Zu schrill nicht nur für ein Kulturdenkmal

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Zu rot, zu groß: Yildirim-Brot muss seine Außenwerbung überdenken.

Offenbach - Sind die Kontrolleure der Bauaufsicht in der Stadt unterwegs, fällt ihnen immer etwas auf. „Mindestens einmal am Tag wird eine Abweichung vom Erlaubten registriert“, sagt Amtsleiter Helmut Reinhardt. Von Thomas Kirstein

Es geht um illegale Nutzung, unzulässige Veränderungen, eigenmächtige Interpretationen der Baugenehmigung. Und nicht zuletzt um Außenwerbung. „Illegale haben wir sehr häufig“, weiß Reinhardt.

Im Fall der Hanauer Bäckerei Yildirim, die ihre kürzlich in der westlichen Frankfurter Straße eröffnete neue Filiale mit sehr plakativem Rot dekoriert hat, fragen Bürger nach Offenbacher Grenzen des Erlaubten und des Geschmacks. Ihr Hinweis kommt an: Bäcker Yildirim wird eine Verfügung erhalten, sein knalliges Tafelmonster zu entfernen.

Keine Genehmigung

Die von seitlichen Schildern flankierte Zehn-Quadratmeter-Konstruktion besitzt keine Genehmigung und wird auch nachträglich keine erhalten. Das wäre auch der Fall, wenn das 1907 errichtete Doppel-Wohn- und Geschäftshaus Frankfurter Straße 61 nicht zu den Offenbacher Einzelkulturdenkmalen zählte. „Völlig unsensibel von einer Hauskante zur anderen gezogen“, findet Bauaufsichtschef Reinhardt, „zu groß und von der Farbgebung zu schrill.“ Die Werbung für den Brotladen sollte sich auf die Breite der bogenförmigen Schaufenster beschränken - wie nebenan im Haus Nummer 59 vorgemacht.

Bei der Beurteilung spielt keine Rolle, dass all die Jahre zuvor die Schiller-Apotheke vom Umfang her nicht weniger wuchtig Kunden lockte: Weil’s nicht so grell war, fiel’s niemandem auf.

Generelle Vorgaben für Außenwerbung gibt es nicht

Generelle Vorgaben für Außenwerbung gibt es in Offenbach nicht. Aber für alles, was größer ist als einen Quadratmeter, muss eine Genehmigung eingeholt werden, herrscht Denkmalschutz, sogar bei kleineren Tafeln.

Das zuständige Amt berät und entscheidet. „Was wir zulassen, hängt von den Proportionen des Gebäudes ab, die Werbung muss auch mit den Farben der Fassade korrespondieren“, erläutert Helmut Reinhardt. Bei der Frankfurter 61 wäre die klare Struktur der aufwändig mit bearbeiteten Steinen gestalteten Front zu berücksichtigen. Für den Hintergrund eines Schriftzugs wäre in etwa der Ton des Sandsteins aufzunehmen.

Korrektur wird nicht konfliktfrei ablaufen 

Reinhardt geht nicht unbedingt davon aus, dass die Korrektur konfliktfrei und rasch ablaufen wird. Meist wehrten sich Betroffene, beklagten Kosten und beschwörten ihren Ruin herauf. Warum professionelle Hersteller von Werbeanlagen ihre Kunden nicht auf die Genehmigungspflicht hinweisen, ist ihm ein Rätsel.

Mit Bäcker Yildirim soll übers Machbare gesprochen werden. Post von der Bauaufsicht erhält auch der Hauseigentümer. Von ihm wird ein Antrag auf Nutzungsänderung erwartet, um zu prüfen, ob die Umwandlung der Apotheke in eine Backfiliale der zulässigen Nutzung als Laden entspricht.

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