Ausbildungsmarkt robust

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Die Zahl der Lehrstellenbewerber sinkt in Deutschland, Hessen und auch in Offenbach.

Offenbach - Die Finanz- und Wirtschaftskrise trifft auch den Ausbildungsmarkt in Stadt und Kreis Offenbach. „Und dennoch hatte dies keine gravierenden Auswirkungen auf die Versorgungslage der Jugendlichen“, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach, Alfred Clouth. Von Marc Kuhn

Er zeigte sich zuversichtlich, „dass wir gemeinsam in diesem Jahr alle interessierten Schulabgänger versorgen können“. Bei einer so genannten Lehrstellenbörse seien in der vergangenen Woche 75 Teilnehmern noch mehr als 100 offene Stellen aus dem IHK-Bezirk angeboten worden. Geplant sei eine zweite Nachvermittlungsbörse, damit nichts unversucht bleibe, um die Angebote zu vermitteln.

Nächstes Jahr wird Mangel an Bewerbern erwartet

In diesem Ausbildungsjahr seien 1379 Lehrverträge abgeschlossen worden, erklärte Friedrich Rixecker, bei der IHK zuständig für Aus- und Weiterbildung. Die Zahl sei im Vergleich zu 2008 um etwa 19 Prozent gesunken, damals hätten 1738 Jugendliche einen Lehrvertrag unterschrieben. Ein Grund für diese Entwicklung sei, dass ein Teil der jungen Leute weiterführende Schulen anstrebe, berichtete Clouth. Ein Trend, den auch die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach, Beatrix Schnitzius, und Helmut Geyer, Geschäftsführer der Handwerkerschaft in Stadt und Kreis, beobachten. Allerdings sinkt auch die Zahl der Schulabgänger. Clouth geht davon aus, dass im nächsten Jahr im Rhein-Main-Gebiet in erheblichen Maße Bewerber für Lehrstellen fehlen.

140 Jugendliche am Ende des Ausbildungsjahres unversorgt

Die Situation am Ausbildungsmarkt hat sich angespannt“, erläuterte Schnitzius. Bei der Agentur für Arbeit, deren Bezirk sich nicht mit dem der IHK deckt, seien in diesem Jahr 1752 Bewerber registriert worden. Die Zahl sei um 5,5 Prozent gesunken. 140 Jugendliche seien am Ende des Ausbildungsjahres unversorgt geblieben, gegenüber dem Vorjahr sei dies ein Plus von 20,7 Prozent. Die mit der Krise einhergehende Verunsicherung bei den Unternehmen habe dazu geführt, dass der Agentur für Arbeit 26,5 Prozent weniger Lehrstellen gemeldet worden seien, berichtete Schnitzius. „Das waren 1095 Ausbildungsstellen gegenüber 1489 im Vorjahr.“ 34 Lehrstellen seien unbesetzt geblieben, acht mehr als im Vorjahr.

Zurzeit etwa 200 offene Lehrstellen

Geyer sagte, die Situation im Handwerk werde sich verschlechtern. In Stadt und Kreis Offenbach gebe es zurzeit etwa 200 offene Lehrstellen. Zudem würden 133 Praktikumsplätze angeboten. Dabei handele es sich um Einstiegsqualifikationen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in einen Ausbildungsplatz münden. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft geht davon aus, dass die offenen Stellen nicht mehr besetzt werden können, da nicht genügend qualifizierte Bewerber zur Verfügung stehen. Geyer sieht Mängel bei der fachlichen, persönlichen und sozialen Kompetenz der Jugendlichen.

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