Ausgetrockneter Teich sorgt für Zündstoff

Bavaria-Gelände: Krach um Entendreck

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Seit Wochen ist Wasser im Bavaria-Teich Mangelware. Die Mitglieder um Paul Regenfuß hoffen auf Hilfe der Stadt, im Rathaus sieht man jedoch keine Möglichkeit zur schnellen Abhilfe - auch wenn grundsätzlich ein Interesse an öffentlichen Gewässern bestehe.

Bieber - Dort, wo sonst ein Teich zu finden ist, dominiert derzeit dürrer Boden. Weil es seit Wochen nicht mehr geregnet hat, sitzen die wenigen verbliebenen Enten der Bavaria-Züchter auf dem Trockenen. Von Jenny Bieniek 

Der Verein hofft auf schnelle Wiederbefüllung durch die Stadt, die aber moniert einen ohnehin miserablen Zustand des Gewässers und will vorerst abwarten. Mit jedem Lüftchen weht ein unangenehmer, abgestandener Geruch übers Kleintierzuchtgelände der Bavaria. Der seit Wochen ausgetrocknete Teich bietet keinen schönen Anblick, getrockneter Schlamm, hier und da Flecken von Morast. Züchter Paul Regenfuß ist sauer: „Es stinkt unglaublich nach toten Fischen, das ist auch für Gaststätten-Besucher nicht schön. Aber für die Wiederbefüllung fühlt sich bei der Stadt niemand zuständig.“

Regenfuß ist seit 12 Jahren Mitglied bei den Züchtern an der Waldhofstraße 900. Dass der Pegel des Teichs sinkt, ist an sich nicht außergewöhnlich. Seit der natürliche Zufluss des etwa 1000 Quadratmeter großen Teichs vor Jahrzehnten bebauungsbedingt zugeschüttet wurde, speist sich dieser ausschließlich durch Regen. In den vergangenen Jahren habe es immer mal wieder Engpässe gegeben. „Aber in diesem Jahr ist es extrem. So schlimm war’s noch nie“, sagt Regenfuß. Neben einigen verendeten Fischen hat das auch Auswirkungen auf das Wassergeflügel. Früher haben hier sechs der aktuell 50 aktiven Mitglieder Enten gezüchtet, inzwischen ist es nur noch einer. Die Entenplätze rund um den Teich sind verwaist.

Statt ausgiebig im Teich zu baden, müssen die Enten von Züchter Severin Schächer derzeit mit kleinen Behelfswannen vorlieb nehmen. Die Stadt will über die Probleme Anfang September beraten.

Severin Schächer versorgt seine vier Stockenten und die kleinere Rotschulterente seit Wochen in einer Voliere, wo er ihnen zwei kleine Wannen hingestellt hat. „Das ist eigentlich nicht artgerecht. Enten sollten untertauchen können.“ Die größeren Tiere hat er deshalb in seinen Privatgarten gebracht, wo ein Teich mehr Platz bietet. Weil die Stadt vor Jahren schon einmal kostenlos mit Wasser ausgeholfen hat, hat Paul Regenfuß auch diesmal angefragt. Doch ob ESO, Feuerwehr oder Ämter: „Immer hieß es: nicht unsere Aufgabe“, beschwert er sich. Jeder schiebe es dem anderen zu. Er vermutet, dass der Stadt die Auffüllung zu teuer ist. Beim letzten Mal habe die Feuerwehr drei Tage gepumpt, „und da war der Teich noch nicht ganz leer.“ Im Frühjahr während der Krötenwanderung, erzählt er weiter, sammelten die Bavaria-Mitglieder die Amphibien ein, um sie ins anliegende Feuchtbiotop umzusiedeln. „Aber wo sollen die Tiere künftig laichen?“, fragt er. Im Rathaus findet man zur aktuellen Situation deutliche Worte. Laut Pressesprecher Matthias Müller gibt es seit Jahren eine Auseinandersetzung zwischen Verein und Liegenschaftsamt als Verpächter. Der Teich sei in miserablem Zustand, „von Hühnern zugeschissen“ (Müller) und von Schlamm durchdrungen.

Für ihn steht der Schuldige fest: Der Verein trage die Verantwortung, müsse sein Handeln überdenken. Die Volieren seien zu nah am Wasser gebaut, ein Misthaufen am Ufer schädige das Gewässer nachhaltig. „Wenn’s stinkt, hat das einen Grund. Solange da nichts passiert, sehen unsere Fachleute keinen Sinn darin, jetzt für viel Geld aufzufüllen“, macht Müller klar. Anfang September wollen die zuständigen Fachdienststellen über eine mögliche Grundsanierung beraten. Werner Zahn, Vize-Vorsitzender der Bavaria, hält diese Vorwürfe für nicht gerechtfertigt. „Der Misthaufen hat doch nichts mit dem Wasserschwund zu tun“, empört er sich. Auch die Wasserqualität liege nicht in den Händen des Vereins. „Durch fallendes Laub entsteht Schlamm, und wenn Wildenten und Wasserhühner ins Wasser koten, ist das nur natürlich.“

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