Al-Wazirs Offensive gegen Dauerstau lässt Region außen vor

Vorläufiges Ende eines Traums: Ausbau der A3 liegt auf Eis

+

Offenbach/Wiesbaden - Zu früh gefreut: Der Ende vergangenen Jahres vielbeklatschte Ausbau der A3 zwischen Offenbacher Kreuz und der Anschlusstelle Hanau kommt auf absehbare Zeit nicht. Erst sind die Autobahnkreuze im Rhein-Main-Gebiet dran. Von Michael Eschenauer

Wie der Sprecher des Hessischen Verkehrsministeriums, Wolfgang Harms, gestern klarstellte, gehört das in der Region glühend herbeigesehnte Verkehrsprojekt zwar weiterhin zu den Infrastrukturmaßnahmen mit „vordringlichem Bedarf“ – ein Status, den der A3-Ausbau Ende vergangenen Jahres erlangte. Aber das Projekt zählt nicht zu jenen 55 von insgesamt 92 Vorhaben des Bundesverkehrswegeplans für Hessen, die Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vorrangig, das heißt bis zum Jahre 2021 angehen will. Eine zeitliche Festlegung für die A3 wollte Sprecher Harms gestern nicht treffen: „Der Bund gibt Geld, wenn ein Projekt baureif ist. Das heißt, wenn es keine Klagen mehr gegen den Planfeststellungsbeschluss gibt. Dies ist bei der A3 schwer zeitlich abschätzbar.“ Damit scheint ein Baubeginn innerhalb der nächsten acht bis zehn Jahre nur schwer vorstellbar.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:

Projekt zählt nicht zu Prioritäten

Der fragliche Abschnitt der A3 zählt bundesweit zu den höchstbelasteten. Zwischen dem Offenbacher Kreuz und der Anschlussstelle Obertshausen wurden schon 2015 in beide Richtungen im Schnitt 152.000 Autos täglich gezählt, im Abschnitt Obertshausen – Anschlussstelle Hanau waren es 134 000. Angesichts der begrenzten Planungskapazitäten des Landes habe die Landesregierung entschieden, diese Kapazitäten auf die wichtigsten und am weitesten fortgeschrittenen Projekte zu konzentrieren, um dafür Baurecht zu erlangen und damit eine möglichst schnelle Realisierung zu ermöglichen. Diesem Zweck diene die Priorisierung. Der Ausbau der A3 zwischen dem Offenbacher Kreuz und der Anschlussstelle Hanau stehe nicht auf der Liste der mit Priorität behandelten Projekte, weil es wenig sinnvoll sei, einzelne Abschnitte auszubauen, wenn nicht zuvor die Knotenpunkte, zwischen denen sie liegen, leistungsfähiger gemacht werden. Die Priorität liege deshalb auf dem Ausbau der Autobahnkreuze, darunter sei aber auch das Offenbacher Kreuz, so Harms. Die Kosten eines Ausbaus des zehn Kilometer langen fraglichen Teilstücks liegen bei 200 Millionen Euro. Seine Höherstufung hatte der Verkehrsausschuss des Bundestags vor wenigen Monaten erst in letzter Minute bei der Bundesregierung durchsetzen können.

Deutsche Autobahn: Rekorde und Mythen

Die gesamte Region habe den Ausbau herbeigesehnt – „nun tritt ein grüner Offenbacher voll auf die Bremse“, schäumte gestern der neue Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag und Seligenstädter Landtagsabgeordnete René Rock (FDP). Al-Wazir lasse „die Region weiter im Stau stehen und verhindert einen besseren Lärmschutz“. Viele lärmgeplagte Bürger, so Rock, hätten gehofft, im Rahmen des A3-Ausbaus von den neuen Lärmschutzrichtlinien profitieren zu können.

Die Lösung für das „auf Eis“ gelegte A3-Projekt, so der FDP-Politiker, liege in der Aufstockung der Planungsmittel. Um die im Bundesverkehrswegeplan veranschlagten 92 Projekte vollständig abwickeln zu können, seien rund 90 Millionen Euro pro Jahr notwendig. Die finanzielle Lage des Landes lasse eine derartige Mehrausgabe „problemlos zu“. Im vergangenen Jahr habe das Bundesland Hessen 1,6 Milliarden Euro mehr eingenommen als geplant. Von den 2000 neu geschaffenen Stellen in der Landesverwaltung seien ganze zehn an die Straßenbauplanung gegangen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare