Aufpasser und Aufklärer

Offenbach (mcr) - Es gibt Neuigkeiten zum „Kettenreißer“ genannten Phantom, das seit Wochen einer Offenbacher Seniorin nach der anderen das goldene Halsgeschmeide klaut.

Allerdings sind es keine, die auch nur annähernd so beruhigen können, wie es eine Festnahme täte: Weil der Unbekannte aller bisher vermeldeten Ermittlermühen zum Trotz in den Straßen der Stadt weiter agiert, als wären Polizisten und Gefängnisse noch nicht erfunden, verstärken die Offenbacher Ordnungsmächte ihre Präsenz.

Mitarbeiter des Offenbacher Ordnungsamtes und die Kontaktbeamten des 2. Polizeireviers sollen sich ab sofort häufiger als üblich in der Öffentlichkeit zeigen, „Aufklärungsgespräche führen sowie mit Hilfe eines neu entwickelten Info-Flyers Vorbeugungstipps geben“. So heißt es im „Programm zur Bekämpfung des Straßenraubs“, das die Stadt und das Polizeipräsidium Südosthessen im gemeinsamen Präventionsrat beschlossen haben.

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Mit Blick aufs aktuell arg ramponierte „subjektive Sicherheitsgefühl“ der Offenbacher sind die umgeworfenen Dienstpläne der Uniformierten allemal gerechtfertigt. Und statistisch wohl auch. Zwar seien die Fallzahlen in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen, wie Polizeipräsident Roland Ullmann betont - 32 mal Handtaschenraub im Jahr 2006, 24 mal im vergangenen Jahr; dazu „sonstige Raubüberfälle im öffentlichen Raum“ im Jahr 2006 und 81 in 2010). Doch „eine tendenzielle Zunahme dieser Kriminalitätsform in den letzten Wochen und Monaten“ wird den Abwärtstrend wohl umkehren.

Viele Kinder und Jugendliche unter den Tätern

Vom noch frei herumlaufenden „Kettenreißer“ sind bisher neun teils äußerst rücksichtslose Überfälle öffentlich bekannt geworden; ein weiteres halbes Dutzend Raubtaten hatten die Ermittler vor einigen Wochen aufgeklärt. Da hatte ein letztlich doch recht zerknirschter Zwölfjähriger gestanden, im Lauterborn bei einem 18-Jährigen quasi als Handtaschenräuber in die Lehre gegangen zu sein.

Die Fähigkeit zur Reue scheint allerdings nicht weit verbreitet in den entsprechenden Offenbacher Kreisen. Nochmal Statistik: Eine neue „Feinanalyse“ der Kripo hat ergeben, dass Kinder, Jugendliche und Heranwachsende mit einem durchschnittlichen Anteil von 70,8 Prozent an den ermittelten Tatverdächtigen überproportional vertreten sind.

Bedeutet? Erstmal nichts, außer dass, wie Polizeichef Ullmann in der Ankündigung der Abschreckungs- und Präventionsanalyse wiederholt, „wir mit Hochdruck fahnden und alle Register ziehen, um die Täter so schnell wie möglich dingfest zu machen“.

Älteren Goldkettenträgerinnen scheint bis dahin nichts anderes übrig zu bleiben, als zum Selbstschutz die Verhaltenstipps der Polizei zu beherzigen. Einer davon lautet: Mit Schmuck lieber nicht schmücken. Lieber unter der Bluse tragen. Oder gleich zu Hause lassen.

Rubriklistenbild: © dpa

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