Ob Stufenerklimmen oben oder Segway-Fahren unten

Aussichtsturmfest: Lokale Akzente auf der Bühne

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Figuren und Spielzeug aus Luftballons waren zumal beim jüngeren Publikum der Renner.

Bieber - Sind die 123 Stufen bis zur Plattform des Aussichtsturms bewältigt und die Schweißperlen von der Stirn getupft, belohnt eine grandiose Fernsicht die Anstrengung. Von Harald H. Richter 

Diesmal reichte der Blick besonders weit ins Land – dank eines sehr wohlmeinenden Petrus, der am letzten August-Wochenende zur Freude der Organisatoren und Besucher des Turmfests klaren Himmel und Sonne satt schenkt. Ins Schnaufen gerät, wer den 24 Meter hohen Aussichtsturm am bewaldeten Ortsrand von Bieber bei strahlendem Sonnenschein hinaufsteigt. Doch auch die Veranstalter kamen im Vorfeld des Festes ordentlich ins Schwitzen – im übertragenen Sinne. „Am Vortag, als das zwölfköpfiges Aufbauteam bei strömendem Regen mit den Arbeiten begann, sah es noch ganz anders aus“, berichtet Ilse Hammann, Vorsitzende der Vergnügungsgesellschaft Offenbacher 03, und bezeichnet die zupackenden Helfer scherzhaft „Seepferdchen-Abteilung“. Die haben zu Füßen des trutzigen Bauwerks dafür gesorgt, dass die EVO-Bühne eingerichtet ist, Tische, Bänke und Sonnenschirme akkurat aufgestellt und auch sonst alle Voraussetzungen geschaffen sind, damit die Bieberer und ihre Gäste unbeschwert feiern können.

Bei hochsommerlichen Temperaturen schmeckte der kühle Ebbelwoi unter schattenspendenden Schirmen gleich doppelt so gut.

Die Offenbacher 03 und der von Markus Merkel geführte Musikverein Eintracht, die seit mehr als 30 Jahren die Fürsorgepflicht über den Aussichtsturm innehaben, setzen insbesondere beim Unterhaltungsprogramm lokale Akzente. Das seit 2011 von Florian Seemann dirigierte Große Orchester und auch der musikalische Nachwuchs des Eintracht-Ensembles wissen mit schmissigen Rhythmen zu überzeugen. Noel Merkel am Schlagzeug, Keyboarder Sascha Klein und Saxofonist Torben Heß, ehemals Mitglieder der Leibniz-Schulband, setzen bei ihrem Auftritt eher jazzige Akzente. Ein bewusst breites musikalisches Spektrum von Klassik über Schlager bis Hardrock bedient der vom örtlichen Oktoberfest bekannte Alleinunterhalter Uli Jahn. Er hat auch etwas für Daniela Hofmann aus Bieber und Horst Abt im Repertoire.

Die zwei lernten sich auf den Tag genau vor drei Jahren kennen – zwar nicht während des Aussichtsturmfestes, sondern bei einem Kneipenbesuch in Offenbach. „Es hat gleich gefunkt“, sagt der aus dem Salzburger Land stammende Österreicher. „Und im nächsten März wollen wir heiraten“, verkündet seine Liebste freudig. Von so viel Glücksgefühl erfüllt, vergisst das Pärchen beinahe, Lose für die Tombola zu erwerben. Mehr als 50 attraktive Sachpreise – vom Gasgrill bis zum Heimwerkerzubehör – haben die Organisatoren bei der Geschäftswelt gesammelt und loben als Hauptgewinn ein Fahrrad aus. Das übergibt der diesjährige Schirmherr der Veranstaltung, Klaus Kohlweyer, gegen Abend des Schlusstags einem langjährigen und verdienten Mitglied der Offenbacher 03: Walter Ehnert. Der freut sich besonders über den Preis, tritt er doch gern in die Pedale und ist deswegen dankbar für das neues Gefährt.

Bilder: Aussichtsturmfest in Bieber

Ein ganz anderes Fortbewegungsmittel lässt sich auf dem Platz vor dem Aussichtsturm ausprobieren. „Am Segway-Fahren finden inzwischen Menschen aller Generationen Gefallen“, sagt Martin Preis, Mitarbeiter des Sport- und Bewegungsexperten Maik Hammerschick, der in Waldhof ein Testcenter unterhält. Extra fürs Fest ist ein kleiner Parcours aufgebaut. Dort gibt der junge Mann Neugierigen Auskunft, wie einfach das elektrisch angetriebene Ein-Personen-Transportmittel zu bedienen ist. „Sie steuern durch leichtes Beugen nach vorn die Beschleunigung, Gewicht nach hinten bewirkt Abbremsen“, erklärt Preis dem Tempelseer Nico Kafetzis, der gleich darauf ein paar Runden dreht.

Stefanie Panetta hört interessiert zu, Söhnchen Domenico möchte am liebsten auch mal damit fahren. Doch der Sechsjährige ist dafür noch zu jung. Die junge Mutter hingegen besitzt Fahrpraxis. „Ich habe schon mal an einer der Käsmühl-Touren teilgenommen, das war ein tolles Erlebnis“, erzählt sie. Während das Fest bei Musik, Speisen und Getränken ausklingt, wird die Fahne vom Turm geholt und das Portal verschlossen. Doch nicht für lange, denn noch bis Ende Oktober ist das Bieberer Wahrzeichen sonn- und feiertags von 9 bis 18 Uhr zugänglich.

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