Ausgezeichnetes Absperrband

Urban Media Project gewinnt Deutschen Design Preis

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Eine große Schippe Renommee für das Urban Media Project: Die drei Gestalter Oliver Kremershof, Nicolas Kremershof und Loimi Brautmann (von links) wurden mit dem German Design Award für die von ihnen entworfene Dokumentation (unten) über das Experiment Wohnbüro ausgezeichnet.

Offenbach - Fast zwei Jahre lang lebten und arbeiteten Kreative hinter den Mauern des ehemaligen IHK-Gebäudes am Platz der Deutschen Einheit. Mieter waren unter anderen die Gestalter des Urban Media Projects. Von Sarah Neder 

Ihre Dokumentation des Experiments Wohnbüro hat jetzt den Deutschen Design Award gewonnen. 100 Seiten Papier. Wertiges Material, sorgfältig ausgewählte Farben, Fotos, Fonts. Nicolas Kremershof (29) blättert durch den Katalog, der ihm und seinen Kollegen Loimi Brautmann (35) und Oliver Kremershof (30) den Deutschen Design Award eingebracht hat. Es ist das letzte Exemplar, das er in der Hand hält. „Wir hatten eine Auflage von 500 Stück, dieses abgegriffene ist uns geblieben“, sagt Nicolas Kremershof schmunzelnd.

Die drei Designer vom Urban Media Project dokumentieren auf diesen 100 Seiten das experimentelle Wohnen in Offenbach. Bei diesem vom Bund geförderten Projekt wurde das ehemalige IHK-Gebäude am Platz der Deutschen Einheit zu loftartigen Appartements und Arbeitsstätten vorübergehend umfunktioniert. Zirka 60 Kreative, Studenten, Gestalter, Architekten und Stadtplaner, lebten und arbeiteten dort über zwei Jahre. Auch das Urban Media Project hatte dort sein Büro.

Mit dem Katalog wurde die Agentur, die seit Ende des Projekts 2014 im Zollamt Digitales und Gedrucktes entwirft, von der Stadt Offenbach beauftragt. Das Rathaus zahlte Druck und Gestaltung, Texte lieferte das für die Zwischennutzung verantwortliche Architektenbüro B22 aus Frankfurt. Nicolas Kremershof erklärt: Die Dokumentation richte sich zum einen an Fachpublikum, da sie Vorgehensweisen der Verantwortlichen beschreibe. Zielgruppe seien aber auch Menschen, die nichts mit der Thematik zu tun hätten. „Sie können darin stöbern und eine Welt entdecken“, betont der 29-Jährige. Den Gestaltern war wichtig, dass sich die Idee des Experiments im Design wiederfindet. Rot-weiße Streifen ziehen sich durch das komplette Magazin. „Das Absperrband dient als Element für das Improvisierte“, erläutert Kremershof.

Das hat letztlich auch die Jury des German Design Awards überzeugt, die das Urban Media Project in der Kategorie „Kommunikationsdesign“ geadelt hat. In der Bewertung des Gremiums heißt es: „Das für die 100-seitige Dokumentation entwickelte Editorial-Design vermittelt eindrucksvoll sowohl die Vision als auch das Temporäre des Wohnbüros.“ Die Bewerbung reichten die drei Gründer im vergangenen Sommer ein. Sie schafften das erste Auswahlverfahren. „Die Nominierung ist schon eine Ehre“, erzählt Kremershof. Umso größer war die Freude, als er und seine Kollegen preisgekrönt wurden.

Als Auszeichnung gab es eine gerahmte Urkunde, und das Werk der Offenbacher wurde in Museum Angewandte Kunst in Frankfurt ausgestellt. Doch so ein Sieg bedeutet weitaus mehr, weiß Kremershof: Aufmerksamkeit und Renommee. Ein solcher Award ist aber auch eine Investition. Während in anderen Branchen Preisträger oft eine Summe Geld mit nach Hause nehmen, mussten die Designer etwa 2000 Euro für die Auszeichnung zahlen. Übliche Kosten in der Designszene, meint Kremershof: „Deshalb suchen wir uns gezielt Wettbewerbe raus, bei denen wir überhaupt kandidieren.“

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