Ausländerquote geschrumpft

So teuer wird der Zensus für die Stadt

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Offenbach - Wenn es ganz schlimm kommt, muss Offenbach die Erwartungen bezüglich seiner regelmäßigen Einnahmen um zwei bis drei Millionen Euro herunter schrauben. So teuer könnte der 2011er Zensus für die Stadt werden. Von Thomas Kirstein

Wie berichtet, hat die Erhebung die bisher angenommene Einwohnerzahl, von der die staatlichen Zuwendungen über den kommunalen Finanzausgleich abhängen, drastisch reduziert.

Am 9. Mai vor zwei Jahren gab es demnach bloß 113.450 statt wie bislang angenommen 122.705 Offenbacher. Wie sich das auswirkt, ergibt sich erst durch das Verhältnis zu anderen hessischen Städten, die fast durchweg ebenfalls Bewohner verloren haben. Aber eben nicht so viel wie Offenbach mit seinen minus 7,5 Prozent. Der Landesdurchschnitt beträgt minus 3,75 Prozent.

Finanzen von Ländern und Kommunen

Stadt-Sprecher Matthias Müller, studierter Statistiker, hat allerdings seine Zweifel an der Stimmigkeit dieser deutschlandweiten Erhebung, deren Ergebnisse die Finanzen von Ländern und Kommunen kräftig durcheinander wirbeln könnten. Für Müller stellt sich die Frage, wie belastbar, wie aussagekräftig dieser Zensus ist: „Da wurde bei zehn Prozent nachgefragt und auf hundert Prozent hochgerechnet.

So ein statistisches Modell funktioniert bei stabilen Strukturen auf dem Land – für eine Großstadt mit einem hohen Anteil von Migranten ist das schwieriger.“ Müller spielt dabei auf eine hohe Fluktuation in der international ausgerichteten Rhein-Main-Region an, die viele Wegzüge ohne ordnungsgemäße Abmeldung mit sich bringe.

Jeder vierte Hesse hat ausländische Wurzeln

Folgt man indes den bislang bekannten Zensus-Daten, ergeben sich neue Erkenntnisse zu Offenbachs Bevölkerungsstruktur. Zum einen wird annähernd bestätigt, was bislang als „50 Prozent Migrationshintergrund“ nur eine Schätzung war: 48,9 Prozent der Offenbacher, 55.300, haben mindestens ein Elternteil, das eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzt oder nach 1955 zugewandert ist. Bundesweit bedeutet diese Quote jetzt den bestätigten bundesweiten Spitzenwert. Landesweit hat jeder vierte Hesse ausländische Wurzeln.

Zu korrigieren ist aber auch die bisherige Annahme, 31 bis 32 Prozent der Offenbacher besäßen keinen deutschen Pass. Tatsächlich bedeuten die 32 000 Menschen eine Quote von 28 Prozent. „Was das in der bundesweiten Rangfolge bedeutet, wissen wir noch nicht“, sagt Matthias Müller.

Zensus 2011 - das sind die wichtigsten Ergebnisse

Zensus 2011 - das sind die wichtigsten Ergebnisse

Der statistische Rückgang in dieser Gruppe fällt laut Zensus 2011 mit 13 Prozent deutlicher aus als die der Gesamtbevölkerung. Von den 37 000 in den städtischen Akten blieben 32.000 übrig. Das deutet auf die von Matthias Müller vermutete hohe Zahl von Karteileichen hin: „Wer einen deutschen Pass hat, meldet sich ab oder wieder irgendwo an, was wir mitgeteilt bekommen. Wenn Ausländer wieder ins Ausland ziehen, unterbleibt das oft.“ Die Stadt selbst spürt das höchstens bei Europa- oder Kommunalwahlen an zahlreichen nicht zustellbaren Wahlbenachrichtigungen.

Mehr als 41 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund stammen übrigens aus den 27 EU-Staaten. Weitere 31 Prozent kommen aus einem sonstigen europäischen Staat. Den Rest bilden Menschen vornehmlich aus der Türkei, aber auch aus Nordafrika.

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