Bauer heiß begehrt

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Fahrradbasar im IHK-Parkhaus: Wo sonst Autos stehen, wurden gebrauchte Drahtesel begutachtet und gekauft.

Offenbach - Viktoria ist glücklich. Mit breitem Lächeln schiebt die Neunjährige ein blau-gelbes Fahrrad durch das IHK-Parkhaus. „Das hat mir gleich gefallen“, sagt sie und betrachtet das metallisch-glänzende Gefährt. Von Veronika Szeherova

Gegen so viel Liebe auf den ersten Blick können auch ihre Eltern Tatjana und Eduard Wrona nichts ausrichten. Wollen sie auch nicht: „Wir sind hergekommen, um ein neues Kinderfahrrad zu kaufen, für ihr altes ist sie schon zu groß. Schön, dass es hier so schnell geklappt hat – genau so etwas haben wir gesucht. “.

Der Fahrradbasar des Lions Clubs Offenbach Rhein-Main im IHK-Parkhaus war am Sonntag Anziehungspunkt für Radfahrer und solche, die es werden wollten. Die vierte Auflage des Basars brach alle Rekorde. „Etwa 400 Fahrräder sind es diesmal, ein unglaubliche Menge“, freut sich Initiator und Organisator Dr. Stefan Rinke. Beim ersten Mal seien es noch 240 Drahtesel gewesen. „In vier Jahren das Angebot fast verdoppelt, das ist toll.“ Das spreche auch für die Qualität der Veranstaltung, die sich mittlerweile fest etabliert habe. „Viele Käufer und Verkäufer fiebern dem Basar schon lange vorher entgegen“, so Rinke.

Die anfängliche Befürchtung, Fahrradhändler könnten verärgert reagieren und den Basar als Konkurrenz sehen, habe sich nicht bewahrheitet. Manche Händler würden ihre Kunden, die vor einem Neukauf zögern, weil sie noch Fahrräder zuhause haben, regelrecht dahin schicken. „Wer sein altes Fahrrad gegen Geld los wird, ist eher bereit, sich ein neues zu kaufen – beide Seiten haben also einen Nutzen“, erläutert Rinke. Zudem habe er sich bei den Händlern vorgestellt und Aufklärungsarbeit betrieben.

Verkaufsquote liegt 90 Prozent

Ob Rennräder, Mountainbikes, Kinderfahrräder oder Ungewöhnliches wie Einräder oder Treträder – es gibt fast nichts, was es nicht gibt. In jedem Alter und in jeder Preiskategorie. In diesem Jahr hat der Organisator einen Trend festgestellt: „Das Retro-Bike lebt.“ Gerade die alten Fahrräder der Klein-Auheimer Marken Bauer und Kolbe, die nicht mehr hergestellt werden, seien heiß begehrt. „Sie haben nicht einmal eine Gangschaltung, gingen aber für rund 80 Euro ganz schnell weg“, beobachtete Rinke.

Die Verkäufer bestimmen ihre Preise selbst, hängen entsprechende Zettel ans Verkaufsrad. Verhandelt wird also nicht. Wird das Fahrrad verkauft, kommen zum Abschluss die Verkäufer zurück, um sich an der Kasse auszahlen zu lassen. Eine lange Schlange bildet sich am Nachmittag von der Ludwigstraße bis zur Einfahrt des Parkhauses.

Die Verkaufsquote liegt laut Rinke bei 90 Prozent. Der Lions Club erhält dabei zehn Prozent des Verkaufserlöses, der jedes Jahr einem anderen Projekt zugute kommt. Diesmal geht die Provision an „Frauen helfen Frauen“, den Trägerverein des Offenbacher Frauenhauses. „Etwa 4 000 Euro sind zusammengekommen“, sagt Lions-Schatzmeister Werner Stuchlik, „die endgültige Abrechnung steht aber noch aus.“ Der „Power-Tag“, wie der Organisator das Angebot bezeichnet, hat sich also gelohnt.

Auch für Isabella Mayer, die ursprünglich nur wegen Fahrradtaschen gekommen ist. „Die gibt es hier gar nicht, aber dann habe ich dieses Laufrad entdeckt“, sagt die Offenbacherin. „Da ich Hüftprobleme habe, habe ich schon vorher mit dem Gedanken gespielt, mir ein solches Rad zuzulegen.“ Gefahren ist sie damit aber noch nie. Eine Probefahrt soll bei der Entscheidung helfen. Als sie mit dem gelben Gefährt zurückkehrt, strahlt sie übers ganze Gesicht: „Das ist ja richtig schnell, fühlt sich toll an!“

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