Heikle Polizeidaten an Landsleute weitergegeben?

Offenbach (tk) -  Einer der drei Ausländerbeauftragten der Offenbacher Polizei sitzt seit einer Woche in Untersuchungshaft. Laut Offenbachs Oberstaatsanwältin Annette von Schmiedeberg soll der Deutsch-Marokkaner Dienstliches aus dem Polizeicomputer an Fremde weitergegeben haben.

Der schwere, auf Ermittlungen des Landeskriminalamts beruhende Verdacht lautet auf „Verrat von Dienstgeheimnissen“. Weitere Details, etwa ob es sich bei den „Fremden“ um Landsleute des Verdächtigten handelt, werden, wie mögliche Motive, zurückgehalten.

In Offenbacher Polizeikreisen kann man sich nicht vorstellen, dass der 49-Jährige Dinge preisgegeben haben könnte, die Straftaten förderten oder ihre Verfolgung erschwerten.  „Es dürfte sich eher um Gefälligkeiten gehandelt haben, zum Beispiel wenn ein junger Landsmann mal erwischt wurde, wenn’s um ein Führungszeugnis oder um frühere Ermittlungen ging“, spekuliert ein Beamter.

Bei Polizeikollegen genoss engagierter H. hohes Ansehen

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Ausländerbeauftragter in U-Haft

Die Grünen im Landtag sprechen von „Personen, die zur Fahndung ausgeschrieben waren“. Mostafa H. ist seit 1993 als „Tarifbeschäftigter im öffentlichen Dienst“ Ausländerbeauftragter im Offenbacher Präsidium. So hatte er Zugang zum normalen elektronischen Datenverkehr der Polizei, sollte aber kaum über ganz Heikles wie Einsatzbefehle für Drogenrazzien informiert gewesen sein.

Bei seinen Polizeikollegen genoss der engagierte H. hohes Ansehen. Marokkanern in Stadt und Kreis, denen er nicht nur bei Kontakt zur Polizei beistand, galt er als Institution. 2001 erhielten er und sein türkischer Kollege den Offenbacher Integrationspreis. Polizeipräsident Günter Hefner stellte H. vom Dienst frei und erteilte ihm Hausverbot. Auf Geheimnisverrat und Verstöße gegen die Geheimhaltungspflicht stehen Freiheitsentzug bis zu fünf Jahre oder Geldstrafe.

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