Bei Ina bleibt die Küche künftig kalt

Ausbildung und Qualifizierung mit Praxisbezug – für viele traumhaft. Im Restaurant des Kolpinghauses ist’s vorbei. Rote Zahlen sorgen für das Aus.

Offenbach - Am Ende fließen dicke Tränen – vor allem bei den Jugendlichen. Es ist aber auch zum Heulen: Ein von Mandatsträger und Förderer als vorbildlich angesehenes Projekt schließt. Von Martin Kuhn

Gestern verkündet die Initiative Arbeit im Bistum Mainz, zu der in Offenbach auch das Gelbe Haus gehört, das Aus für das „Ausbildungsrestaurant Ina“ im Kolpinghaus. Nach den Betriebsferien öffnet es nicht wieder. Schwacher Trost: Das Projekt wird an anderer Stelle fortgesetzt. Die als Verein eingetragene Initiative übernimmt die Kantine der Schillerschule.

„Es ist sehr schade“, urteilt Geschäftsführer Markus Hansen, der von „harten Zeiten“ für die Jugendlichen spricht. Dass der bistumsnahe Verein mit Ina nicht nur auf eine soziale Komponente baut, sondern auch gut ausbildet, belegt die Freisprechungsfeier des lokalen Hotel- und Gaststättenverbands: Er zeichnet als beste Restaurantfachkraft im Juni eine Ina-Auszubildende aus. So etwas spricht sich herum. Hansen: „Viele fragen bei uns nach freien Ausbildungsplätzen.“

Den meisten muss er absagen. Das liegt an den Vorgaben und der Kooperation mit der Offenbacher Mainarbeit: Qualifizierung und Ausbildung sind in dem Fall benachteiligten und arbeitslosen Jugendlichen vorbehalten. Ina kämpfte von Anfang an (September 2009) mit der Finanzierung. „Letztlich ließen sich die gesetzlichen Förderbestimmungen, die Förderbedarfe der Jugendlichen sowie die personellen und strukturellen Anforderungen an den Betrieb eines öffentlichen Restaurants finanziell nicht unter einen Hut bringen“, schildert Hansen. Weder der Verein noch das Bistum konnten die roten Zahlen weiter auffangen.

Fortsetzung des Projekts an anderer Stelle ist gesichert

Bitter: Der zum Start aufgestellte Geschäftsplan kalkulierte mit zwölf Auszubildenden. „Die Zahl haben wir leider nie erreicht.“ Heißt: Es fehlten nicht allein die Azubis in der Küche und im Service, sondern auch die jeweiligen Zuschüsse in der Kasse. „Mit mehr Umsatz war das nicht auszugleichen“, so Hansen; gleichwohl spricht er vom guten Zuspruch der Gäste an der Luisenstraße.

Aber wie geht’s weiter? Für Erleichterung sorgt die Nachricht, dass seit gestern die Fortsetzung des Ausbildungsprojekts an anderer Stelle gesichert ist. Der Verein übernimmt nach den Sommerferien die Mittagessenverpflegung der Schillerschule. Thomas Findeisen, Leiter der Schillerschule, und Thomas Löhr vom Stadtschulamt sind zufrieden: „Mit der Initiative Arbeit haben wir einen bewährten und erfahrenen Kooperationspartner, der mit den Schülern aus der 9. und 10. Jahrgangsstufe die Fortsetzung des bewährten Schillermenus garantiert.“ Heißt: Küchen- und Betriebsleiter Dirk Höffler kocht an zwei Tagen mit den Schillerschülern, an drei Tagen mit den Ina-Auszubildenden; so ist jeden Tag ein frisch gekochtes Mittagessen garantiert.

Markus Hansen: „Unterm Strich haben wir gemessen an der Situation das Beste für die Jugendlichen und die Fortsetzung der Ausbildung dieser Zielgruppe erreicht.“ Gutscheine des Restaurants Ina können im Gelben Haus (Marienstraße 36) ausgezahlt, beziehungsweise bei einer Cateringbestellung am neuen Projektstandort nach den Sommerferien eingelöst werden. Dieser Service bleibt unabhängig vom eingestellten Restaurant bestehen.

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