Aufregung nach dem Ortstermin

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Am Stand von Christof Rühr wird’s eng: Erst die Kartoffeln, dann Ablage, Hänger und Bank. Zwischen nicht nutzbarer Sitzgelegenheit und parkendem Auto eingekeilt: die Fahrradbügel. Die Verwaltung diskutiert nun über eine Entflechtung am Wilhelmsplatz.

Offenbach - Wieder mal der Wilhelmsplatz, wieder mal Empörung. Dabei ist noch gar nichts passiert. Nachdem Behördenvertreter aber am Freitag einen Ortstermin auf Offenbachs zentralem Platz hatten, greift eine gewisse Aufgeregtheit um sich. Von Martin Kuhn

Schon am Montag richtet die CDU-Fraktion eine Anfrage an den Magistrat. Ein beachtliches Tempo. Was sicher auch dem näher rückenden Oberbürgermeisterwahl (4. September) geschuldet ist.

Gestern, Viertel nach Acht, schimpfen die ersten Händler: „Die Bänke um einen halben Meter versetzen – das ist doch Blödsinn.“ Ein Kunde pflichtet bei: „Da fragt man nach der Sinnhaftigkeit...“ Offenbar weiß es schon jeder: Es sei geplant, die Sitzbänke um 50 Zentimeter zur Platzmitte zu versetzen. Die CDU zeigt sich überrascht, da der Wilhelmsplatz „erst vor wenigen Wochen vom Oberbürgermeister als offiziell fertig gestellt der Öffentlichkeit übergeben wurde“. Jetzt will die Unions-Fraktion mit ihrem Vorsitzenden Peter Freier beispielsweise wissen: Warum wurden die Bänke nicht von Anfang an entsprechend installiert? Liegt ein Planungsfehler vor?

Die letzte Frage verdeutlicht: Alles, was mit dem Wilhelmsplatz zu tun hat und in die Verantwortung von Horst Schneider fällt, wird mit Argusaugen beobachtet. Dabei will die Verwaltung einen Missstand beheben, ohne sofort mannigfache Proteste zu ernten. Gerade Radler klagen immer wieder, dass sie ihre Velos nicht abstellen können, obwohl es gut 200 Fahrradbügel gibt – die Plätze sind zugeparkt und zugestellt. Das Dilemma: Es gibt auf dem und rund um den „Willi“ von allem zu wenig: Parkplätze, Radbügel, Sitzgelegenheiten, Standflächen.

Die Verwaltung sucht nun nach einem Kompromiss, der keinem besonders weh tut. Klar ist: Viele Autofahrer halten sich schlicht nicht an die Regeln. Mit zusätzlichen Markierungen wurde nachgebessert – offenbar ohne Erfolg. Entsendet die Stadt verstärkt den Knöllchen-Dienst, ist Ärger programmiert. Stadtplaner Joachim Bier-Kruse missfallen mögliche Alternativen: „Mehr Poller, mehr Einbauten – das wollen wir vermeiden.“ Angestrebt ist eine bessere „Zuwegung“ zu den Fahrradbügeln. Daher ist für Bier-Kruse entscheidend: „Wie könnte ein Kompromiss aussehen?“

Die nun angedachte Versetzung der Bänke sei lediglich ein zu Papier gebrachter Vorschlag. In der Sache sei nichts entschieden und erst recht nichts beauftragt. Einige Beschicker haben da andere Befürchtungen: „Wenn ich das höre... Wäre ich bloß zwei Wochen länger im Urlaub geblieben.“ Unterstützung signalisieren die Freien Wähler: „Man bekommt den Eindruck, dass der Wochenmarkt zwar wegen seines Flairs gepriesen wird, gleichzeitig aber alles getan wird, um die Beschicker zu vergraulen“, so Fraktionschef Dieter Jahn. Er unterbreitet eine eigene Lösung: „Nicht die Bänke versetzen, sondern die Fahrradständer schräg zur Straße installieren.“

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