Ausbildungsmesse „gOFfit“

Orientierung für Jugendliche

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77 Aussteller nehmen an der Ausbildungsmesse teil. An den Ständen können sich Jugendliche über Berufe informieren.

Offenbach - Nicht nur Firmen in Stadt und Kreis Offenbach können ihre Lehrstellen teils nicht mehr besetzen. Es mangelt immer wieder an jugendlichen Bewerbern. Ihnen soll die Ausbildungsmesse „gOFfit“ eine Orientierung geben. Von Marc Kuhn 

Carmen Prevete und Vahid Musterfic sind zufrieden. Die 16-jährigen Schüler haben sich gestern bei der Ausbildungsmesse „gOFfit“ in der Offenbacher Stadthalle erfolgreich über ihren Traumberuf informiert. Musterfic hat seine Fragen am Stand der Bundeswehr gestellt. Prevete möchte gern Automobilkauffrau werden. Mit unzähligen anderen Schülern waren die beiden gestern an den Ständen von Firmen unterwegs. Biotest aus Dreieich, der Maschinenbauer Karl Mayer aus Obertshausen und die Energieversorgung Offenbach werben ebenso um Auszubildende wie beispielsweise die Maler- und Lackiererinnung, die hessische Finanzverwaltung, Penny sowie die Bundespolizei. Ein Rahmenprogramm mit Workshops und Vorträgen wird ebenso angeboten wie Bewerbungstrainings. Zum zweiten Mal wird die Ausbildungsmesse von der Industrie- und Handelskammer Offenbach (IHK), der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und der Agentur für Arbeit Offenbach in der Stadthalle veranstaltet. Heute ist „gOFfit“ von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Am Samstag könnten Eltern ihre Kinder zu der Messe begleiten, erklärte Ulrike Kelepouris, Teamleiterin der Berufsberatung der Arbeitsagentur. Die Veranstalter hoffen, dass insgesamt bis zu 3 000 Besucher kommen, wie Friedrich Rixecker, bei der IHK für Aus- und Weiterbildung zuständig, sagte.

„Die Messe hat sich erfolgreich etabliert“, erklärte Landrat Oliver Quilling. Er betonte, dass Jugendlichen zahlreiche Lehrstellen angeboten würden. Folglich liegt die Jugendarbeitslosigkeit im Kreis nach seinen Worten nur bei 3,4 Prozent. Insgesamt gebe es 77 Aussteller auf der Messe, erläuterte IHK-Vizepräsident Hans-Joachim Giegerich. Sie würden über etwa 100 Ausbildungsberufe und rund 30 duale Studiengänge informieren. Die Messe sei auch dafür gedacht, „um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, auch mit denen, deren Bewerbungsunterlagen allein vielleicht nicht überzeugt hätten“.

„Recht positive Entwicklung“

Schulen sind für die Zahl der Termine ausgezeichnet worden, die Jugendliche an Ständen vereinbart haben, übergeben von Friedrich Rixecker von der IHK: Gudrun Bayer von der Theodor-Heuss-Schule, Veronika Schneider von der Bachschule und Isabel Heckert von der Bethmannschule (von links nach rechts).

Von einer „recht positiven Entwicklung“ bei den gemeldeten Ausbildungsplätzen in Stadt und Kreis berichtete der Chef der Offenbacher Arbeitsagentur, Thomas Iser. Im April hätten Firmen 1 750 Lehrstellen gemeldet, 200 mehr als im vergangenen Jahr. Um sie würden sich rund 2500 Bewerber bemühen. Giegerich betonte, dass Lehrstellen für das nächste Jahr, aber auch noch für 2014 angeboten würden.

Die Messe wendet sich an Jugendliche, die bald die Schule verlassen werden. In den Schulen seien die jungen Leute auf die Veranstaltung vorbereitet worden, sagte Giegerich. Iser betonte, dass die Arbeitsagentur mit ihrer Berufsberatung in den Schulen präsent sei. Die Lehrer würden sich hervorragend engagieren, sagte Bernd Sieber, Chef der beruflichen Bildung bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Insgesamt hätten die Jugendlichen etwa 400 Termine an den Ständen der Firmen vereinbart, erklärte Giegerich. Ein Preis ist für die Schulen ausgeschrieben worden, die die meisten Termine vorweisen können. Auf Platz eins kam die Theodor-Heuss-Schule aus Offenbach mit 122 Terminen gefolgt von der Bachschule mit 99 und der Frankfurter Bethmannschule mit 82 Terminen. Ohnehin ist die Messe durch Werbung über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden, sagte Rixecker.

Chance zu einer beruflichen Orientierung

Iser appelliert an die jungen Leute, die Chance zu einer beruflichen Orientierung zu nutzen. Zur Messe kämen Jugendliche, die noch nicht wüssten, welchen Job sie ergreifen wollten. Es gebe aber auch viele, die sich auf einen Beruf konzentrierten. So gebe es in der Region 100 Bewerber für den Job eines Mechatronikers, aber nur 30 Stellen. 150 junge Frauen wollten gerne medizinische Fachkraft werden. Aber lediglich 50 Ausbildungsstellen würden angeboten. Iser sagte, die Jugendlichen sollten auch über Alternativen zu ihren Vorstellungen nachdenken. „Hier setzt ,gOFfi’ an.“ Es gebe in Deutschland insgesamt etwa 340 Berufsbilder. Rund 40 Prozent der Jugendlichen würden sich aber auf zehn Berufe konzentrieren.

„Wir sind hier, um den jungen Leuten Mut zu machen“, sagte Sieber von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Bundesweit gebe es zurzeit zwar mehr Studenten als Auszubildende. Sieber verwies aber auf die demografische Entwicklung. „Es wird so sein, dass sich die Betriebe um die jungen Leute reißen“, prognostizierte er. Mit einer dualen Ausbildung hätten sie „alle Chancen der Welt“. Die Bereitschaft der Arbeitgeber sei groß, auch Haupt- und Realschüler anzustellen.

Top Ten der unbeliebten Berufe

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Sehr zufrieden mit der Messe zeigte sich Uwe Czupalla, Geschäftsstellenleiter der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main in Offenbach. Das Interesse der Jugendlichen sei größer als im vergangenen Jahr. In Stadt und Kreis seien bis Ende März schon 85 neue Lehrverträge unterschrieben worden, über 30 Prozent mehr als 2013. Für den Rest des Jahres rechnet Czupalla mit rund 800 Verträgen, dies wäre fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. Kritisch äußerte sich Axel Steinbeiss, Ausbildungsleiter von Karl Mayer, zu der Messe. Es kämen wenige interessierte Jugendliche an den Stand. Zudem seien sie in den Schulen nicht ausreichend vorbereitet worden. „Das bemängeln wir schon seit Jahren“, sagte Steinbeiss.

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