Mark Herbert Thema bei der Turmfeier

Fest hat mit brutaler Tat wenig zu tun

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Biebers Aussichtsturm: 1882 erbaut vom Verschönerungsverein Offenbach steht er auf einem künstlichen Hügel und noch knapp auf Rumpenheimer Gemarkung. Seit 1983 sorgen die Offenbacher 03 und der Musikverein Eintracht für seine Pflege. Geöffnet ist er von Mai bis September sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr.

Offenbach - Am Rande von Bieber wird Aussichtsturmfest gefeiert, wie seit eh und je. In diesem Jahr ist durch mediale Aufarbeitung ein schlimmes Ereignis in den Mittelpunkt des interesses gerückt worden. Von Harald H. Richter 

2012 hat ein immer noch nicht überführter Täter den damals 23-jährigen Mark Herbert in den Rollstuhl geprügelt. Beide kamen aus dem Kickersstadion zu dem benachbarten Fest.

Am Fuß des trutzigen Aussichtsturms, von dessen höchstem Punkt in 24 Metern Höhe eine beeindruckende Fernsicht möglich ist, füllen sich, je näher der Abend rückt, die Bankreihen. Alleinunterhalter Uli Jahn spielt mit stimmungsvollen Liedern zum Tanz auf. Die ersten Pärchen lassen sich nicht lange bitten. Auf dem Grill brutzelt bereits leckeres Fleisch. Bier, Wein und andere Erfrischungen werden ausgeschenkt. Es geht gesellig zu, wie immer in der Vergangenheit.

Vor drei Jahren dürfte das kaum anders gewesen sein, als die beiden Patenvereine, die Offenbacher 03 und der Musikverein Eintracht, dort im Schatten des steinernen Bauwerks ihr Aussichtsturmfest veranstalteten. Der 25. August 2012 veränderte freilich manches. Denn da wurde der damals 23-jährige Offenbacher Mark Herbert Opfer einer brutalen Attacke. Er erlitt so schwere Verletzungen, dass er seitdem vom Hals abwärts gelähmt ist.

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„Das schreckliche Geschehen von einst wirkt bis heute nach“, bekennt eine nachdenkliche Ilse Hammann, die Vorsitzende der Offenbacher 03. Noch ist sie unschlüssig, ob sie bei ihrer gleich anstehenden Begrüßung Bezug nehmen soll auf die damalige Gewalttat; vor allem da sie in den vergangenen Tagen wiederholt auf das Geschehene angesprochen wurde. „Dabei besteht eigentlich gar kein Zusammenhang zu unserem Fest“, sagt sie. Und weist darauf hin, dass die seinerzeit Beteiligten nach einem Kickers-Heimspiel herüber gekommen waren. Das Tatgeschehen spielte sich abseits des direkten Blickfelds der Festbesucher ab, gleichwohl höchstens einen Steinwurf entfernt.

Nicht zuletzt durch die Aufarbeitung des Falls in der vorigen Ausgabe der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ ist das Ereignis wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. In drastischen Bildern war darin der mutmaßliche Hergang filmisch rekonstruiert worden. Der in dem Fall ermittelnde Kriminalkommissar Stefan Racic appellierte eindringlich an Zeugen, sich der Polizei anzuvertrauen und mit ihrem Namen auszusagen. Dennoch läuft der Täter bis heute frei herum, da die bisherigen Aussagen zu der Angelegenheit nicht gerichtsverwertbar sind.

„Ich kann einfach nicht verstehen, warum der Angreifer noch nicht überführt werden konnte“, gerät die seit einem Jahr in Bieber wohnende Silvia Greim ins Grübeln. Mit ihrem Partner und Sohn Damien ist sie erstmals zum Aussichtsturmfest gekommen, um einen vergnüglichen Nachmittag zu verbringen. Aber es macht sie betroffen zu wissen, dass die bis heute unaufgeklärte Gewalttat nur wenige Meter von Musik, Tanz und Geselligkeit entfernt passieren konnte. „Mir ist nicht begreiflich, dass da offenbar mehrere Menschen den Tathergang beobachtet haben, aber aus Furcht vor Repressalien schweigen.“

Bilder: Aussichtsturmfest in Bieber

Abscheu empfindet auch Michael Gronau aus Waldhof vor dem, was sich an jenem Augustabend ereignet hat. „Hier oben muss die Auseinandersetzung ja wohl angefangen haben, die dann unten eskalierte“, sagt der Waldhofer. Er ist mit seiner kleinen Tochter und der Partnerin die 123 Stufen zur Aussichtsplattform hinaufgestiegen, um sich der Rundsicht zu erfreuen. Ein weiterer Turmfestbesucher bekennt: „Ich bekomm‘ Gänsehaut, wenn ich mir vorstelle, dass der fast zu Tode geprügelte und getretene junge Mann nur das Panorama genießen wollte. Und nie mehr wird er das tun können.“

Spendenkonto Mark Herbert, Sparkasse Offenbach, IBAN DE76505500200007037104, BIC HELADEF1OFF

Wieder unten angelangt, ist Ilse Hammann gerade dabei, ihre Begrüßungsworte an die Festgäste zu richten. Sie hat sich entschlossen, nicht explizit auf den seinerzeitigen Vorfall einzugehen. Wohl aber ist auch sie sich im Klaren: Erst wenn der Täter hinter Schloss und Riegel sitzt, wird die Tat gesühnt sein und man langsam zur Normalität zurückkehren können. Mark Herbert erfährt von vielen Seiten Solidarität und Beistand: Die Belohnung zur Ergreifung des Täters ist heraufgesetzt worden, zahlreiche Menschen möchten spenden. Seine Eltern haben daher eine Bankverbindung eingerichtet.

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