Sorge um Infektionsschutz

Ausnahmeregelung für Förderschulen sorgt für Angst – „Öffnung nicht nachvollziehbar“

Trotz hoher Inzidenz findet in Förderschulen wie der Offenbacher Fröbelschule nun wieder Wechselunterricht statt. Einige Lehrkräfte sorgen sich um die Sicherheit, denn nicht alle Kinder sind aufgrund ihrer Beeinträchtigungen in der Lage, die umfassenden Corona-Maßnahmen auch umzusetzen.
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Trotz hoher Inzidenz findet in Förderschulen wie der Offenbacher Fröbelschule nun wieder Wechselunterricht statt. Einige Lehrkräfte sorgen sich um die Sicherheit, denn nicht alle Kinder sind aufgrund ihrer Beeinträchtigungen in der Lage, die umfassenden Corona-Maßnahmen auch umzusetzen.

In einer Förderschule in Offenbach soll trotz der hohen Corona-Inzidenz wieder für den Wechselunterricht öffnen. Einigen versursacht dies massive Sorgen.

Offenbach – Seit etwas mehr als einer Woche ist sie nun in Kraft, die sogenannte Bundesnotbremse, die die Länder in Sachen Corona-Maßnahmen in die Pflicht nimmt. Geregelt ist dort etwa auch, wie in Abhängigkeit von aktuellen Inzidenz-Werten mit Schulen zu verfahren ist. Das Wichtigste in Kürze: Ab einer Inzidenz von über 165 geht‘s in den Distanzunterricht.

Für die Stadt Offenbach, die von solchen Zahlen seit Wochen nur träumen kann und sich derzeit mit einer Inzidenz weit jenseits der 200er-Marke herumschlägt, bedeutete das zunächst wenig Neues. Die Schulen blieben auf Landesanordnung wegen Corona bereits nach den Osterferien dicht, Ausnahmen gab es seitdem nur für Abschlussklassen. Mit dem Inkrafttreten der Bundesnotbremse müssen nun aber auch Förderschulen wieder öffnen und unabhängig von der Inzidenz Wechselunterricht anbieten. So auch die Fröbelschule. Seit gestern muss dort wieder unterrichtet werden.

Offenbach: Ärger um Schul-Öffnung trotz Corona-Zahlen

„Viele Kollegen waren sehr erschrocken, als vergangene Woche der Bescheid kam“, sagt eine Lehrerin der Förderschule an der Goethestraße, die auf die Situation aufmerksam machen will, aber anonym bleiben möchte. Für sie und andere aus dem Kollegium sei es nicht nachvollziehbar, dass Förderschulen aus der Regelung ausgenommen seien. Vor allem sei da die Angst vor einem Corona-Ausbruch an der Schule.

133 Schülerinnen und Schüler im Alter von 6 bis 19 Jahren besuchen die Fröbelschule, alle haben sie ganz unterschiedliche Beeinträchtigungen und Behinderungen, geistig oder körperlich. Nicht alle seien darum in der Lage, die entsprechenden Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen. „Es gibt einige, die behalten keine Maske auf, andere lassen keine Tests bei sich durchführen“, berichtet die Pädagogin. Heimgeschickt würden sie darum aber nicht. „Und Abstand halten funktioniert bei vielen unseren Schülerinnen und Schülern auch nicht, wir müssen da nah ran.“ Etwa beim Wickeln sei natürlich nicht an Abstand zu denken.

Corona in Offenbach: Lehrerin findet Öffnung der Schule unverständlich

Für die Lehrerin, die seit Jahren an der Fröbelschule unterrichtet, ist es darum völlig unverständlich, dass die Einrichtung trotz der hohen Inzidenz in Offenbach öffnen soll. Auch wenn sie weiß, dass Distanzunterricht für viele der Schülerinnen und Schüler deutlich schlechter umzusetzen ist als für andere Kinder und Jugendliche. „Aber auch in anderen Familien gibt es da ja Schwierigkeiten, und danach fragt doch auch niemand“, sag sie.

„Das Land hat diese Verordnung erlassen und sie muss so von uns umgesetzt werden“, sagt Jürgen Weil, der persönliche Referent des Bildungsdezernenten Paul-Gerhard Weiß dazu auf Anfrage unserer Zeitung. Zu erklären sei diese Entscheidung damit, dass die Kinder und Jugendlichen, die eine Förderschule besuchen, aufgrund ihrer Beeinträchtigungen sehr viel größere Schwierigkeiten hätten, was Homeschooling oder digitales Lernen anbelange. „Es gibt ja auch dort einen Hygieneplan“, sagt Weil. Zudem werde in Förderschulen, ebenso wie für Abschlussklassen an regulären Schulen, Wechselunterricht in kleinen Gruppen angeboten.

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Schul-Öffnung trotz Corona in Offenbach: Zweimal die Woche soll getestet werden

Dass die Entscheidung, Förderschulen zu öffnen, bei einigen Kollegen Unmut hervorgerufen hat, weiß auch die Leiterin der Fröbelschule, Ruth Steinheimer. „Viele Lehrer haben Angst, weil viele Kinder die Maßnahmen nicht einhalten können.“ Doch auch sie sagt: „Wir müssen diese Anordnung vom Land Hessen umsetzen.“ Für die Schüler jedenfalls sei diese Möglichkeit eindeutig ein Gewinn. „Das ist wichtig, damit sie nicht zurückbleiben“, betont die Schulleiterin.

Gerade deshalb steht nun aber an der Fröbelschule der Infektionsschutz weiterhin an erster Stelle. Jeweils die Hälfte der Kinder wird im wöchentlichen Wechsel in festen Gruppen vor Ort unterrichtet, während es für den Rest Material für zuhause gibt, so gut es eben geht. In der Schule ist ein Einbahnstraßensystem eingerichtet, zweimal wöchentlich wird außerdem getestet, das gilt für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für alle anderen, die irgendwie mit ihnen zu tun haben: Lehrerinnen und Lehrer, Sekretärinnen, Hausmeister und Busfahrer. „Und letzte Woche konnte sogar schon unseren über 16-jährigen Schülern und den Eltern ein Impfangebot gemacht werden“, sagt Schulleiterin Steinheimer. Auch etwa 80 Prozent des Personals sei bereits zum ersten Mal geimpft. Sie ist zuversichtlich, den Unterricht für alle so sicher wie möglich gestalten zu können. „Da geben wir wirklich unser Bestes.“ (Von Lena Jochum)

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