Mit Aussicht auf Tonnen

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Noch steht die Tonne zu Demonstrationszwecken: Doch Ulrike Wingert, die bald mit Ehemann das hinter ihr stehende Haus beziehen wird, ärgert sich schon jetzt, dass an dieser Stelle ein Müllplatz für ein Sechsfamilienhaus entstehen soll.

Offenbach - Ulrike Wingert deutet mit einer ausladenden Handbewegung Richtung Waldrand: „Schauen Sie, eigentlich ist es schön hier. Man ist im Grünen, und doch gibt es Einkaufsmöglichkeiten, eine Busverbindung - alles, was man auch im Alter so brauchen wird.“ Von Matthias Dahmer

Die Wingerts gehören mit zu den ersten, die sich im neuen Baugebiet „An den Eichen“ ihren Traum von den eigenen vier Wänden erfüllt haben. Der Einzug ist für August geplant. Ein schmuckes Häuschen hat sich das Ehepaar im Veilchenweg hingestellt. In der Stichstraße erinnert nichts mehr daran, dass sich hier an der Gemarkungsgrenze zu Mühlheim einst mit der Lohwald-Siedlung ein eher verrufener Teil von Offenbach befand.

Doch die Freude von Ulrike Wingert ist getrübt. Von Behördenentscheidungen, die sie weder nachvollziehen kann noch hinnehmen will. Da ist zunächst und vor allem die Sache mit dem Müllplatz: Ein solcher fürs gegenüberliegende Haus mit seinen sechs Eigentumswohnungen ist in Höhe der Wingertschen Haustür auf der anderen Straßenseite geplant. „Wir haben doch nicht über 300000 Euro ausgegeben, um auf Mülltonnen zu blicken und vielleicht auch noch deren Gestank abzubekommen“, sagt Ulrike Wingert.

Zumal die städtischen Planungen in Sachen Tonnen-Standort zunächst andere waren. Die Abfallbehälter sollten am Rande eines Wendehammers auf der Ecke des Grundstücks fürs Sechsfamilienhauses stehen. Gegenüber befindet sich eine öffentliche Grünfläche, so dass niemand gestört worden wäre.

Projektentwicklungsgesellschaft kann Aufregung nicht verstehen

Weil man für den Wendehammer jedoch keine Notwendigkeit mehr sah, ihn zugunsten privater Stellplätze opferte und der Müllplatz diese geteilt hätte, rückt der Platz nun an den östlichen Rand der Stellplatzfläche neben einen noch zu pflanzenden Baum und damit ins Blickfeld der Wingerts. Mitgeteilt wurde ihnen diese Änderung des Bebauungsplans Mitte Mai mit einem Schreiben des Vermessungsamts, das die Wingerts gleichzeitig um Stellungnahme bittet.

Beim Amt und bei der für die Vermarktung des Baugebiets zuständigen Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) kann man die Aufregung ohnehin nicht verstehen. Schließlich werde das kein überdimensionaler und öffentlich zugänglicher Tonnen-Abstellplatz, wo zum Beispiel Glascontainer stehen. Der Bereich, der nun auch näher am Eingang zu den Eigentumswohnungen liege, werde eingehaust und begrünt, das sei extra in den Plänen so vorgesehen, verspricht die OPG. Im Übrigen sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, müsse über die Stellungnahmen der Betroffenen noch entschieden werden.

Stadtsprecher kommentiert den Fall nicht

Schon hingenommen, weil in ihren Auswirkungen nicht ganz so ärgerlich, hat Ulrike Wingert die Auflage, vier Fahrrad-Abstellplätze nachzuweisen. „Unsere Architektin musste die extra auf den Plänen einzeichnen“, sagt sie. Ihrem Einwand, sie werde mit ihrem Mann das Haus alleine bewohnen und man habe doch nur zwei Räder, wurde entgegnet, es könnten ja schließlich mal Gäste mit dem Rad kommen...

Stadtsprecher Matthias Müller bestätigt, dass die kommunale Stellplatzsatzung eine bestimmte Anzahl von Fahrradplätzen vorsehe. Den Fall der Wingerts und deren Einwand dazu will er nicht kommentieren.

Im Baugebiet „An den Eichen“ befinden sich insgesamt 110 Grundstücke. Neun sind nach Angaben der OPG mittlerweile verkauft, zehn weitere in Erbpacht vergeben. Vermarktet wird das im Grünen liegende Areal, auf dem künftig auch insgesamt elf Boklok-Häuser von Ikea stehen sollen, seit Mai 2009 als größtes zusammenhängendes Wohnbaugebiet in Offenbach.

Die OPG, eine Tochter der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH), peilt an, dass die Grundstücke im Baugebiet bis zum Jahre 2015 komplett belegt sind, wie SOH-Sprecherin Regina Preis sagt.

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