7. Ausbildungsmesse Vocatium in Offenbach

Buhlen um Nachwuchs

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Offenbach Schnell noch den Hemdkragen zurecht gezupft und mit einem Taschentuch den schwarzen Lederschuh gesäubert – schließlich wollen alle einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Von Sabrina Kristen

Bei der Ausbildungsmesse Vocatium in Offenbach haben Jugendliche derzeit die Gelegenheit, Kontakte zu Firmen zu knüpfen, nicht nur aus der Region.

Bei der 7. Messe Vocatium Rhein-Main, die bereits zum vierten Mal zu Gast in der Lederstadt ist, dreht sich alles rund um die Themen Ausbildung und Studium. Die Schüler treffen dabei in der Messe Offenbach auf ihren möglicherweise künftigen Arbeitgeber, im Gegenzug buhlen die Aussteller um die Jugendlichen – sei es mit Expertengesprächen, kleinen Geschenken und viel Süßem.

Vertreten seien 98 Aussteller, vor allem Unternehmen, aber auch Hochschulen, Verbände, Kammern und die Bundeswehr, erläutert Claudia Merk, Projektleiterin beim Institut für Talententwicklung, das die Messe veranstaltet. Etwa 4 000 Jugendliche von 80 Schulen aus dem Rhein-Main-Gebiet informieren sich über ihre berufliche Möglichkeiten. Das Besondere an Vocatium ist, dass die Schüler im Vorfeld Gesprächstermine mit bis zu vier verschiedenen Unternehmen vereinbaren können.

Bereits zwei Wochen vor der Messe haben Schüler dann die Gelegenheit sich umfassend auf die Firmen vorzubereiten und sich Fragen zu überlegen. „Ich bin noch unentschlossen, ob ich nach dem Abitur eine Ausbildung oder doch lieber ein Studium beginnen soll. Da sind diese Gespräche eine tolle Gelegenheit zur Orientierung“, sagt die 17-jährige Maja aus Büdingen.

Anziehungspunkt für Jugendliche

Ob Schüler aus dem Wetteraukreis, Wiesbaden oder Darmstadt – die überregionale Messe in der Lederstadt ist Anziehungspunkt für Jugendliche. Heute besuchen vor allem Offenbacher Schüler das Messegelände, wie die gesamte neunte Jahrgangsstufe der Schillerschule. „Gerade für uns als Integrierte Gesamtschule ist Vocatium eine tolle Sache. Denn in unserem Fall haben nur wenige Eltern das Interesse und die Kompetenz ihren Kindern bei der Wahl eines geeigneten Berufes weiterzuhelfen“, sagt Karin Marré-Harrak, Schulleiterin der Offenbacher Schillerschule.

Von einer Lehre zur Hotelfachfrau über ein Medizinstudium bei der Bundeswehr, bis hin zu einer Ausbildung zum Mechatroniker – die Aufgabenfelder der verschiedenen Aussteller sind breit gefächert. „Wir wollen jungen Frauen zeigen, dass die früheren Blaumannberufe keineswegs mit Dreck und schwerer, körperlicher Arbeit verbunden sind, sondern auch eine große Karrieremöglichkeit für Schülerinnen sein können“, so Hans-Joachim Jungbluth, Geschäftsführer von Hessenmetall Bezirksgruppe Offenbach und Osthessen.

Das Besondere an Vocatium ist laut Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Offenbacher Arbeitsagentur, die überregionale Ausrichtung. „Außerdem können die Jugendlichen sich hier mit fast Gleichaltrigen unterhalten, die den Beruf bereits ausüben – das ist doch etwas ganz anderes als ein Monolog vom Berufsberater“, erklärt Iser.

Ausbildungsmesse in Dreieich (2013)

Dreieicher Ausbildungsmesse 2013 an der Weibelfeldschule

Für die Neuntklässler der Schillerschule stellt die Ausbildungsmesse einen weiteren wichtigen Schritt dar: „Die Jugendlichen hatten noch nie ein derartiges Gespräch. Im Unterricht zwar schon einmal geübt, aber nun kommt der Echtfall“, sagt die Leiterin der Offenbacher Gesamtschule.

Es sei zwar nicht so, dass den Jugendlichen direkt ein Arbeitsplatz auf dem Silbertablett angeboten würde, jedoch gäbe es viele neue Perspektiven, erklärt Projektleiterin Merk. Auch für eine geeignete Bewerbung und mögliche Einstellungstests erhalten die Besucher wertvolle Tipps. „Ich erinnere mich jedoch an einen Fall, da war die Begeisterung beim Aussteller so groß, dass ein Schüler direkt einen Job angeboten bekommen hat, und nur noch seine Unterlagen einreichen soll.“

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