Aussicht auf Fernsicht lockte

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In Scharen pilgerten die Besucher zum Gipfel der ehemaligen Hausmülldeponie Grix. Der ESO hatte zur Begehung eingeladen, dazu gab es am Fuß des Berges jede Menge Infos zur Zukunft der höchsten Erhebung der Stadt sowie ein buntes Beiprogramm.

Offenbach - War es die Sehnsucht der Flachländer nach dem Berg? Der Wunsch nach Fernsicht? Oder die Frage, was aus einer einst stinkenden Müllkippe geworden ist? Egal, jedenfalls waren es weit mehr als 1.000 Besucher, die gestern zum Schneckenberg pilgerten, um die ehemalige Deponie Grix zu erklimmen. Von Matthias Dahmer

Der Stadtdienstleister ESO, Wächter über Offenbachs höchste Erhebung, hatte den mittlerweile begrünten Abfallberg für einen Tag zur Begehung frei gegeben, und wohl kaum einer ließ es sich entgehen, in 179 Metern Höhe den Ausblick zu genießen. Dort oben klickten dann auch pausenlos die Auslöser der Fotoapparate, der ESO verteilte an jene, die keine Kamera dabei hatten, Ansichtskarten mit vom Müllberg aus geschossenen Motiven, und kostenloses Mineralwasser stillte den Durst der Ankömmlinge. „Ein Super-Ausblick, einfach spitze“, schwärmten etwa Hans und Ellen Leilich. Das ältere Ehepaar hatte den beschwerlichen Weg zum Gipfel auf sich genommen und wurde nicht enttäuscht.

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Offenbacher Gipfelstürmer

Wie es weitergeht mit der Deponie, erläuterte unten dann Hartmut Krähling den Besuchern. Der Projektleiter beim SOH-Ableger „Entwicklung Erschließung Gebäudemanagement GmbH“ (EEG) berichtete davon, dass sich der Abfallberg seit drei Jahren in der so genannten Rekultivierungsphase befindet, die 2010 abgeschlossen sein soll. Auf der amtlichen Altlast werden immer noch das Grundwasser an 15 Messstellen sowie das austretende Deponiegas beobachtet; um letzteres abbauen zu können, wurden erst vor kurzem drei Biofilter in Betrieb genommen, die - Gartenhütten nicht unähnlich - den Grix-Gipfel zieren. „Es rentiert sich nicht, das austretende Gas zu nutzen oder abzufackeln. Dazu ist die Menge zu gering“, so Krähling.

Pläne mit Sonnenkollektoren

Festgehalten wird zudem an den Plänen, einen Teil des Berges mit Sonnenkollektoren zu bestücken. „Wir klären derzeit die Voraussetzungen für Photovoltaik“, sagte Markus Töpfer, Geschäftsführer der Rhein-Main Deponienachsorge GmbH, die im Auftrag des ESO das Machbare in Sachen Sonnenkraft auslotet. Bis Anfang des nächsten Jahres soll mittels eines Gutachtens der Nachweis erbracht werden, dass durch eine Solaranlage das fein austarierte Deponie-Dichtungssystem nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.

Auf dem Schneckenberg legte 1962 die Firma Grix nach 25 Jahren einen Kalksandsteinbruch still. In ihn wurden Galvanikschlämme und Gerbereiabfälle gekippt, später ließen Bauschutt sowie Sperr- und Hausmüll den Berg in die Höhe wachsen. 15,5 Millionen Euro, von denen das Land 85 Prozent trug, kostete die teilweise Wiedergutmachung dessen, was in den 70er und 80er Jahren angerichtet wurde. Seit 1999 wird saniert.

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