsschutz“ vor, „dann gibt’s erstmal keine Veranstaltung“. Was die Verschmutzung, zumal mit Hundekot, angeht, nimmt Dezernent Schneider einen Vorschlag aus Reihen der Marktbeschicker um Petra Heckelmann auf: Der Stadtbetrieb ESO solle mehrmals im Jahr eine Grundreinigung vornehmen, die erste sogleich als „Frühjahrsputz“. Mit täglicher Reinigung falle der Platz freilich in Kategorie eins. Nichts zu ändern sei daran, dass er nicht mit Kehrmaschinen befahrbar sei.

Aufgegriffen wird die Anregung, das Schild, das aufs Parkverbot an Markttagen ab 6 Uhr hinweist, sichtbarer zu hängen. Abschleppdienste kämen kaum nach, heißt es. Ein Knackpunkt wird nur angeschnitten. Die Parksituation sei „eine Katastrophe“, klagen Wirte und Anwohner einmütig. Schwenke sieht darin einen Fall für die Reihe „OB vor Ort“ und will seinen Parteifreund, Oberbürgermeister Horst Schneider, auf die Sache ansetzen. Eine Frage von Rosen-Apotheker Dr. Hans Rudolf Diefenbach bleibt unbeantwortet: „Was ist eigentlich aus dem geplanten Brunnen geworden?“ Während Schneider auf die Zuständigkeit der Bürgerstiftung verweist, die den Wettbewerb veranstaltet hat, verspricht Schwenke, sich schlau zu machen.

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